Tomas Espedal: „Gehen oder die Kunst, ein wildes und poetisches Leben zu führen“

Tomas Espedal: „Gehen oder die Kunst, ein wildes und poetisches Leben zu führen“, Roman, Matthes & Seitz Verlag, Berlin 2011, aus dem Norwegischen übersetzt von Paul Berf, 235 Seiten plus Inhaltsverzeichnis und den Angaben zur verwendeten Literatur

Fra_Hardanger_Gude

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Da schreibt einer, man ist versucht zu sagen ´noch einmal´ ein Buch über etwas so Anachronistisches wie das Gehen. Und damit, wie der Untertitel verrät, über das Aufbrechen, das Sich-Auf-Den-Weg-Machen.
Vielleicht werden solche Erfahrungberichte auch wieder zunehmen in einer Zeit, in der das Virtuelle gefeiert wird und das wirkliche Leben stellenweise zu bedrohen scheint.
Bei Espedal geht es um das Gehen als Passion, mit einer Tendenz zur Meditation.
Das Gehen, ist es hier auch Flucht vor etwas oder doch mehr die Erprobung einer anderen, vielleicht gemäßeren Seinsweise? Einer einfachen, in der sich alles auf´s Wesentliche reduziert: Fortbewegung, Essen, Trinken, Unterkunft.
Gleichzeitig ist der Held des Buches ein Schreibender, er reflektiert seine Situation, ist wohl ein Künstler, mag sein das alter ego des Autors, der noch einmal die alte romantische Sehnsucht „ein wildes und poetisches Leben zu führen“ aufleben, sich von ihr inspirieren lässt. Der alte Traum und die alte Sehnsucht des Taugenichts auf die Ferne. Hier bläst allerdings keiner mehr ins Posthorn. Der Start ist, eher trist, in einer Vorortstraße.
Wird also das Gehen als schöne Kunst betrachtet?
Fast hat es den Anschein.
Ist es eine?
Oder ist es weder Kunst noch schön?
Wäre das wilde poetische Leben den das Gute?
Oder ist es nur eine weitere Ausbruchsphantasie, letztlich ein Spießertraum?
Was macht denn die Freude der Hauptfigur daran aus, schwarze Hände zu haben, sich im Spiegel nur mühsam selbst zu erkennen, zu verwildern, zu frieren, unbequeme Nächte zu suchen und zu überstehen und zu viel Alkohol zu trinken?
Und: Was heißt es für den Konsumenten, dies im bequemen Sessel, zu Hause zu lesen, wo das einzige was geht, die Zentralheizung ist?
Warum betont dieser Held, leicht stutzerhaft, wiederholt, dass er im Anzug wandert und welche Stiefel er dabei trägt? Wozu muss man das wissen?

Es ist nahe liegend, dass man bei so einem Thema ein paar Gewährsmänner hat. Espedal lässt sie seinen Protagonisten anführen und bringt kurze Zitate aus den Werken von Rousseau, Rimbaud, Whitman, Rilke, Heidegger und anderen.
Sind das zivilisationsmüde Phantasien, die noch einmal aufblühen, bevor der Mensch ganz der Tendenz erliegt, das schmutzige reale Leben gegen das digitale des Cyber-Raums einzutauschen?
Freilich, man kann und wird, wenn man sich darauf einlässt, ins Nachdenken kommen, bei diesem im Grunde einfachen Thema. Und ´gehen´ ist etwas, das jedem etwas sagt, in der einen oder andren Form.
Das Buch beginnt mit der Beschreibung eines Weges, einer Straße: „Die Björnsonsgaten, viel befahren und schmutzig, Arbeiterwohnungen in Reihen zu beiden Seiten des Schattens, der einem Weg gleicht, einer Verkehrsader, blutarm und kalt, ein schmaler Bürgersteig, an Fabrikgeländen, Tankstellen vorbei, zum Danmarksplass, dem finstersten Lichtkreuz der Stadt. Eine schäbige Straße, durchzogen von entmutigenden Spuren: ein sterbender Baum, das halb verfallene Holzhaus und eine abgasstaubige Hecke, das Fenster, hinter dem sie steht und ihren Wollpullover auszieht.
Eine schäbige Straße, meine Adresse und Lieblingrsoute in die Stadt.“ S. 7

Dieser fast düstere Anfang mit der Beschreibung einer schäbigen Straße ist nicht unbedingt vielversprechend, da muss noch etwas anderes kommen.
Ab Kapitel 5, die Kapitel sind kurz, wird es reflexiver und spannender: „Der Traum vom Verschwinden. Vom Fortsein. Eines Tages zur Tür hinausgehen und nicht wiederkehren.
Der Traum, ein anderer zu werden. Freunde und Familie zu verlassen, sich selbst zu verlassen und ein anderer zu werden; alle Bande abzuschütteln, Heim und Gewohnheiten zurückzulassen, Besitz und Geborgenheit, Zukunftsaussichten und Ambitionen aufzugeben, um ein Fremder zu werden.
Sich einen Bart stehen und die Haare wachsen lassen, seine Augen verbergen, eine Brille, zerschlissene Kleider, ausgelatschte Schuhe tragen, das Gesicht aufquellen, die Hände schwarz werden lassen, sich in seiner gewohnten Umgebung bewegen, unter seinen alten Bekannten, und beobachten, welchen Eindruck das alles auf einen macht, wenn man selbst fort ist.
Der Traum einer Verwandlung.“ S. 15

Hier wird deutlicher, um was es geht.
Man könnte meinen der Schmetterling wollte, wenn nicht Käfer, so doch wieder Raupe werden.
Aber vielleicht sucht der Überdruß am Normalen und Gewohnten, am ge- oder überregelten modernen Leben ja auch wieder automatisch nach seinem Komplement.
Fast erinnert diese Schilderung an einen, ist es eine kindliche oder eine suizidale Phantasie,  der, nachdem er gestorben ist, ´von oben´ sehen will, wie es ohne ihn weiterläuft.
Somit ist das Buch, das ist längst deutlich, nicht nur eines über eine Fortbewegungsart, sondern auch philosophisch angehaucht:  „Der Baum und das Gedicht haben die gleiche Botschaft: Wir müssen sehen lernen. Wir müssen lesen lernen. Und wenn wir Olav Nygard lesen, werden wir sehen, dass alles, wonach wir suchen, sonach wir uns sehnen, hier ist, ganz gleich, wo wir sind, direkt vor unseren Augen. Es verbirgt sich in Nahen, im Einfachen, in unserer nächsten Umgebung, im Alltäglichen, an dem wir vorübergehen.“ S. 56
Es sind Träume vom Unbehaustsein, wie bei Rilke (vgl. S. 65 f.), und damit vom Aufbruch aus dem gewohnten, dem üblichen Rahmen, damit auch von Freiheit. Darin enthalten ist die Sehnsucht nach Erfahrung. Oder anderer Erfahrung. Und damit wohl, wie oben zitiert, um Verwandlung. Die Straße, das Sich-Aussetzen, der peramente Ortswechsel sollen das Vehikel sein, aber geschehen muss diese Verwandlung natürlich im Innen. Mit Anklang an einen seiner Gewährsmänner, der sich zuschanden ging, sagt der Protagonist denn auch: „Ich war ein anderer geworden“ S. 126
Dennoch ist die sinnliche Erfahrung des Gehens, das Gehen als Rauscherfahrung, als Meditation, ein Teil dieser Suche nach Verwandlung. (Vgl. S. 70 f.)
Ebenso das Befreien von Gewohnheiten und Zwängen, was in den quasimagischen Kindersatz mündet: „Es geht also wohl immer auch um eine neues Leben.“ S. 122
Letztlich steckt in dem Helden wohl ein leicht verkappter Mystiker. Sich selbst verwandeln und das Wunder als direkt vor den Augen liegend erkennen, das ist ein mystischer Topos.

Das verspricht er sich von der Tätigkeit des Unterwegsseins: „Die Reise macht uns nicht älter, sie macht uns jünger. Die Reise verwirrt uns, bringt Jahre und Zeit aus der Balance, wir bildne uns sein, alles mit neuen, mit jungen Augen zu sehen, außerdem stört die Reise unser Gedächtnis, lässt uns vergessen; wir erinnern uns nicht mehr an unser wahres Alter und die Fehler, die wir gemacht haben, die zahllosen Enttäuschungen, die wir erlebt haben, wir reisen und glauben, in unsere Jugend zurückzureisen, während wir in Wahrheit hier sitzen und träumen.“ S. 166
Die Reise ist das Medium der Veränderung. Sie steht in Verbindung mit dem Träumen. Wenn man jung ist oder sich fühlt, sind der Möglichkeiten noch viele. Es ist mehr Potential als Fakt, es gibt noch weniger Festlegungen und Sachzwänge.
Die Welt war noch ein offenes Buch.
Danach kann man Sehnsucht haben. Die Durchführung ist so verständlich wie zum Scheitern verurteilt.
Überhöht wird es dennoch, denn vom Reisen kommt er auf die Revolution und dann: „Haben wir das ´Gastmahl´ gelesen? Ist das etwa kein revolutionäres Buch, hat es nicht die Welt verändert? Nein, sagen wir. Ja, begreifen wir denn nicht, dass sich Platon in ´Der Staat´ irrte und in ´Symposion´ Recht hatte; jede Veränderung schöpft ihre Kraft aus Eros, die Liebe ist das wahre Ziel der Revolution.“ S. 167 f.
Soll also das Gehen eine Verwandlung bewirken, diese muss eine Umwälzung sein und das Ziel der Triumph der Liebe? Nur im Traum oder wirklich?
Und wäre es dazu nötig, sich zunächst von Allem und Allen loszusagen?
Da geht wohl eine Art säkularer Reformator oder Heiliger.
Einer, dem das Normale und die Norm nicht reichen. Aber auch einer, dem Alkohol als Hilfsmittel nicht suspekt ist

Gut und schön.
Man kann das denken und es tun.
Schriebe man dann darüber?
Aber als Buch – ist das nicht eine Ersatzbefriedigung, ist das nicht etwas Unechtes?
Eine billige Gedankenreise, Spießers Traum, für die, die sich eben nie auf den Weg machen und selbst wirkliche Erfahrungen ergehen würden?
Sie ergötzen sich auf dem Ledersofa bei Kaffee und Kuchen oder im warmen Bett lesend an den Erfahrungen, die ein anderer machte oder sich erdachte, bewegen sich selbst aber nicht, machen sich nicht auf den Weg, nie den berühmten ersten Schritt, der einen weit wegführt.
Diese wenig mutigen, verhockten Existenzen lesen dieses Buch vielleicht besonders gerne – ist es für sie geschrieben?
Sie werden die Grenzerfahrung des Aufgebens, des Losgehens nicht machen, sie werden kein Risiko eingehen und keine andere Art zu leben suchen. Kein Verwandlung, kein neues Ich, nicht die Erneuerung der Liebe.
„Bewegung ist Einsamkeit“ heißt es im Buch, Liebe erforderte Sesshaftigkeit.
Ja was denn nun, möchte man fragen.

Peter Kurzeck Lesung “Vorabend”

Peter Kurzeck

Quelle: de.wikipedia.org (Liberal Freemason)

Wieder einmal hat Peter Kurzeck in Marburg gelesen, diesmal im Café Vetter, am 5.06.2011, aus seinem neuen Buch von ca. 1000 Seiten, mit dem Titel „Vorabend“.
Ein Geheimtip ist er längst nicht mehr, mittlerweile hat man ihn bemerkt und ihm diverse Literaturpreise gegeben.

Offenbar erzählt Peter Kurzeck gern.
Die Übergänge von den einleitenden Worten zum vorgelesenen Text und das was er nach dem Lesen der Passagen aus seinem neuen Buch sagte, waren fast unmerklich.
Sein Erzählen folgt einer Poetik der Zärtlichkeit und des Aufbewahrens, oder genauer: Rekonstruierens. Vergleiche hinken immer, ob man ihn zurecht als ´hessischen Proust´ ansprechen mag, darüber kann jeder selbst entscheiden, aber die Erinnerung vergangener Zeit und deren Bearbeiten und Bewahren durch das Schreiben sind ein möglicher Vergleichspunkt zwischen diesen beiden Autoren.
Kurzeck widmet sich mit seinem Schreiben dem, was er kennt. Er sieht genau hin und beschreibt genau, mit immensem Gedächtnis. Dabei gilt seine Aufmerksamkeit den ´kleinen Leuten´ und eher nebensächlichen Dingen. Dazu stimmt, dass er auch Dialektales in seine Erzählprosa mit hineinnimmt. Er beschreibt auch, was er in der Kindheit gesehen hat, was aber nur einmal mehr deutlich macht, dass für die Literatur der Begriff räumlicher Provinz keinen Sinn macht.
Hinter diesem so sanften und sympathischen Erzählen kann man allerdings auch eine Manie vermuten. Kurzeck, so scheint es, erzählt nicht nur gern, er muss erzählen. Vielleicht seine Überlebensform.
Bei dieser Lesung fiel auf, dass er selbst vor dem Einfühlen in Tiere, Amseln zum Beispiel oder Hunde, die bis zwei, jedoch nicht bis drei zählen können, nicht haltmacht und dass Ironie und humorvoll augenzwinkernde Technikkritik, etwa anhand aufkommender Haussprechanlagen in den Sechzigern, einen Platz bei ihm haben.
Ihm fällt aber auch auf, dass das Wort „Kleinigkeit“ erst seit den Fünfzigern Einzug in den  Dialekt gehalten hat. Oder dass die Leute einer bestimmten Gegend nie „Ja“, aber immer „Jawoll“ sagten – was er mit einer militärischen Assoziation, dem in der Zeit vor 1945 geprägten Habitus und imaginiertem Hackenzusammenschlagen assoziiert.
Was Kurzeck kann – oder womit er geschlagen ist -, ist wohl eine besondere Wahrnehmung. Das macht seine Bücher wertvoll. Es ist eine Wahrnehmung, mit Walter Benjamin zu sprechen, der ´vergessenen Effekten´. Mehrfach deuten auch Formulierungen Kurzecks wie „wie im Märchen“ oder „wie eine andere Welt“ darauf hin.
Wahrscheinlich ist das noch eine Kinderwahrnehmung, eine, die den Zauber des ersten Sehens nicht verloren und das sich Wundern nicht verlernt hat. Wie Kinder gebannt sein können vom Wahrgenommenen, so ist es Kurzeck als Autor noch – und porträtiert diesen Zustand, für sich, aber auch für seine Leser.
Dahinter kann auch Weisheit stecken – oder daraus resultieren.
Er will erzählen, bis alle verstehen. Alle verstehen, das heißt jedoch nicht, dass man hier didaktisch traktiert würde, im Gegenteil.
Kurzeck, das heißt auch, das reine,  bloße Wahrnehmen als Glücksgefühl zu wissen – oder wieder erkenntlich zu machen. Das klingt simpel, ist es vielleicht auch, aber es ist viel. Sehen ist ihm bereits eine Art Dichtung. Zu sehen, wie ein Pferd, das Durst hat, trinkt, ist für ihn beinahe eine Art Glücksgefühl. Das ist sehr zart, sehr hübsch.
Als Kind hat er das aufgesaugt, was heute noch potentiell unendlich aus ihm sprudelt.
Und daher scheint auch die Sinnlichkeit, vielleicht der Ton seines Erzählens zu rühren.

Antonio Dal Masetto: “Blut und Spiele”

Antonio Dal Masetto: “Blut und Spiele”, aus dem Spanischen von Susanna Mende, Frankfurt am Main 2008, die Originalausgabe erschien unter dem Titel “Bosque” 2001 in Buenos Aires, die erste deutschsprachige Ausgabe 2006 in Zürich, 230 Seiten, 8,00 Euro

“Blut und Spiele” nimmt inhaltlich Bezug auf das Buch “Noch eine Nacht” des gleichen Autors, das hier im Blog im Februar 2007 bereits besprochen wurde. – Das ungeschriebene Gesetz, dass Folgeprodukte in aller Regel schwächer sind als der erste Teil, scheint sich hier wieder einmal zu bestätigen. Zwar hat das neue Buch auch seine Qualitäten, aber es kann an das erste nicht heranreichen; vermutlich hätte Dal Masetto sich besser eines neuen Stoffes angenommen.
Zu unmotiviert ist das Bleiben des Helden, zu rätselhaft und allgegenwärtig ist die Motorradbraut die, es sei ausnahmsweise einmal verraten, am Ende, ganz im Unterschied zum ersten Buch, auch noch zu einem nicht wirklich überzeugenden Happy end herhalten muss. Zu gesucht und grausam der Tod zweier Täter. – Diese späte ´Rache´ des Schicksals schmeckt schal. Auch die plötzliche Wendung der Absichten des Helden, die er dann gleich in die Tat umsetzt, ist zu wenig vermittelt.
Die Spannung, die der Autor dennoch aufzubauen in der Lage ist, rührt ganz wesentlich von “Noch eine Nacht” her, denn dort wird gleichsam in Zeitlupe und mit unvermeidlicher Konsequenz das Verhängnis ausgebreitet. Das war böse und gelungen, man hätte es dabei belassen sollen. Der zweite Teil wirkt teils aufgesetzt und künstlich, die ´Gerechtigkeit´, die hergestellt wird, hat einen Pseudocharakter.
So ist der neue Roman ein Buch, das nur bedingt alleine stehen kann, da der Leser die Vorgeschichte zum Verständnis braucht oder doch kennen sollte. – Doch wirkt der zweite Band der Geschichte des fiktiven Ortes Bosque blässlich und ausgedacht neben dem ersten, auch wenn es ein, zwei drastische Szenen und einen skurrilen Bankdirektor darin gibt.
Müßig, sich zu überlegen, wie der Autor die Story hätte retten können.
Trotzdem: Wenn er auch den neuen Helden in Bosque hätte untergehen lassen – und das hätte die Geschichte ganz ungezwungen hergegeben, ja das ist fast angelegt, dann hätte das Buch vielleicht wesentlich größere Chancen gehabt, zu überzeugen. – So entwertet er in gewisser Weise Stimmung und Aussage des ersten Romans, was zusätzlich schade ist.
Was folgende Stelle soll – und was man aus ihr, aus einer solchen Haltung heraus, hätte machen können – der Autor allein mag es wissen:
“Und das Dorf kam ihm vor wie eine Bühne, auf der die ganze Zeit ein Stück aufgeführt wurde. Eine Fassade, hinter der sich eine allgemeine Bereitschaft verband, zu schweigen und jede Art von Verbrechen, die erst vor ein paar Stunden stattgefunden hatten. Sondern ein großes, verborgenes Versprechen, das bereits geschehen war, ein Verbrechen, das noch bevorstand, das sämtliche Verbrechen in sich barg und die Luft, die Menschen und die Dinge vergiftete.” (S. 197)
In dieser Stelle erscheint das Grundböse durch, das den Unterzug des ersten Bandes bildete und das darin enthaltene Geschehen näherungsweise ins Überpersönlich-Mythische erhob, doch entspricht der zweite Band dem leider in nichts und diese Stelle bleibt Behauptung und Fremdkörper im Text, Versuch einer missglückten Anknüpfung.
Wenn schließlich noch das, was der Bankdirektor erfahren hat nicht nur für ihn zutreffen sondern auch darüber hinaus gelten soll, ist die ohnehin schwer glaubliche, da recht unmotivierte Beziehung zwischen dem Helden und der Tochter des Anwalts zu Ende des Romans von vornherein zum Scheitern verurteilt. Der Bankdirektor, ein manischer Sammler von Zinnfiguren, sagt:
“Ich komme hierher und bin bei meinen Soldaten. Mehr brauche ich nicht, Es tut mir Leid, dass ich es mit niemandem teilen kann. Ich habe fast keinen Umgang hier im Dorf. Ich lebe mit meiner Frau, meiner älteren Tochter und meiner Schwiegermutter zusammen. Früher sind sie gekommen und haben spioniert. Dann haben sie an mir herumgenörgelt, sich darüber lustig gemacht und mich behandelt, als wäre ich verrückt. Eines Tages habe ich das Schloss ausgewechselt, und jetzt habe ich nur noch einen Schlüssel. Manchmal, wenn es spät wird, schlafe ich hier auf dem Sofa, damit sie sich nicht über den Lärm beschweren. Sie können sich nicht vorstellen, was es heißt, mit drei Frauen zusammenzuleben.” (S. 95)

(Auf S. 45 oben steht “mit einen V.” – hier muss der Dativ stehen.
“Weidmannsheil” ist eine beknackte Folge der Neuen Falschschreibung (S. 123) und auf S. 199 liest man “sagte sie Frau” statt ´sagte die Frau´)

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