Joaquim M. Machado de Assis „Die nachträglichen Memoiren des Bras Cubas“
Februar 16th, 2005Ein fulminantes Buch ist Joaquim M. Machado de Assis´ „Die nachträglichen Memoiren des Bras Cubas“, das bereits Ende 2003 bei Manesse erschienen ist. 512 höchst amüsante und leicht zu lesende Seiten, die 19,90 kosten. Man bekommt dafür einen Verwandten Tristram Shandys (und wer den immer noch nicht kennt: diese Lücke umgehend stopfen! Onkel Toby sollte zur Familie gehören) und Don Quijote, der ein Fabulierer vor dem Herrn ist. Und was für einer! Und was erzählt er? Einen Lebensrückblick aus dem Jenseits – mit tiefen Blicken ins menschliche Herz. Übel wird dem Helden des Buches mitgespielt, aber er begegnet dem mit einer wurstigen Mischung aus Scheitern und Erfolg, mit grimmigem Humor, der besten Waffe gegen ein hartes, ungerechtes Leben.
Der 1839 geborene Autor stammte aus ärmlichen Verhältnissen. Er wurde in Rio geboren, seine Eltern starben früh, er durchlief eine Drucker- und Korrektor-Lehre, wurde Journalist und schließlich Generaldirektor des Verkehrsministeriums.
1881 ist sein Buch erstmals erschienen. Es legte den Grundstein für eine eigenständige brasilianische Erzähltradition. Sein Autor ist einer der besten, wenn nicht der beste brasilianische Autor. Ein hochironischer Erzähler – widmet er doch zum Beispiel ein Kapitel den Mängeln des eigenen Buches.
Es ist von Wolfgang Kayser, dem Wolfgang Kayser, des Verfassers der einmal berühmt gewesenen Einführung in die Literaturwissenschaft, „Das sprachliche Kunstwerk“, vom Portugiesischen in´s Deutsche übertragen. Das Nachwort stammt von Susan Sontag. Der „New Yorker“ feierte das Buch als „einzigartiges Meisterwerk“ – dem ist wenig hinzuzufügen. Nur vielleicht, daß nicht alle Meisterwerke so vergnüglich zu lesen sind.
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