Bill Moody: „Auf der Suche nach Chet Baker“
Januar 27th, 2006Nur ein kurzer Tip zumindest für Jazz- und Krimifans. Ein feines Buch, spannend, aber auf leise, unaufdringliche Art. Voller Musik und Liebe zur Musik, will heissen: Zum Jazz. Das Buch spielt in Amsterdam, mit einem kleinen Abstecher in die Vereinigten Staaten.
Moody kann schreiben – er ist selbst Musiker, spielt Schlagzeug und ist wie man hört berühmt-berüchtigt für seine Jam-Sessions, dem Vernehmen nach macht er, wenn es sich ergibt, sogar mit Feuerwehrkapellen zusammen hörenswerte Musik – sein Buch besticht nicht nur durch die Schilderung einer Musiker- und Männerfreundschaft, sondern auch dadurch, dass er das Unspektakuläre, Alltagsnahe, Nachvollziehbare dem grellen Effekt vorzieht.
Das Buch hat, wo gibt’s das heute noch?, einen wirklichen, positiven Helden zu bieten, der gleichwohl weder blöd noch peinlich ist. Zwar auch ein Held mit Vergangenheit, wie andere Hauptfiguren von Kriminalromanen auch, doch weder fett noch mit schwachem Herzen und auch nicht der romantische einsame Wolf oder was es sonst noch für Stereotype respektive Assoziationsangebote für den (Allzu-)Normalleser gibt.
Das Buch macht Spass, zieht vorwärts und man erfährt ganz nebenbei ein- und nachdrücklich viel über Chet Baker und seinen Tod in Amsterdam im Mai 1988. Das Thema Baker, der den grösseren Teil seines Lebens drogenabhängig war, legt es nahe, dass man auch in Amsterdam in Kontakt zum Drogenmilieu treten muss. Moodys Art über Musik zu schreiben, Musik in Literatur zu übersetzen sollte man kennen. Hier wie auch in Sachen Krimi-Ästhetik hat er einen eigenen Ton, der sich durchaus angenehm von anderen Beispielen des Genres abhebt.
Er selbst lebt in San Francisco, arbeitet für den Hörfunk, unterrichtet Komposition an der Sonoma State University und steht ab und an auf der Bühne. Zum Beispiel am 28. Februar in Frankfurt am Main. Zusammen gespielt hat er schon mit Earl Hines, Lou Rawls, Maynard Ferguson und anderen Grössen und Legenden des Jazz.
Sein nächstes Buch, es wird wohl in Kürze auf deutsch erscheinen, der Originaltitel ist „Bird lives“, ist Charlie Parker, einem weiteren Neuerer dieser Musikrichtung mit tragischer und Drogen-Biographie, gewidmet.
Moody lässt sich von einem historischen Hintergrund inspirieren und arbeitet diesen ein in seine Romanhandlung. Aber ganz unverkrampft und mit grosser Kenntnis in der Sache und ohne jedes denunziatorische oder Skandalkalkül.
In der Konstruktion oder Psychologie kann es manchmal ein wenig knarren, aber das ist bei anderen Krimis auch der Fall, manchmal durchaus laut. Trotzdem eine sehr positive Entdeckung und Bereicherung der Krimilandschaft, die teils nur noch aufs Abverkaufen ausgerichtet zu sein scheint oder sich in ausgesucht horriblen Grausamkeiten zu überbieten sucht. Moody dagegen ist auf lehrreiche und intelligente Art unterhaltend und eine Alternative zum allabendlichen Fernsehprogramm, dessen Qualität ohnehin ständig im freien Fall befindlich scheint.
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