Robert Greene „Power“
Februar 19th, 2005Robert Greene´s „Power“ ist ein Buch, dessen Thema, der lakonische Titel verrät es unumwunden, die Macht behandelt. Zweifellos auch eines der grossen Themen, wie aber geht Greene damit um? Recht ungewöhnlich! Und es wird sich einem bei der Lektüre (hoffentlich) die Frage auftun ob er das Ernst meint oder ob das alles ein grossangelegter Joke ist. – Aber ein Scherz über 535 Seiten? In seinem Vorwort jedenfalls behauptet er das alles durchaus ernst zu meinen. Dieses Vorwort ist lesenswert – auch wenn man sich, und vielleicht sehr, daran reiben wird. Es propagiert indirekt das Ausfallen sämtlicher ethischer Vorstellungen.
Greene meint, daß die Macht göttlicher ist als alles in der Natur. Ihrem Wesen nach sei sie unmoralisch. Er schlägt vor sie als Spiel zu sehen. Ein Spiel, das alle spielen, weswegen es nicht ginge sich dem zu entziehen, und dessen Gewinner man nur sein könne, wenn man es besser beherrsche als die anderen. Niemandem will er ganz vertrauen, alle aber studieren. Er schlägt die Kunst des indirekten Vorgehens, die Manipulation vor. Es gebe zeitlose Gesetze der Macht. Er hat sie erforscht und stellt diese 48 Gesetze vor. Das macht er etwa indem er das Gesetz formuliert, in wenigen Zeilen vorstellt, historische Beispiele demonstriert, in denen dieses Gesetz eingehalten wurde, eine Interpretation anschliesst, den „Schlüssel zur Macht“ diskutiert und selbst, ein intelligenter Kniff, an die mögliche Umkehrung dieses Gesetzes denkt.
Ein hochinteressantes, allerdings auch nicht ungefährliches Buch. Quasi ein ausgefeilterer, aktualisierter und erweiterter Machiavelli fürs Volk. Einer, der womöglich fatale Wirkung im zwischenmenschlichen Bereich haben kann, sollte er ernstgenommen werden. Eher ein Buch, das insofern interessant ist, als man eine Gegenposition für sich finden und formulieren muss.
Das geht. Es gibt Argumentationsbrüche bei Greene. Schon der Prämisse von der er ausgeht muss man nicht zustimmen. Einmal abgesehen davon, daß ein derart vertrauensloser Mensch, einmal angenommen es gäbe ihn, vielleicht hie und da in der Lage wäre zu manipulieren, aber ob er dadurch auch ein glücklicherer Mensch sein würde ist kaum noch die Frage. Es ist ein anstrengendes Programm, das Greene vorschlägt. Denn in seiner Welt spielen ja alle das Machtspiel. Totale Affektkontrolle ist vonnöten. Und: es wird notwendig auch Verlierer geben. Diese sind dann alledings selbst schuld: sie haben das Spiel offenbar nicht gut gespielt. Und selbst die – momentanen – Sieger, diese Snobs der Macht, dürften sehr sehr einsam sein.
Aber es ist eine spannende, höchst anregende Lektüre – man wird bei einigen ´Gesetzen´ erkennen, daß man schon in engster Tuchfühlung mit ihnen war.
Das Buch ist, allerdings grossformatig, bei dtv zu haben, es kostet 12,50.
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