Wolf Haas „Komm, süßer Tod“

November 2nd, 2005

Wolf Haas: „Komm, süßer Tod“, Roman, zuerst Reinbek bei Hamburg 1998, 222 Seiten, 7,90 Euro

Achtung:

Dies ist keine Besprechung – es ist das Dokument gelinden Entsetzens.

easyNicht, weil Vorbehalte gegen Krimis oder krimiähnliche Literatur bestünden – überhaupt nicht. Ausserdem bin ich nicht weit genug gekommen in dem Buch, um das beurteilen zu können. Bei S. 18 ist mein Interesse rohrkrepiert an Sätzen wie diesen:

„Weil Tod feststellen nur Arzt.“ (S. 13)

„Das ist nicht wie bei einem Nachtclubbesitzer, wo es moralisch nicht ganz ding ist, (…).“ (S. 15)

„Polizist vielleicht nicht ideal, aber Detektiv ganz aus.“ (S. 15)

„Und es hat Tage gegeben, da hat er sich nicht sagen getraut, wie er sein Geld verdient, praktisch Schmutzwäsche.“ (S. 15 f.)

„Weil eine ruhige Kugel und die Zulagen besser als bei der Polizei.“ (S. 16)

„Sondern auch ein bißchen die sinnvolle dings.“ (S. 17)

Ja um Himmels Willen!!!
Was um alles in der Welt ist DAS?!-
Sollte es sich hier wirklich um so etwas ähnliches wie Literatur handeln?
Und was will mir der Autor mit diesem Gestammel antun? Eine Lesefreude doch wohl kaum!
„Sondern auch ein bißchen die sinnvolle dings.“, ja Scheisse, so was wird gedruckt? Warum? Und zu welchem Ende? Was soll mir das? Und wer liest so etwas freiwillig und bezahlt noch Geld dafür? (Ich habe es geschenkt bekommen – wogegen nichts aber auch gar nichts gegen die Schenkende und ihre Absicht gesagt sein soll!) Ich fasse es nicht: Das Buch liegt in der 14. Auflage vor, das kann Angst machen.

Noch dazu: diese Sätze sind keine Ausrutscher, die unterlaufen nicht, die ersten Seiten sind voll mit diesem restringierten Code und ich gehe wohl kaum fehl, wenn ich vermute, dass es um die restlichen nicht besser bestellt ist.
Also pardon, mir macht das keinen Spass, doch eher das Gegenteil. Hier riechts nach Sprachzerfall. Und dafür gibt es Auflage und Preise?!? Etwa den Deutschen Krimi-Preis 1999?
Freilich, es gibt Leser, die sollen das komisch finden. (Was genau?) Und der Autor ist nicht nur Österreicher, sondern auch hat auch noch Linguistik studiert, was ihm vielleicht wenig bekommen ist, wer weiss. Versteckt sich hier die Geschichte einer Beschädigung? Wir müssen nicht von Unvermögen sondern von Absicht ausgehen – aber wozu eine derart verhunzte Kunstsprache, wozu dieses Pseudo-Argot? Wenn es in Wien eineUmgangssprache gibt, die derart sich gebärdet, nun gut oder vielmehr schlecht, aber welches Verdienst ist es, dieses Gestümmel in Buchform unter die Leute bringen zu wollen? Für mich hat das das Prädikat ungeniessbar.
Helmut Kaffenberger

2 Antworten to “Wolf Haas „Komm, süßer Tod“”

  1. 1 ewu simpel
    November 13th, 2005 at 6:49 pm

    recht so, helmet!
    kenne das buch zwar nicht, aber die von dir zitierten rumpfsätze reichen für mich aus, dir umstands- und restlos zuzustimmen. so etwas gehört als buchform nicht in die literarisch interessierte öffentlichkeit. ein verriß wäre schon des guten, der aufmerksamkeit, der verschenkten lese- und damit lebenszeit zu viel. hab dank für deine klaren worte. ein buch weniger, daß ich lesen muß. herzlichst, ewu simpel.

  2. 2 Helmut Kaffenberger
    November 14th, 2005 at 9:58 pm

    Hallo Uwe,

    halb ist mir unwohl ob der Zustimmung ohne Textkenntnis, aber ein klares Votum darf und muss auch mal sein. Halb freuts einen auch, dass Zitate und Urteil einsichtig schienen..
    Freilich, es soll auch Fans des Autors geben…
    Trotzdem, ich fand es shocking.
    Und sicher: Lebens- wie Lesezeit ist begrenzt, da gibt es Anderes, Besseres, Wertvolleres, und wenn es gar Nossacks Tagebücher sind, die meterhoch über dem allermeisten stehen…

    Schöne Grüsse und viel Spass damit,

    Helmut