Agota Kristof „Die Analphabetin“
Februar 9th, 2006Agota Kristof: „Die Analphabetin“, autobiographische Erzählung, aus dem Französischen von Andrea Spingler, Zürich, 2005 (Genf, 2004 für die Originalausgabe), 75 Seiten, 12, 90.- Euro
Kann es sein, dass wir zur Zeit eine osteuropäische Mode haben? Imre Kertesz, ausgestattet mit dem Nobelpreis des Jahres 2002, Peter Esterhazy, Aleksandar Tisma, Terezia Mora, Desz Kosztolanyi, Lojze Kovacic, Andrzej Bobkowski (über den demnächst an dieser Stelle mehr zu lesen sein wird), Aglaja Veteranyi, Laszlo Krasznahorkai, Antal Szerb, Sandor Marai, Mihail Sebastien, Andrzej Stasiuk, der mit seinem aktuellen Babadag-Buch (das demnächst auch hier besprochen werden wird) eine Reise durch osteuropäische Gefilde beschreibt, sind in den letzten Jahren teils sehr beachtet und mit grossem Erfolg verlegt worden.
Kann es sein, dass das damit zu tun hat, dass hierzulande keine wirklich aufregende Literatur (mehr) entsteht?
Kann es wiederum sein, dass das trauriger Weise mit dem schlichten Umstand zu tun hat, dass es ´uns´ im Westen seit Jahrzehnten wirtschaftlich deutlich besser geht?
Dass im Osten noch wesentlich erzählt wird, weil es eine näher an´s Existentielle gehende Notwendigkeit dafür gab und noch gibt? Unschön, ja furchtbar für die einzelne Biographie unter Umständen – aber ein Gewinn für die Literatur?
Um Missverständnissen vorzubeugen: damit soll nichts aber auch gar nichts gegen osteuropäische Literatur gesagt sein. Eher im Gegenteil, es sind absolut lesenswerte, wirklich wichtige, hochinteressante, auch wunderbare Bücher darunter.
Die Frage ist vielmehr wie es um die Literaturkritik steht.
Hat sie sich am wilden Osten, an den Exil- und Schicksalsgeschichten auf einem Auge blind gelesen und berauscht?
Natürlich, ein erfreulicher Umstand, ein ganzes Buch an einem halben, ach was, einem Drittel oder Viertel Abend komplett lesen zu können – wenn das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmig ist.
Dieses Buch ist bereits in allen grossen Zeitungen besprochen und fast durchgehend sehr bis überschwenglich gelobt worden.
Die FAZ, sie wird auf der Rückseite des vorliegenden Buches zitiert, hat zu Recht angemerkt, dass hier mit wenigen Worten erstaunlich viel gesagt, fast eine Autobiographie vorgelegt wird. In der Tat erstaunlich für einen so kurzen Text, den man offensichtlich mit Mühe auf diese 75 Seiten gestreckt hat. Er hätte auch leicht, bei weniger grosszügiger Druckweise, auf einem Drittel der Seiten Platz gehabt.
Erzählt wird wieder einmal die Geschichte einer Exil-Erfahrung und ihrer Stationen. Von der behüteten Kindheit in einem ungarischen Dorf, der Vater ist Lehrer, die Tochter lernt bereits mit vier Jahren lesen, über den Einmarsch der Russen im Zweiten Weltkrieg, die Verhaftung des Vaters, das Kind kommt in ein staatliches Internat, Stalins Tod taucht als biographische Wegmarke auf, dann die Flucht mit 21 Jahren, bereits mit Kind, mit Hilfe von Schleppern in die Schweiz, die Arbeit in einer Uhrenfabrik, das Ankommen in der Fremde und als ´Analphabetin´, wie der Titel bereits vermerkt, weil die Sprache, französisch, neu erlernt werden muss und das schwer fällt.
Erzählt wird in 11 Kapiteln auf 75 Seiten anhand erinnerter Schlaglichter in einer Sprache, die an Einfachheit kaum noch zu überbieten ist. Kristof schreibt, immer noch, im Stil einer gewesenen Analphabetin. Was einmal aus der Not geboren sein dürfte, müsste nun jedoch längst Kunstmittel geworden sein.
Dieser Stil ist so parataktisch, dass die Aufmerksamkeit fast hindurchfällt oder in eine andere Ebene rutscht. Das könnte eine Qualität dieser Reduktionsprosa sein. Die Autorin schreibt wie gesagt in französisch, nicht in ihrer Muttersprache. So wäre diese Sprache schon Teil der Geschichte, Produkt des Exils.
Das Buch liest sich leicht und schnell, es könnte allerdings sein, dass es – auch dadurch? – nur einen flüchtigen Eindruck beim Leser hinterlässt.
Das Buch wirkt, als wäre es zwei-, dreimal durch einen Filter geschickt worden. Es verschwendet keine Worte, es verwendet vorderhand kaum grosse Worte. Es beginnt und endet mit dem Lesen und dem Schreiben, naturgemäss zentralen Beschäftigungen und bestimmenden Teilen des Lebens für eine Autorin.
Erfährt man hier etwas, das man noch nicht wusste oder erfährt man es auf neue Art?
Ganz ist die Begeisterung um dieses Zwergen-Büchelchen nicht zu verstehen.
Die Schrumpf-Art des Sagens in diesem Text scheint fast eindrücklicher als das Gesagte selbst.
Gerade wenn man diese autobiographische Erzählung mit dem Buch von Aglaja Veteranyi „Warum das Kind in der Polenta kocht“ vergleicht, kann man sagen, dass Kristof sicher keine leichte Biographie hatte, aber verglichen mit Lebensläufen wie sie von Kovacic oder Veteranyi geschildert werden, doch auch wieder keine so ausserordentlich schwere. Sicher, man kann Leben und das Gefühl deren Eigentümer diesen gegenüber schlecht vergleichen und bewerten, aber ganz aussen vor lassen kann man diesen Aspekt vielleicht doch nicht. Und dann scheint der Pessimismus von Kristof nicht ganz so angemessen oder gar verständlich.
Was sie schreibt mag aller Ehren wert sein, teils wirkt es doch, pardon, etwas einfältig. Etwa die pathetische Thomas-Bernhard-Verehrung:
„(…) Thomas Bernhard wird nun nicht mehr schreiben. Schlimmer: Er hat verboten, daß man seine hinterlassenen Manuskripte veröffentlicht. (…)
Thomas Bernhard jedoch, ob er will oder nicht, wird ewig leben, um all denen als Vorbild zu dienen, die den Anspruch erheben, Schriftsteller zu sein.“ (S. 41 f.)
Oder der unpassend pathetische Schluss des Buches:
„Ich habe diese Sprache nicht gewählt. Sie ist mir aufgedrängt worden vom Schicksal, vom Zufall, von den Umständen.
Ich bin gezwungen, französisch zu schreiben. Es ist eine Herausforderung.
Eine Herausforderung für die Analphabetin.“ (S. 75)
So trocken der Stil sein mag, pathosfrei ist er nicht.
Nimmt man nur einmal das letzte Zitat: Schicksal – Zufall – Umstände. – Ja was denn nun? Oder alles zusammen? Oder durcheinander? Alles, bloss nicht man selbst? Immerhin ist sie freiwillig, sofern unter den gegebenen Umständen davon die Rede sein kann, ins Exil gegangen. Dann das Reden von sich in der dritten Person.
Im Nachhinein beklagt sie sich darüber und über den Westen, der nicht das gelobte Land war für das man ihn vielleicht, fälschlicher Weise?, gehalten hatte:
„Wie wäre mein Leben gewesen, wenn ich mein Land nicht verlassen hätte? Härter, ärmlicher, denke ich, aber auch weniger einsam, weniger zerrissen, vielleicht glücklich.“ (S. 54 f.)
Glücklicher, wenn sie in Ungarn geblieben wäre? Kein tolles Fazit einer alten Frau für einen Gang ins Exil.
Widersprüchlich auch die Darstellung des Lesens und Schreibens: einmal als Krankheit, gleich auf S. 10, dann als lebensrettendes Movens gegen Ende des Buches.
Man vermisst, wenn schon nicht eine Prise Humor, so doch die Ironie, die diesen ablehnenden Ton, diese negative Grundhaltung erträglicher machte. Denn was hat es für einen Sinn und wovon zeugt es, fünfzig Jahre in Ablehnung zu verharren und die Sprache eines Landes, das einen freundlich aufnahm und Lebenschancen gab, die man in der angestammten Heimat wohl kaum gehabt hätte, als „Feindessprache“ (S. 34 f.) zu bezeichnen, das Land selbst als „Wüste“ (S. 58).
Hätte es in der Schweiz nicht die Möglichkeit gegeben, auf ungarisch zu schreiben?
Vielleicht sind die selbstmitleidigen Sätze gegen Ende des Buches aufschlussreich:
„Ich bin wieder zur Analphabetin geworden. Ich, die ich mit vier Jahren lesen konnte. (…) Ich weiß nicht, wie ich fünf Jahre lang ohne Lektüre leben konnte.“ (S. 72) Nicht weniger als 5 x kommt das Wörtchen ´ich´ hier vor.-
Zudem: darf, wer mit vier lesen lernt, sich berechtigt „Analphabetin“ nennen, wenn sie angehalten ist, eine weitere Sprache zu lernen? Hiesse das nicht auch wirkliche Analphabeten verhöhnen? Spielt in dem Buch nicht unterschwelliges Ressentiment eine konstituierende Rolle? Haben das die anderen Rezensenten nicht gesehen oder übersehen?
Es gibt sympathischere, interessantere, aufschlussreichere, lehrreichere, beeindruckendere Exilgeschichten und Lebensbeschreibungen, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen. Unverständlich, warum die Kritik sich angesichts dieses Mini-Werkchens, dieser Stenogramm-Autobiographie, vor Lob kaum halten kann.
Was, wenn diese paar Seiten von einer Debütantin an einen Verlag geschickt worden wären? Wer wollte auf die Annahme und Veröffentlichung eine Wette abgeschlossen haben?
Alles zusammen, der kokette Titel mit dem sich be- oder auch anklagenden Unterton, die Naivität mancher Passagen, die (Über-?)Betonung des ich, das etwas hohle Pathos mancher Stellen, die Larmoyanz, das Ressentiment, ergeben in der Summe doch einen etwas faden Beigeschmack, der das einhellige Lobpreisen dieser Autobiographie im Fussnotenformat nicht ganz nachvollziehbar sein lässt. Der Text hat hübsche Stellen, ja, seine bildweckende Reduktion erinnert an Danilo Kis und Ivo Andric, aber so makellos, wie es der Klappentext ausruft, ihn als „Kleinod“ zu bezeichnen, erscheint er nun doch nicht.
Februar 9th, 2006 at 8:25 pm
lieber helmet!
ein hartes urteil, aber unterm strich muß ich dir beipflichten. ich hate dir ja schon in meinem letzten mail kursorisches zu meiner leseerfahrung mitgeteilt. der stoff, der nicht wirklich ausgebreitet wird oder nur selten in eindringlichen bildern sich verdichtet. die form, diese lose addition der ereignisse am faden der chronologie, mit wenigen zeitsprüngen, diese form schien mir zu wenig zwingend, stand für mich in keinem nachvollziehbaren zusammenhang mit dem dargestellten stoffkreis, einzig vielleicht mit der sprunghaften, diskontinuierlichen dynamik des erinnerns selbst. die erzählhaltung ist mir zu unentschieden, sie pendelt zu auffällig zwischen naiv (kindheitsidylle), pathetisch (th bernhard) oder nüchtern-bescheibend (internatsleben) und polemisch-scharf (russische Besatzungszeit)oder satirisch (schweizer verhältnisse); freilich kann man die stillage wechseln, doch hierbei droht die atmosphärische dichte zu verschwinden, die in teilen ja vorhanden ist, vor allem in den ersten drei kapiteln; auch sind mir die konklusionsartigen maximen und reflexionen zum schreiben als überlebensstrategie, als mittel, den schmerz der trennung, des verlusts der kindheit, der familie, der heimat zu allgemein geraten und erscheinen an ihren stellen recht unvermittelt. insgesamt fehlte mir also der gestalterische und gestaltende zugriff auf den stoff. vergleichbares ist mir bei dem stil aufgefallen, einem stil, den du treffend als parataktisch und einfach, aber nicht ohne pathos bezeichnest, diesen stil also kann man knapp nennen, reduziert allemal, fast ausdruckslos, zumindest ohne großen formalästhetischen aufwand, jedoch ließ er meiner meinung nach nicht wirklich den existentiellen ernst aufscheinen, welcher der lebensgeschichte der autorin durchaus eignet. die wenigen exemplarisch und kurz dargestellten ereignisse reichen nicht aus, um den schock der fremde, den verlust der heimat und der sprache dem leser begreiflich zu machen. mir fehlte auch hier das zwingende einer literarischen gestalung, die das erlebte in einem bild, gedanken oder signifikanten geschehen objektiviert. das dies nicht geleistet wurde, liegt vielleicht daran, daß die zeithistorischen ereignisse nur zitiert werden, nur angedeutet zwischen den zeilen vorhanden sind. das große thema vom süchtigen lesen übers fabulierende reden hin zum rettenden und den verlust gleichsam bergenden schreiben wäre anschaulicher, wenn alles historische nicht so kulissenhaft, fast abstrakt erschiene. ein resultat ihrer objektiven schreibart, das schon, aber alles läßt sich eben nicht zwischen den zeilen unterbringen. ich habe nichts gegen minimalistisches erzählen – du nennst es zu recht stenographisch – , nur muß das wenige, das dann präsentiert wird, alles enthalten. aber vielleicht ist es gerade dieses ausdruckslose, fast nichts-sagende schreiben, dieses zwischen-den-zeilen-raunende, was die kritiker so loben läßt: denn, wer in dieses lob einstimmt, weist sich als subtilen kenner sprachlicher raffinesse aus, ohne klar benennen zu müssen, worin eigentlich das meisterliche steckt – es ist ja nur zwischen den zeilen zu entdecken, also nur für eingeweihte sichtbar. dies nur am rande. zu fragen bleibt doch vor allem: wenn die autorin am ende fast mit einer art luststolz vermeldet, die feindessprache, das französische, das ihre muttersprache abgetötet hat, endlich zu beherrschen, wenn auch unter mithilfe von wörterbüchern, wenn sie zudem behauptet, sie hätte auch unter anderen bedingungen und umständen, überall und in jeder anderen sprache geschrieben, warum dann dieses ironieabstinente büchlein, in dem das schreiben vornehmlich aus der exilsituation heraus begründet wird: schreiben als versuchte wiederherstellung der kindheit, als überlebensstrategie in der fremde, als kompensation von trennungsschmerz, als geisterbeschwörung, als ersatzheimat und anderes mehr. so viel für heute. grüße ewu.
Februar 16th, 2006 at 10:29 pm
Lieber Ewu,
nun erst, pardon, es ging nicht früher:
wenn ich kurz rekapituliere:
-den Stoff nicht ausgebreitet
-zu wenig zwingend
-zu unentschieden
-unvermittelt
-das Historische zu kulissenhaft
etc.
Wie kommt es dann zur Feststellung, es sei ein hartes Urteil?
Was mich besonders interessiert:
Aus welchen Gründen hat die ´grosse´ Kritik dieses Büchelchen derart gelobt?
Nein, sicher nichts gegen minimalistisches Erzählen, warum auch? Aber das vorliegende Buch, da stimmen wir überein, macht nicht begreiflich, legt dem Leser nich nahe, was es eigentlich möchte.
Aufgefallen ist mir, dass in Deiner Bemerkung 3 x die Formulierung “zwischen den Zeilen” vorkommt.-
Es reizte harsch zu entgegnen: Zwischen den Zeilen steht -
GAR NICHTS.
Schönen Gruss,
Helmut
Februar 17th, 2006 at 9:23 pm
lieber helmet!
du hast recht. hart aber gerechtfertigt – so hätte ich es formulieren sollen.
ein wenig despektierlich sind mir deine umschreibungen des opus als “zwergen-büchelchen”, “mini-werkchen”. “stenogramm-autobiographie” oder “autobiographie im fußnotenformat” jedoch vorgekommen, vor allem in der häufung.
das zwischen-den-zeilen-lesen habe ich den rezensenten unterstellen müssen, denn anders konnte ich mir ihre lobeshymnen auch nicht erklären. sie müssen in dem wenigen, so dachte ich es mir, mehr hineingelesen haben, als es bietet. wir beide dagegen können in dem, was dargestellt und wie es dargestellt wird nicht erkennen, was damit letztlich ausgesagt werden soll.
mein haupteinwand war ja das fehlen einer zwingenden literarischen gestaltung der lebensgeschichte, die es dem leser begreiflich macht, daß diese autobiographischen geschicke die autorin zum schreiben gebracht, wenn nicht gar genötigt haben. aber unabhängig von der tatsächlichen tragik des lebenslaufs konnten mich die wenigen fomulierungen zum schreiben und schreibenmüssen, vor allem zum schreibenmüssen in einer “feindessprache” nicht wirklich überzeugen, kamen mir oberflächlich und zu allgemein vor und traten im erzählfluß zu unvermittelt auf.
das war’s. grüße uwe.
März 29th, 2006 at 12:05 pm
lieber helmut!
wir haben ja nun beide den essayband von martin mosebach gelesen. dort gibt es einen text mit dem titel “der dichter ohne heimat”, der eine interessante these vertritt, die man auch auf die autobiographische erzählung von kristof anwenden könnte.
mosebach gibt zunächst zu bedenken, daß der schriftsteller sich sein ureigenstes idiom aus der ihn lückenlos umgebenden und vorgegebenen sprache seiner heimat schafft. er nennt das ein ringen um den stil. kommt der schriftstseller dann aus irgend einem grund für längere zeit ins ausland, spitzt sich dieser kampf um die angeborene und doch ganz neu zu erfindende heimat-sprache zu. (29) nach einer vorstellung unterschiedlicher typen des freiwilligen oder erzwungenen exils kommt er am ende seines textes zu dem verwegen anmutenden schluß, daß gerade der “schriftsteller, der seine heimat verliert, seiner bestimmung näher kommt. er verläßt sein milieu, um zu dem punkt zu gelangen, von dem aus es betrachtet werden kann.” (38)
dies scheint mir eine interessante these zu sein, unabhängig von den sicherlich auch festzustellenden fällen von schriftstellern, die in der erzwungenen emigration und des damit verbundenen sprach-exils nicht heimisch wurden, die diesen ernstfall nicht aushielten, womöglich verstummten.
bei kristof ist es ja so, daß sie ihre muttersprache aufzugeben gezwungen ist, zumindest schildert sie es so, und dann in der neu gelernten “feindessprache” französisch zu schreiben beginnt. ein eigentümliches, unvergleichliches und in seiner sprachlichen reduktion überzeugendes französisch, wie die kritiker einhellig bestätigen.
nimmt man nun die these von mosebach, so könnte man schließen, daß kristof zwar ihre heimatsprache sozusagen verlassen hat, aber in der neuen, fremden sprache ein eigenes unverwechselbares idiom gefunden hat, das auch der darstellung ihrer lebensgeschichte zu entsprechen scheint – sie hat ihre sprach-heimat verloren, ist dafür aber ihrer bestimmung als erzählerin näher gekommen.
kann man das so sehen?
grüße uwe.