Mark Strand „Über Gemälde von Edward Hopper“

Mai 4th, 2005

Mark Strand: „Über Gemälde von Edward Hopper“, aus dem Amerikanischen von Wiebke Meier, München 2004 (für die deutsche Ausgabe, die amerikanische ist zehn Jahre früher erschienen), 104 Seiten, 14,80 Euro.

Mark Strand schreibt in diesem dünnen Büchlein über dreißig Bilder Hoppers.
In seinem Vorwort macht er deutlich, daß er sich damit von anderen Interpretationen absetzen will. Ihn interessieren nach eigener Aussage „verborgene Bildstrategien“ Hoppers. Er konstatiert in dessen Gemälden eine von der unseren unterschiedene Welt und äussert die These, daß diese Bilder über die sichtbare Welt hinaus in diejenige der Gefühle reichen.
- Ob das nur oder insbesondere auf Hoppers Kunst zutrifft? Und wie originell ist der Ansatz von Strand?
Wie schreibt man überhaupt über Bilder?
Wie tut er es?

Seine Texte zu den Bildern bleiben meist sehr beschreibend. Er achtet auf geometrische Mittel des Malers: das Trapez ist nahezu allgegenwärtig. Dabei gibt es einige Texte, die sehr treffend wirken, die eine Annäherung darstellen – oder auch nur eine Kongruenz zum eigenen Eindruck herstellen. Es gibt aber auch Texte, deren Nachvollzug nicht möglich ist. So überzeugt das Buch nicht voll. Immerhin auffällig ist, daß der Einleitungs- und Schlußabschnitt, in denen keine konkreten Bilder verhandelt werden, zu den stärksten, überzeugendsten Teilen des Buches gehören.

Eine Beschreibung der Gemälde mag wichtig und notwendig sein – aber ohne Deutung bleibt sie blass und oberflächlich. Deutung aber gibt es zu wenig. Es gelingen Strand schöne Stellen mit geglückten Beobachtungen, wie etwa derjenigen, daß der Wald in Hoppers Bildern stets aussähe wie aus einem fahrenden Auto gesehen. (Vgl. S. 25) Sicher wenigstens näherungsweise zutreffend ist der Versuch der Beschreibung eines konsistenten Musters bei Hopper: daß die Figuren auf den Leinwänden zugleich ein- und ausgesperrt wirkten, vorwärtsgetrieben und doch beharrlich bleibend. (Etwa S. 65)
Wie geht man jedoch damit um, daß einem manches nicht optimal beschrieben, wenn nicht mißinterpretiert vorkommt? Daß man das was Strand schildert so nicht oder ganz anders gesehen hat? Wenn die Beschreibung nicht überzeugt oder man mit der Deutung, sofern es eine gibt, nicht übereinkommt?
Von „brillianten Essays“ über Hoppers Bilder zu sprechen, wie es der Klappentext tut, scheint nicht zutreffend – schon weil es sich weder von der Form noch vom Umfang her schwerlich um Essays handelt.
Mag sein, daß in diesem Buch auch ein Problem des Genres Bildbeschreibung an sich deutlich wird, vielleicht ist es aber auch mehr, spezifischer.
Das Büchelchen ist fadengeheftet, zu jedem der Texte ist das Bild gedruckt, das er behandelt: es ist ein nett gemachtes kleines Buch zu einem wichtigen, spannenden Maler, das auch interessante Ansätze bietet, aber insgesamt doch etwas enttäuscht. Text XXVIII wirkt geradezu etwas hilflos und uninspiriert, auch XX überzeugt gar nicht.
Sehr konzentriert und treffend dagegen: XVIII.

Für den, der sich mit Hopper befassen, sich anregen und auf die Spur setzen lassen möchte, um sich dann eigene Gedanken zu machen, sicher eine anregende und lohnende Lektüre. Die unprätentiösen Zwischenzustände in Hoppers Bildern, ihre Verhaltenheit, ihre Wirkung auf den Betrachter, auch die ausserhalb des Bildes gelegenen Fluchtpunkte, benennt Strand. Aber was macht das spezifische Rätselhafte, was die Magie seiner Bilder aus?
Und wie steht es etwa mit dem Eindruck, dass Hoppers Bilder, wenn man sie im Original sieht, nicht ´schön´ gemalt sind? War das schlichtes Unvermögen? Oder beabsichtigte er damit eine bestimmte Wirkung? War es ihm schlicht nicht wichtig?

2 Antworten to “Mark Strand „Über Gemälde von Edward Hopper“”

  1. 1 Hydrocodone.
    Februar 26th, 2007 at 11:45 am

    Hydrocodone.

    Hydrocodone.

  2. 2 Rupert
    April 25th, 2008 at 7:12 pm

    Gute Empfehlung, ist nun auf meiner Leseliste