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	<title>Kommentare zu: Agota Kristof „Die Analphabetin“</title>
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	<description>Bücher, Bücher</description>
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		<title>Von: ewu simpel</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2006/02/09/agota-kristof-die-analphabetin/comment-page-1/#comment-1064</link>
		<dc:creator>ewu simpel</dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Mar 2006 10:05:40 +0000</pubDate>
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		<description>lieber helmut!

wir haben ja nun beide den essayband von martin mosebach gelesen. dort gibt es einen text mit dem titel &quot;der dichter ohne heimat&quot;, der eine interessante these vertritt, die man auch auf die autobiographische erz&#228;hlung von kristof anwenden k&#246;nnte. 

mosebach gibt zun&#228;chst zu bedenken, da&#223; der schriftsteller sich sein ureigenstes idiom aus der ihn l&#252;ckenlos umgebenden und vorgegebenen sprache seiner heimat schafft. er nennt das ein ringen um den stil. kommt der schriftstseller dann aus irgend einem grund f&#252;r l&#228;ngere zeit ins ausland, spitzt sich dieser kampf um die angeborene und doch ganz neu zu erfindende heimat-sprache zu. (29) nach einer vorstellung unterschiedlicher typen des freiwilligen oder erzwungenen exils kommt er am ende seines textes zu dem verwegen anmutenden schlu&#223;, da&#223; gerade der &quot;schriftsteller, der seine heimat verliert, seiner bestimmung n&#228;her kommt. er verl&#228;&#223;t sein milieu, um zu dem punkt zu gelangen, von dem aus es betrachtet werden kann.&quot; (38)

dies scheint mir eine interessante these zu sein, unabh&#228;ngig von den sicherlich auch festzustellenden f&#228;llen von schriftstellern, die in der erzwungenen emigration und des damit verbundenen sprach-exils nicht heimisch wurden, die diesen ernstfall nicht aushielten, wom&#246;glich verstummten. 

bei kristof ist es ja so, da&#223; sie ihre muttersprache aufzugeben gezwungen ist, zumindest schildert sie es so, und dann in der neu gelernten &quot;feindessprache&quot; franz&#246;sisch zu schreiben beginnt. ein eigent&#252;mliches, unvergleichliches und in seiner sprachlichen reduktion &#252;berzeugendes franz&#246;sisch, wie die kritiker einhellig best&#228;tigen. 
nimmt man nun die these von mosebach, so k&#246;nnte man schlie&#223;en, da&#223; kristof zwar ihre heimatsprache sozusagen verlassen hat, aber in der neuen, fremden sprache ein eigenes unverwechselbares idiom gefunden hat, das auch der darstellung ihrer lebensgeschichte zu entsprechen scheint - sie hat ihre sprach-heimat verloren, ist daf&#252;r aber ihrer bestimmung als erz&#228;hlerin n&#228;her gekommen.

kann man das so sehen?

gr&#252;&#223;e uwe.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>lieber helmut!</p>
<p>wir haben ja nun beide den essayband von martin mosebach gelesen. dort gibt es einen text mit dem titel &#8220;der dichter ohne heimat&#8221;, der eine interessante these vertritt, die man auch auf die autobiographische erz&#228;hlung von kristof anwenden k&#246;nnte. </p>
<p>mosebach gibt zun&#228;chst zu bedenken, da&#223; der schriftsteller sich sein ureigenstes idiom aus der ihn l&#252;ckenlos umgebenden und vorgegebenen sprache seiner heimat schafft. er nennt das ein ringen um den stil. kommt der schriftstseller dann aus irgend einem grund f&#252;r l&#228;ngere zeit ins ausland, spitzt sich dieser kampf um die angeborene und doch ganz neu zu erfindende heimat-sprache zu. (29) nach einer vorstellung unterschiedlicher typen des freiwilligen oder erzwungenen exils kommt er am ende seines textes zu dem verwegen anmutenden schlu&#223;, da&#223; gerade der &#8220;schriftsteller, der seine heimat verliert, seiner bestimmung n&#228;her kommt. er verl&#228;&#223;t sein milieu, um zu dem punkt zu gelangen, von dem aus es betrachtet werden kann.&#8221; (38)</p>
<p>dies scheint mir eine interessante these zu sein, unabh&#228;ngig von den sicherlich auch festzustellenden f&#228;llen von schriftstellern, die in der erzwungenen emigration und des damit verbundenen sprach-exils nicht heimisch wurden, die diesen ernstfall nicht aushielten, wom&#246;glich verstummten. </p>
<p>bei kristof ist es ja so, da&#223; sie ihre muttersprache aufzugeben gezwungen ist, zumindest schildert sie es so, und dann in der neu gelernten &#8220;feindessprache&#8221; franz&#246;sisch zu schreiben beginnt. ein eigent&#252;mliches, unvergleichliches und in seiner sprachlichen reduktion &#252;berzeugendes franz&#246;sisch, wie die kritiker einhellig best&#228;tigen.<br />
nimmt man nun die these von mosebach, so k&#246;nnte man schlie&#223;en, da&#223; kristof zwar ihre heimatsprache sozusagen verlassen hat, aber in der neuen, fremden sprache ein eigenes unverwechselbares idiom gefunden hat, das auch der darstellung ihrer lebensgeschichte zu entsprechen scheint &#8211; sie hat ihre sprach-heimat verloren, ist daf&#252;r aber ihrer bestimmung als erz&#228;hlerin n&#228;her gekommen.</p>
<p>kann man das so sehen?</p>
<p>gr&#252;&#223;e uwe.</p>
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		<title>Von: ewu simpel</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2006/02/09/agota-kristof-die-analphabetin/comment-page-1/#comment-1029</link>
		<dc:creator>ewu simpel</dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Feb 2006 19:23:41 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.eckfenster.de/wordpress/?p=45#comment-1029</guid>
		<description>lieber helmet!

du hast recht. hart aber gerechtfertigt - so h&#228;tte ich es formulieren sollen. 

ein wenig despektierlich sind mir deine umschreibungen des opus als &quot;zwergen-b&#252;chelchen&quot;, &quot;mini-werkchen&quot;. &quot;stenogramm-autobiographie&quot; oder &quot;autobiographie im fu&#223;notenformat&quot; jedoch vorgekommen, vor allem in der h&#228;ufung. 

das zwischen-den-zeilen-lesen habe ich den rezensenten unterstellen m&#252;ssen, denn anders konnte ich mir ihre lobeshymnen auch nicht erkl&#228;ren. sie m&#252;ssen in dem wenigen, so dachte ich es mir, mehr hineingelesen haben, als es bietet. wir beide dagegen k&#246;nnen in dem, was dargestellt und wie es dargestellt wird nicht erkennen, was damit letztlich ausgesagt werden soll. 

mein haupteinwand war ja das fehlen einer zwingenden literarischen gestaltung der lebensgeschichte, die es dem leser begreiflich macht, da&#223; diese autobiographischen geschicke die autorin zum schreiben gebracht, wenn nicht gar gen&#246;tigt haben. aber unabh&#228;ngig von der tats&#228;chlichen tragik des lebenslaufs konnten mich die wenigen fomulierungen zum schreiben und schreibenm&#252;ssen, vor allem zum schreibenm&#252;ssen in einer &quot;feindessprache&quot; nicht wirklich &#252;berzeugen, kamen mir oberfl&#228;chlich und zu allgemein vor und traten im erz&#228;hlflu&#223; zu unvermittelt auf. 

das war&#039;s. gr&#252;&#223;e uwe.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>lieber helmet!</p>
<p>du hast recht. hart aber gerechtfertigt &#8211; so h&#228;tte ich es formulieren sollen. </p>
<p>ein wenig despektierlich sind mir deine umschreibungen des opus als &#8220;zwergen-b&#252;chelchen&#8221;, &#8220;mini-werkchen&#8221;. &#8220;stenogramm-autobiographie&#8221; oder &#8220;autobiographie im fu&#223;notenformat&#8221; jedoch vorgekommen, vor allem in der h&#228;ufung. </p>
<p>das zwischen-den-zeilen-lesen habe ich den rezensenten unterstellen m&#252;ssen, denn anders konnte ich mir ihre lobeshymnen auch nicht erkl&#228;ren. sie m&#252;ssen in dem wenigen, so dachte ich es mir, mehr hineingelesen haben, als es bietet. wir beide dagegen k&#246;nnen in dem, was dargestellt und wie es dargestellt wird nicht erkennen, was damit letztlich ausgesagt werden soll. </p>
<p>mein haupteinwand war ja das fehlen einer zwingenden literarischen gestaltung der lebensgeschichte, die es dem leser begreiflich macht, da&#223; diese autobiographischen geschicke die autorin zum schreiben gebracht, wenn nicht gar gen&#246;tigt haben. aber unabh&#228;ngig von der tats&#228;chlichen tragik des lebenslaufs konnten mich die wenigen fomulierungen zum schreiben und schreibenm&#252;ssen, vor allem zum schreibenm&#252;ssen in einer &#8220;feindessprache&#8221; nicht wirklich &#252;berzeugen, kamen mir oberfl&#228;chlich und zu allgemein vor und traten im erz&#228;hlflu&#223; zu unvermittelt auf. </p>
<p>das war&#8217;s. gr&#252;&#223;e uwe.</p>
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		<title>Von: helmut</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2006/02/09/agota-kristof-die-analphabetin/comment-page-1/#comment-1028</link>
		<dc:creator>helmut</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Feb 2006 20:29:34 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.eckfenster.de/wordpress/?p=45#comment-1028</guid>
		<description>Lieber Ewu,

nun erst, pardon, es ging nicht fr&#252;her:

wenn ich kurz rekapituliere:
-den Stoff nicht ausgebreitet
-zu wenig zwingend
-zu unentschieden
-unvermittelt
-das Historische zu kulissenhaft

etc.

Wie kommt es dann zur Feststellung, es sei ein hartes Urteil?

Was mich besonders interessiert:

Aus welchen Gr&#252;nden hat die ´grosse´ Kritik dieses B&#252;chelchen derart gelobt?

Nein, sicher nichts gegen minimalistisches Erz&#228;hlen, warum auch? Aber das vorliegende Buch, da stimmen wir &#252;berein, macht nicht begreiflich, legt dem Leser nich nahe, was es eigentlich m&#246;chte. 

Aufgefallen ist mir, dass in Deiner Bemerkung 3 x die Formulierung &quot;zwischen den Zeilen&quot; vorkommt.-
Es reizte harsch zu entgegnen: Zwischen den Zeilen steht -
GAR NICHTS. 

Sch&#246;nen Gruss,

Helmut</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Lieber Ewu,</p>
<p>nun erst, pardon, es ging nicht fr&#252;her:</p>
<p>wenn ich kurz rekapituliere:<br />
-den Stoff nicht ausgebreitet<br />
-zu wenig zwingend<br />
-zu unentschieden<br />
-unvermittelt<br />
-das Historische zu kulissenhaft</p>
<p>etc.</p>
<p>Wie kommt es dann zur Feststellung, es sei ein hartes Urteil?</p>
<p>Was mich besonders interessiert:</p>
<p>Aus welchen Gr&#252;nden hat die ´grosse´ Kritik dieses B&#252;chelchen derart gelobt?</p>
<p>Nein, sicher nichts gegen minimalistisches Erz&#228;hlen, warum auch? Aber das vorliegende Buch, da stimmen wir &#252;berein, macht nicht begreiflich, legt dem Leser nich nahe, was es eigentlich m&#246;chte. </p>
<p>Aufgefallen ist mir, dass in Deiner Bemerkung 3 x die Formulierung &#8220;zwischen den Zeilen&#8221; vorkommt.-<br />
Es reizte harsch zu entgegnen: Zwischen den Zeilen steht -<br />
GAR NICHTS. </p>
<p>Sch&#246;nen Gruss,</p>
<p>Helmut</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Von: ewu simpel</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2006/02/09/agota-kristof-die-analphabetin/comment-page-1/#comment-1008</link>
		<dc:creator>ewu simpel</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Feb 2006 18:25:16 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.eckfenster.de/wordpress/?p=45#comment-1008</guid>
		<description>lieber helmet!
ein hartes urteil, aber unterm strich mu&#223; ich dir beipflichten. ich hate dir ja schon in meinem letzten mail kursorisches zu meiner leseerfahrung mitgeteilt. der stoff, der nicht wirklich ausgebreitet wird oder nur selten in eindringlichen bildern sich verdichtet. die form, diese lose addition der ereignisse am faden der chronologie, mit wenigen zeitspr&#252;ngen, diese form schien mir zu wenig zwingend, stand f&#252;r mich in keinem nachvollziehbaren zusammenhang mit dem dargestellten stoffkreis, einzig vielleicht mit der sprunghaften, diskontinuierlichen dynamik des erinnerns selbst. die erz&#228;hlhaltung ist mir zu unentschieden, sie pendelt zu auff&#228;llig zwischen naiv (kindheitsidylle), pathetisch (th bernhard) oder n&#252;chtern-bescheibend (internatsleben) und polemisch-scharf (russische Besatzungszeit)oder satirisch (schweizer verh&#228;ltnisse); freilich kann man die stillage wechseln, doch hierbei droht die atmosph&#228;rische dichte zu verschwinden, die in teilen ja vorhanden ist, vor allem in den ersten drei kapiteln; auch sind mir die konklusionsartigen maximen und reflexionen zum schreiben als &#252;berlebensstrategie, als mittel, den schmerz der trennung, des verlusts der kindheit, der familie, der heimat zu allgemein geraten und erscheinen an ihren stellen recht unvermittelt. insgesamt fehlte mir also der gestalterische und gestaltende zugriff auf den stoff. vergleichbares ist mir bei dem stil aufgefallen, einem stil, den du treffend als parataktisch und einfach, aber nicht ohne pathos bezeichnest, diesen stil also kann man knapp nennen, reduziert allemal, fast ausdruckslos, zumindest ohne gro&#223;en formal&#228;sthetischen aufwand, jedoch lie&#223; er meiner meinung nach nicht wirklich den existentiellen ernst aufscheinen, welcher der lebensgeschichte der autorin durchaus eignet. die wenigen exemplarisch und kurz dargestellten ereignisse reichen nicht aus, um den schock der fremde, den verlust der heimat und der sprache dem leser begreiflich zu machen. mir fehlte auch hier das zwingende einer literarischen gestalung, die das erlebte in einem bild, gedanken oder signifikanten geschehen objektiviert. das dies nicht geleistet wurde, liegt vielleicht daran, da&#223; die zeithistorischen ereignisse nur zitiert werden, nur angedeutet zwischen den zeilen vorhanden sind. das gro&#223;e thema vom s&#252;chtigen lesen &#252;bers fabulierende reden hin zum rettenden und den verlust gleichsam bergenden schreiben w&#228;re anschaulicher, wenn alles historische nicht so kulissenhaft, fast abstrakt erschiene. ein resultat ihrer objektiven schreibart, das schon, aber alles l&#228;&#223;t sich eben nicht zwischen den zeilen unterbringen. ich habe nichts gegen minimalistisches erz&#228;hlen - du nennst es zu recht stenographisch - , nur mu&#223; das wenige, das dann pr&#228;sentiert wird, alles enthalten. aber vielleicht ist es gerade dieses ausdruckslose, fast nichts-sagende schreiben, dieses zwischen-den-zeilen-raunende, was die kritiker so loben l&#228;&#223;t: denn, wer in dieses lob einstimmt, weist sich als subtilen kenner sprachlicher raffinesse aus, ohne klar benennen zu m&#252;ssen, worin eigentlich das meisterliche steckt - es ist ja nur zwischen den zeilen zu entdecken, also nur f&#252;r eingeweihte sichtbar. dies nur am rande. zu fragen bleibt doch vor allem: wenn die autorin am ende fast mit einer art luststolz vermeldet, die feindessprache, das franz&#246;sische, das ihre muttersprache abget&#246;tet hat, endlich zu beherrschen, wenn auch unter mithilfe von w&#246;rterb&#252;chern, wenn sie zudem behauptet, sie h&#228;tte auch unter anderen bedingungen und umst&#228;nden, &#252;berall und in jeder anderen sprache geschrieben, warum dann dieses ironieabstinente b&#252;chlein, in dem das schreiben vornehmlich aus der exilsituation heraus begr&#252;ndet wird: schreiben als versuchte wiederherstellung der kindheit, als &#252;berlebensstrategie in der fremde, als kompensation von trennungsschmerz, als geisterbeschw&#246;rung, als ersatzheimat und anderes mehr. so viel f&#252;r heute. gr&#252;&#223;e ewu.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>lieber helmet!<br />
ein hartes urteil, aber unterm strich mu&#223; ich dir beipflichten. ich hate dir ja schon in meinem letzten mail kursorisches zu meiner leseerfahrung mitgeteilt. der stoff, der nicht wirklich ausgebreitet wird oder nur selten in eindringlichen bildern sich verdichtet. die form, diese lose addition der ereignisse am faden der chronologie, mit wenigen zeitspr&#252;ngen, diese form schien mir zu wenig zwingend, stand f&#252;r mich in keinem nachvollziehbaren zusammenhang mit dem dargestellten stoffkreis, einzig vielleicht mit der sprunghaften, diskontinuierlichen dynamik des erinnerns selbst. die erz&#228;hlhaltung ist mir zu unentschieden, sie pendelt zu auff&#228;llig zwischen naiv (kindheitsidylle), pathetisch (th bernhard) oder n&#252;chtern-bescheibend (internatsleben) und polemisch-scharf (russische Besatzungszeit)oder satirisch (schweizer verh&#228;ltnisse); freilich kann man die stillage wechseln, doch hierbei droht die atmosph&#228;rische dichte zu verschwinden, die in teilen ja vorhanden ist, vor allem in den ersten drei kapiteln; auch sind mir die konklusionsartigen maximen und reflexionen zum schreiben als &#252;berlebensstrategie, als mittel, den schmerz der trennung, des verlusts der kindheit, der familie, der heimat zu allgemein geraten und erscheinen an ihren stellen recht unvermittelt. insgesamt fehlte mir also der gestalterische und gestaltende zugriff auf den stoff. vergleichbares ist mir bei dem stil aufgefallen, einem stil, den du treffend als parataktisch und einfach, aber nicht ohne pathos bezeichnest, diesen stil also kann man knapp nennen, reduziert allemal, fast ausdruckslos, zumindest ohne gro&#223;en formal&#228;sthetischen aufwand, jedoch lie&#223; er meiner meinung nach nicht wirklich den existentiellen ernst aufscheinen, welcher der lebensgeschichte der autorin durchaus eignet. die wenigen exemplarisch und kurz dargestellten ereignisse reichen nicht aus, um den schock der fremde, den verlust der heimat und der sprache dem leser begreiflich zu machen. mir fehlte auch hier das zwingende einer literarischen gestalung, die das erlebte in einem bild, gedanken oder signifikanten geschehen objektiviert. das dies nicht geleistet wurde, liegt vielleicht daran, da&#223; die zeithistorischen ereignisse nur zitiert werden, nur angedeutet zwischen den zeilen vorhanden sind. das gro&#223;e thema vom s&#252;chtigen lesen &#252;bers fabulierende reden hin zum rettenden und den verlust gleichsam bergenden schreiben w&#228;re anschaulicher, wenn alles historische nicht so kulissenhaft, fast abstrakt erschiene. ein resultat ihrer objektiven schreibart, das schon, aber alles l&#228;&#223;t sich eben nicht zwischen den zeilen unterbringen. ich habe nichts gegen minimalistisches erz&#228;hlen &#8211; du nennst es zu recht stenographisch &#8211; , nur mu&#223; das wenige, das dann pr&#228;sentiert wird, alles enthalten. aber vielleicht ist es gerade dieses ausdruckslose, fast nichts-sagende schreiben, dieses zwischen-den-zeilen-raunende, was die kritiker so loben l&#228;&#223;t: denn, wer in dieses lob einstimmt, weist sich als subtilen kenner sprachlicher raffinesse aus, ohne klar benennen zu m&#252;ssen, worin eigentlich das meisterliche steckt &#8211; es ist ja nur zwischen den zeilen zu entdecken, also nur f&#252;r eingeweihte sichtbar. dies nur am rande. zu fragen bleibt doch vor allem: wenn die autorin am ende fast mit einer art luststolz vermeldet, die feindessprache, das franz&#246;sische, das ihre muttersprache abget&#246;tet hat, endlich zu beherrschen, wenn auch unter mithilfe von w&#246;rterb&#252;chern, wenn sie zudem behauptet, sie h&#228;tte auch unter anderen bedingungen und umst&#228;nden, &#252;berall und in jeder anderen sprache geschrieben, warum dann dieses ironieabstinente b&#252;chlein, in dem das schreiben vornehmlich aus der exilsituation heraus begr&#252;ndet wird: schreiben als versuchte wiederherstellung der kindheit, als &#252;berlebensstrategie in der fremde, als kompensation von trennungsschmerz, als geisterbeschw&#246;rung, als ersatzheimat und anderes mehr. so viel f&#252;r heute. gr&#252;&#223;e ewu.</p>
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