John Cowper Powys „Kunst des Glücklichseins“
Februar 18th, 2005Wer kennt noch John Cowper Powys?
Und wer ihn tatsächlich noch kennen sollte wird seine Romane kennen. Dickleibige Wälzer wie „Wolf Solent“ oder „A Glastonbury Romance“.
Powys lebte von 1872 bis 1963, studierte Geschichte in Cambridge und war später Lehrer in Sussex, begann dann aber eine rege Vortragstätigkeit, von der er leben konnte. Man muß ihn sich als mitreissenden und faszinierenden Redner vorstellen – Henry Miller etwa war begeistert von ihm. So bereiste er England, auch Deutschland, und mehr als zwanzig Jahre lang die USA.
Das Buch um das es hier geht hat in seiner Klarheit, Direktheit und Lebendigkeit sicher von diesen Vorträgen profitiert. Es geht um nichts geringeres als das GLÜCK. Freilich gibt es immer zahlreicher werdendeBücher über dieses alle interessierende Thema – in Großbritannien gibt es aktuell sogar eine Glücksforschung, die sich im Aufwind befindet – aber was Powys vorschlägt und wie er es tut ist doch etwas Besonderes und durchaus erwähnens- bzw. erinnernswert.
Seine „Kunst des Glücklichseins“, eine immerhin fast 300 Seiten starke lebensphilosophische Schrift, neben etlichen Werken des Autors beim Verlag 2001 zu haben, kommt im ersten Kapitel gleich zum „Kern der Sache“, lässt dann das Gewissen sprechen um zu „Frauen und ihre Männer“ und „Männer und ihre Frauen“ überzugehen und mit einer Betrachtung über „Werke und Tage“ zu enden.
Sein Konzept ist einfach und leicht verständlich – die Durchführung erfordert allerdings Charakter, und, vielleicht, ein ausreichend erfahrenes Maß an Unglück. Sein Motto heisst: „Wir sind nicht geboren, um glücklich zu sein. Wir sind geboren, um unser Glück zu erkämpfen.“ Das kann nun allerdings martialischer klingen als es gemeint ist. Denn der Kampf findet im eigenen Innern statt. Powys´ Basis ist, daß er davon ausgeht, daß der Mensch in der Lage ist, die Richtung seiner Gedanken selbst zu bestimmen. Erstaunlich welche Funken er damit schlägt. Und überzeugend in der Argumentation. Aber kein wohlfeiler, schnell hingehudelter Versuch aus der Ratgeber-Ecke. Man merkt: hier spricht einer aus Erfahrung. Und der Umstand, daß er es schaffte 91 Jahre alt zu werden, mag auch für ihn sprechen, zumal es auch eine „Kunst des Älterwerdens“ von ihm gibt. Aber wie das Glück in Powys´ Verständnis nichts ist, das einem in den Schoß fällt, sondern etwas, das mit Geduld und Spucke erarbeitet werden muss – vielleicht aber ja auch kann?! – so muss man auch das Buch selbst lesen und sich sein Urteil bilden.
Sein Ansatz jedenfalls, nicht das Gegenüber zu ändern – ein vergeblicher Versuch, der nur Abhängigkeit von diesem Gegenüber schafft und diesem sich letztlich ausliefert, damit aber viel Unglück, sondern sich selbst, dürfte nach wie vor genial einfach und absolut richtig sein.
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