Alistair McLeod „Land der Bäume“
Dezember 1st, 2004Alistair McLeod ist für sein neu erschienenes Buch:“Die Insel“ sehr gelobt worden in den Feuilletons, gekauft hatte ich mir aber sein vor fünf Jahren erschienenes „Land der Bäume“. Nun bin ich kein erklärter Freund des Genres der Familiensaga und dieses Buch entpuppte sich als eine. Trotzdem habe ich es gern und mit Spannung und daher in kurzer Zeit gelesen. Es entwickelt seine Spannung ganz unaufdringlich, auf fast unterirdische Weise, ohne jede Effekthascherei, einfach durch´s erzählen. Und das ist es, was Mc. Leod kann.
Er führt in eine fremde, harte Welt von ausgewanderten Bergleuten, die von stark ausgeprägtem Clangeist beseelt sind. Er tut es auf eine Art, daß man den Eindruck von Authentizität gewinnt – ob diese Fiktion ist oder nicht, ich habe es nicht überprüft weil es mir letztlich nicht wichtig war – man hat an keiner Stelle den Eindruck von etwas Aufgesetztem oder Ausgedachtem, sondern meint passiertem, gelebtem Leben zuzuhören. Vermutlich ist das ein Teil dessen was das ´Times Literary Supplement´ meinte als es schrieb: „Alistair McLeod zeigt uns die Kunst, Geschichten zu erzählen“ oder was Wolfram Schütte meinte, als er von „beschwörender Erzählmagie“ sprach.
Dieses Buch macht auf sanfte Weise nachdenklich, seine Figuren begleiten einen auch noch nach dem Lesen, sie fallen einem unter der Hand ein, ein wenig wie entfernte Verwandte oder Bekannte. Es erzählt von hartem Leben, von Lebensläufen mit und ohne Erfolg und so ist es, aber so, daß man es nicht bemerken muß wenn man es nicht will, auch ein Buch über Erziehung. Es kann an Frank Mc. Courts „Die Asche meiner Mutter“ erinnern, aber es ist besser, ehrlicher.
Einfache, sentenzartige Lebensweis- und -wahrheiten der Familie begleiten das teils herbe, auch mal tragische Geschehen: „Man kann sich an fast alles gewöhnen – ausser einen Nagel im Schuh“ oder „Man muss immer das Beste aus allem machen“ oder „Die Zeit reicht nie“. Ziemlich lapidar, aber es handelt auch von einfachen Leuten und wie sie sich durchs Leben schlagen (müssen). Es endet mit den schönen „So ist das Leben, und so muss man es nehmen. Keine Rose ohne Dornen“ und „Wir sind alle bessere Menschen, wenn uns jemand liebt.“
Ob man McLeod, wie Michael Ondaatje es tut, als den grössten noch zu entdeckenden Schriftsteller unserer Zeit bezeichnen muss kann man getrost dahingestellt sein lassen, ob in solchen Beurteilungen überhaupt Superlative angebracht sind ist fraglich, aber es ist ein stilles, lesenswertes, schon in der Haltung des Rückblicks auf zarte Weise melancholisches Buch, das sehr nahe an diesen Clan herangeht und ihm beinahe mythische Züge mitgibt. So kritisch man mit Clangeist zurecht umgehen mag, in dieser Schilderung und angesichts der aktuellen Entwicklungen nicht nur in unserer Gesellschaft kann dieser aus äusserer Not heraus entstandene bedingungslose Zusammenhalt fast so etwas wie Neidgefühle und eine Art Heimweh erzeugen.
Aistair McLeod: „Land der Bäume“, Roman, Frankfurt am Main 1999, 9,90.- Euro
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