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	<title>Kommentare zu: Aglaja Veteranyi „Warum das Kind in der Polenta kocht“</title>
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	<description>Bücher, Bücher</description>
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		<title>Von: ewu simpel</title>
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		<dc:creator>ewu simpel</dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Feb 2006 10:15:23 +0000</pubDate>
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		<description>lieber helmut!

ich kann dir in fast allem zustimmen. 

nur eines ist mir nicht ganz klar geworden. auch in meiner eigenen leseerfahrung nicht. was ist dein kriterium, das dich sagen l&#228;&#223;t, dieses werk sei ein buchgewordener schmerz, sei mehr als nur literatur und vor allem keine mache? ich wei&#223;, worauf du hinauswillst, da&#223; eben in diesem roman jedes wort stimmig gesetzt wurde und die literarische form &#252;berzeugend ihr thema darstellt. nur: literarisch gekonnt gemacht, aber keine mache - woran erkennt man das? vor allem, wenn man nicht - wie du und andere rezensenten - den rekurs auf die reale lebensgeschichte der autorin vollzieht? mu&#223; man das, um das buch als meisterwerk erkennen zu k&#246;nnen? mu&#223; man das autobiographische sehen und ist es &#252;berhaupt so offensichtlich, um die not, die hinter der sprachlchen darstellung steht, zu sp&#252;ren? 

wovor stockt uns beim lesen eigentlich der atem? 
vor dem real erlittenen leid? 
oder vor dem naiven kinderblick, der den geschehnissen und dem darin enthaltenen leid fassungs- und verst&#228;ndnislos gegen&#252;bersteht und sie in eine m&#228;rchenhafte eigenwelt sui generis &#252;berf&#252;hrt? 
oder vielleicht davor, wie dieser kindheits-alptraum in sprachbilder &#252;bersetzt wurde, die gerade in ihrer erz&#228;hlerischen strenge und reduktion, in ihrer unsentimentalit&#228;t und grausamkeit den leser ber&#252;hren, und das auch unabh&#228;ngig von der realen lebensgeschichte der autorin? 

literatur ist beglaubigte einzelheit, wie es adolf muschg in seinen vorlesungen &quot;literatur als therapie?&quot; fomulierte. aber wodurch beglaubigt? durch das leben und den leidensdruck, der dahinter steht, oder durch die literarische qualit&#228;t eines sprachlichen kunstwerks? 

wie gesagt, ich bin selbst unsicher, was genau dieses buch so einmalig macht. und ob seine intensit&#228;t allein aus der tragik der lebensgeschichte herr&#252;hrt, von der wir aus den medien wissen. 

kurzum: mu&#223; der rekurs aufs biographische sein? mu&#223; er bei diesem buch sein? legt es etwa selbst diesen nahe? oder ist nicht vielmehr das individuelle des lebensschicksals der autorin ins exemplarische gesteigert - und dies gerade durch die (wie ich finde) hochartifizielle sprachliche darstellung, die dichte und strenge, die unnachgiebigkeit und eindr&#252;cklichkeit der s&#228;tze und satzfolgen?

ich hoffe, ich habe mich einigerma&#223;en verst&#228;ndlich machen k&#246;nnen.
wie siehst du das?

gr&#252;&#223;e uwe.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>lieber helmut!</p>
<p>ich kann dir in fast allem zustimmen. </p>
<p>nur eines ist mir nicht ganz klar geworden. auch in meiner eigenen leseerfahrung nicht. was ist dein kriterium, das dich sagen l&#228;&#223;t, dieses werk sei ein buchgewordener schmerz, sei mehr als nur literatur und vor allem keine mache? ich wei&#223;, worauf du hinauswillst, da&#223; eben in diesem roman jedes wort stimmig gesetzt wurde und die literarische form &#252;berzeugend ihr thema darstellt. nur: literarisch gekonnt gemacht, aber keine mache &#8211; woran erkennt man das? vor allem, wenn man nicht &#8211; wie du und andere rezensenten &#8211; den rekurs auf die reale lebensgeschichte der autorin vollzieht? mu&#223; man das, um das buch als meisterwerk erkennen zu k&#246;nnen? mu&#223; man das autobiographische sehen und ist es &#252;berhaupt so offensichtlich, um die not, die hinter der sprachlchen darstellung steht, zu sp&#252;ren? </p>
<p>wovor stockt uns beim lesen eigentlich der atem?<br />
vor dem real erlittenen leid?<br />
oder vor dem naiven kinderblick, der den geschehnissen und dem darin enthaltenen leid fassungs- und verst&#228;ndnislos gegen&#252;bersteht und sie in eine m&#228;rchenhafte eigenwelt sui generis &#252;berf&#252;hrt?<br />
oder vielleicht davor, wie dieser kindheits-alptraum in sprachbilder &#252;bersetzt wurde, die gerade in ihrer erz&#228;hlerischen strenge und reduktion, in ihrer unsentimentalit&#228;t und grausamkeit den leser ber&#252;hren, und das auch unabh&#228;ngig von der realen lebensgeschichte der autorin? </p>
<p>literatur ist beglaubigte einzelheit, wie es adolf muschg in seinen vorlesungen &#8220;literatur als therapie?&#8221; fomulierte. aber wodurch beglaubigt? durch das leben und den leidensdruck, der dahinter steht, oder durch die literarische qualit&#228;t eines sprachlichen kunstwerks? </p>
<p>wie gesagt, ich bin selbst unsicher, was genau dieses buch so einmalig macht. und ob seine intensit&#228;t allein aus der tragik der lebensgeschichte herr&#252;hrt, von der wir aus den medien wissen. </p>
<p>kurzum: mu&#223; der rekurs aufs biographische sein? mu&#223; er bei diesem buch sein? legt es etwa selbst diesen nahe? oder ist nicht vielmehr das individuelle des lebensschicksals der autorin ins exemplarische gesteigert &#8211; und dies gerade durch die (wie ich finde) hochartifizielle sprachliche darstellung, die dichte und strenge, die unnachgiebigkeit und eindr&#252;cklichkeit der s&#228;tze und satzfolgen?</p>
<p>ich hoffe, ich habe mich einigerma&#223;en verst&#228;ndlich machen k&#246;nnen.<br />
wie siehst du das?</p>
<p>gr&#252;&#223;e uwe.</p>
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