Herbert Heckmann „Der beredte Bacchus”

Februar 15th, 2005

Weinliebhaber trinken gern einen guten Tropfen. Wenn sie gleichzeitig aber auch noch darüber hinaus interessiert sind, vielleicht gar gerne lesen – es soll solche geben -, dann ist „Der beredte Bacchus“ ein schönes Geschenk. Ein solide gemachter Großoktav-Band, bereits 1992 in der Pfälzischen Verlagsanstalt erschienen, in – was sonst? – weinrotes Leinen gebunden und 746 Seiten stark. Herbert Heckmann hat ihn zusammengetragen, ´aus allen Jahrhunderten´, wie es im Untertitel heisst. Wer Herbert Heckmann nicht kennt: Der 1930 in Frankfurt am Main geborene Germanist lehrte an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach und war Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Er veröffentlichte Gedichte, Romane, Kinder- und Jugendbücher.

Das zeigt schon, daß er kein knochentrockener Wissenschaftler war, im Gegenteil. Richtig beurteilen kann das wer seine Wein-Predigt kennt, eine überbordende Suada, es gibt ein Tondokument, er hat sie selbst gelesen – aber was heisst gelesen: gemurmelt, gesungen, gebrüllt und geseufzt. Wer sie sich beschaffen kann: unbedingt anhören! Das Benutzen der Lachmuskeln ist garantiert. Und auch bei einem Essen mit Freunden wird sie ein Erfolg sein (aber Vorsicht: ganz jugendfrei ist sie nicht).

Im ´beredten Bacchus´ hat er alles mögliche und unmögliche zu diesem feucht-fröhlichen Thema versammelt: vom Gilgamesch-Epos bis zum 20. Jahrhundert. Der Weg führt über die Antike mit Pindar und Anakreon, Ovid und Horaz, dann über Francois Villon, Hans Sachs, Luther und Erasmus von Rotterdam sowie Lessing, Matthison und – unvermeidlich – Goethe bis zu Erich Mühsam, René Schickele und Oskal Loerke. Doch auch international hat sich Heckmann umgesehen und ist fündig geworden: China, Japan und Amerika sind selbstverständlich vertreten. Allein das Inhaltsverzeichnis umfasst zehn Seiten.

Ein dickes Buch, aber eine kurzweilige Lektüre, da die meisten Texte sehr kurz sind, auch sind viele Gedichte vertreten. Geeint werden sie durch ihr Thema: die Trinklust, die Heckmann alles andere als fremd war. Er plädiert in seiner Wein-Predigt für den Durst, für das satte, volle Leben. Das Verhuschte, Verklemmte, Gekünstelte, Sparstrumpfmäßige ist ihm ein Graus. Er liebt es feucht in der Kehle und üppig.

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