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	<title>Kommentare zu: Tim Krabbé „Das Rennen“,</title>
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	<description>Bücher, Bücher</description>
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		<item>
		<title>Von: ewu simpel</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2006/04/10/tim-krabbe-das-rennen/comment-page-1/#comment-1079</link>
		<dc:creator>ewu simpel</dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 May 2006 10:37:05 +0000</pubDate>
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		<description>lieber helmut!

widerwille hat es bei mir nicht ausgel&#246;st. ich fand die gegen&#252;berstellung nur zu pointiert. als ob die &quot;pl&#252;schtiere&quot; nicht auch erfahrungen machen k&#246;nnten, die &#252;ber einen selbstverlust zu einem intensiveren selbstgef&#252;hl f&#252;hren. 
es ist das implizite werturteil, welches in der gegen&#252;berstellung wirksam wird, was mich irritierte und in seiner pointiertheit st&#246;rte, da es dem einen menschenschlag etwas zuschreibt, was es dem anderen zugleich abspricht. wird da nicht ein exklusivrecht der leidensathleten postuliert? und auf was eigentlich? 

aber das sind (nur) feinheiten der wahrnehmung. auch darf und mu&#223; der autor seine idiosynkrasien ausdr&#252;cken oder besser: in formulierungen erkennbar werden lassen. er hat sein ur-eigenes geistig-moralisches profil und dieses spricht sich an den genannten stellen deutlich aus. 

letztlich geht es in dem buch ja auch um die beschreibung von erfahrungen, die in ihrer einmaligkeit und intensit&#228;t ein leben pr&#228;gen und eine identit&#228;t bilden: die gef&#252;hlten und &#252;berwundenen qualen, die den radrennenden schmerzensmann zu einem besonderen, unverwechselbaren menschen gemacht haben (66). dies anschaulich gemacht zu haben, ist das gro&#223;e verdienst des buches. meine n&#246;rgelei bezieht sich auf die ausschlie&#223;lichkeit des anspruchs, der das leiden miteinander rivalisierender radrennfahrer als die einzig noch verbliebene lebensform feiert, in der es um etwas elementares, urw&#252;chsiges geht. immer jedoch nur bis zum &#252;berfahren der ziellinie - danach kommt unvermeidlich der kater.

gr&#252;&#223;e uwe.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>lieber helmut!</p>
<p>widerwille hat es bei mir nicht ausgel&#246;st. ich fand die gegen&#252;berstellung nur zu pointiert. als ob die &#8220;pl&#252;schtiere&#8221; nicht auch erfahrungen machen k&#246;nnten, die &#252;ber einen selbstverlust zu einem intensiveren selbstgef&#252;hl f&#252;hren.<br />
es ist das implizite werturteil, welches in der gegen&#252;berstellung wirksam wird, was mich irritierte und in seiner pointiertheit st&#246;rte, da es dem einen menschenschlag etwas zuschreibt, was es dem anderen zugleich abspricht. wird da nicht ein exklusivrecht der leidensathleten postuliert? und auf was eigentlich? </p>
<p>aber das sind (nur) feinheiten der wahrnehmung. auch darf und mu&#223; der autor seine idiosynkrasien ausdr&#252;cken oder besser: in formulierungen erkennbar werden lassen. er hat sein ur-eigenes geistig-moralisches profil und dieses spricht sich an den genannten stellen deutlich aus. </p>
<p>letztlich geht es in dem buch ja auch um die beschreibung von erfahrungen, die in ihrer einmaligkeit und intensit&#228;t ein leben pr&#228;gen und eine identit&#228;t bilden: die gef&#252;hlten und &#252;berwundenen qualen, die den radrennenden schmerzensmann zu einem besonderen, unverwechselbaren menschen gemacht haben (66). dies anschaulich gemacht zu haben, ist das gro&#223;e verdienst des buches. meine n&#246;rgelei bezieht sich auf die ausschlie&#223;lichkeit des anspruchs, der das leiden miteinander rivalisierender radrennfahrer als die einzig noch verbliebene lebensform feiert, in der es um etwas elementares, urw&#252;chsiges geht. immer jedoch nur bis zum &#252;berfahren der ziellinie &#8211; danach kommt unvermeidlich der kater.</p>
<p>gr&#252;&#223;e uwe.</p>
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		<title>Von: helmut</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2006/04/10/tim-krabbe-das-rennen/comment-page-1/#comment-1077</link>
		<dc:creator>helmut</dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 May 2006 08:04:47 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.eckfenster.de/wordpress/?p=53#comment-1077</guid>
		<description>Lieber Ewu,

ich verstehe worum es Dir geht und woran sich Dein Widerwille erregt.
Aber:
Vielleicht ist es &#252;berzeichnet, vielleicht nicht.
Wie w&#228;re es, wenn das was Du als ´den Bogen &#252;berspannen´ oder ´zu weit gehen´ empfindest mit ins Spiel geh&#246;rt? 
Wenn man das eine nicht ohne das andere haben kann?

Es geht ja nicht oder nicht prim&#228;r um Naturverehrung.

Es geht ums Selbstgewinn durch Selbstverlust.
Und es geht um den Affekt, den das ausl&#246;st in der Beurteilung anderer, der Pl&#252;schtiere.
Vielleicht geht er nicht zu weit, sondern ist nur, vielleicht provozierend, ehrlich?
Vielleicht bringt er nur etwas auf den Punkt - und beklagt einen Verlust. Den von etwas ihm Wichtigem, Elementarem.

Sch&#246;ne Gr&#252;sse,

Helmut</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Lieber Ewu,</p>
<p>ich verstehe worum es Dir geht und woran sich Dein Widerwille erregt.<br />
Aber:<br />
Vielleicht ist es &#252;berzeichnet, vielleicht nicht.<br />
Wie w&#228;re es, wenn das was Du als ´den Bogen &#252;berspannen´ oder ´zu weit gehen´ empfindest mit ins Spiel geh&#246;rt?<br />
Wenn man das eine nicht ohne das andere haben kann?</p>
<p>Es geht ja nicht oder nicht prim&#228;r um Naturverehrung.</p>
<p>Es geht ums Selbstgewinn durch Selbstverlust.<br />
Und es geht um den Affekt, den das ausl&#246;st in der Beurteilung anderer, der Pl&#252;schtiere.<br />
Vielleicht geht er nicht zu weit, sondern ist nur, vielleicht provozierend, ehrlich?<br />
Vielleicht bringt er nur etwas auf den Punkt &#8211; und beklagt einen Verlust. Den von etwas ihm Wichtigem, Elementarem.</p>
<p>Sch&#246;ne Gr&#252;sse,</p>
<p>Helmut</p>
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	<item>
		<title>Von: ewu simpel</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2006/04/10/tim-krabbe-das-rennen/comment-page-1/#comment-1074</link>
		<dc:creator>ewu simpel</dc:creator>
		<pubDate>Fri, 28 Apr 2006 07:51:49 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.eckfenster.de/wordpress/?p=53#comment-1074</guid>
		<description>lieber helmut!

das leiden als nicht-athletische, sch&#246;ne kunst betrachtet und der radsport als gleichsam zivilisationsjenseitiges reservat, in dem man sein leben noch aufs spiel setzen kann, wo es ums ganze (dein wort) geht und wo der ernst eines unerbittliches kampfes herrscht: so oder so &#228;hnlich habe ich das auch gesehen. da bin ich mir dir einer meinung. 

auch teile ich deine einsch&#228;tzung, da&#223; krabbe bewu&#223;t provozieren wollte. mit einer einschr&#228;nkung: 
bringt er die erfahrungsintensit&#228;t und das besondere der erlebnisse bei diesem rennen auf den punkt, so &#252;berzieht er bei der reflexion der motive und den hehren anspr&#252;chen der betreibenden dieses sports den bogen und verf&#228;llt - an einigen stellen - ins polemisch-abf&#228;llige. immer dann n&#228;mlich, wenn er schmerzvermeidung als aufgeben charakterisiert (66), wenn er die zivilisation als naturferne zone menschlicher &quot;pl&#252;schtiere&quot; von den die natur verehrenden leidensathleten auf dem rad abgrenzt (78) oder gute verlierer als beleidiger des sportsgeistes verunglimpft (158) und das rennen in der sentenz &quot;courir c&#039;est mourir en peu&quot; (103) als ein&#252;bung ins sterben verunkl&#228;rt. 
das geht meines erachtens zu weit. mu&#223; wahrscheinlich zu weit gehen, will er doch seinen sport vom &quot;mischmasch des journalismus&quot; abgrenzen, der nur noch von &quot;emblemen&quot;, stichworten, gemeinpl&#228;tzen beherrscht wird (68). die sto&#223;richtung ist mit klar, leuchtet auch ein, nur die intensit&#228;t ist mir zu stark und seinem fazit &quot;lieber tot als im besenwagen&quot; (126) - denn darauf l&#228;uft es hinaus - mu&#223; ich entgegenhalten: 
noch lieber lese ich davon, um es nicht selbst erleben zu m&#252;ssen.
freilich fehlt mir damit auch das besondere des zugangs, den du zu haben scheinst. ich will dabei f&#252;r dich hoffen, da&#223; es dir vornehmlich darum geht, distanzen in eigenanstrengung zur&#252;ckzulegen, deinen k&#246;rper in anspruch zu nehmen und dabei kraft loszuwerden und nicht so sehr darum, sich bis zum - letztlich finalen - selbstverlust zu qu&#228;len.

in diesem sinne frohes radeln,
uwe.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>lieber helmut!</p>
<p>das leiden als nicht-athletische, sch&#246;ne kunst betrachtet und der radsport als gleichsam zivilisationsjenseitiges reservat, in dem man sein leben noch aufs spiel setzen kann, wo es ums ganze (dein wort) geht und wo der ernst eines unerbittliches kampfes herrscht: so oder so &#228;hnlich habe ich das auch gesehen. da bin ich mir dir einer meinung. </p>
<p>auch teile ich deine einsch&#228;tzung, da&#223; krabbe bewu&#223;t provozieren wollte. mit einer einschr&#228;nkung:<br />
bringt er die erfahrungsintensit&#228;t und das besondere der erlebnisse bei diesem rennen auf den punkt, so &#252;berzieht er bei der reflexion der motive und den hehren anspr&#252;chen der betreibenden dieses sports den bogen und verf&#228;llt &#8211; an einigen stellen &#8211; ins polemisch-abf&#228;llige. immer dann n&#228;mlich, wenn er schmerzvermeidung als aufgeben charakterisiert (66), wenn er die zivilisation als naturferne zone menschlicher &#8220;pl&#252;schtiere&#8221; von den die natur verehrenden leidensathleten auf dem rad abgrenzt (78) oder gute verlierer als beleidiger des sportsgeistes verunglimpft (158) und das rennen in der sentenz &#8220;courir c&#8217;est mourir en peu&#8221; (103) als ein&#252;bung ins sterben verunkl&#228;rt.<br />
das geht meines erachtens zu weit. mu&#223; wahrscheinlich zu weit gehen, will er doch seinen sport vom &#8220;mischmasch des journalismus&#8221; abgrenzen, der nur noch von &#8220;emblemen&#8221;, stichworten, gemeinpl&#228;tzen beherrscht wird (68). die sto&#223;richtung ist mit klar, leuchtet auch ein, nur die intensit&#228;t ist mir zu stark und seinem fazit &#8220;lieber tot als im besenwagen&#8221; (126) &#8211; denn darauf l&#228;uft es hinaus &#8211; mu&#223; ich entgegenhalten:<br />
noch lieber lese ich davon, um es nicht selbst erleben zu m&#252;ssen.<br />
freilich fehlt mir damit auch das besondere des zugangs, den du zu haben scheinst. ich will dabei f&#252;r dich hoffen, da&#223; es dir vornehmlich darum geht, distanzen in eigenanstrengung zur&#252;ckzulegen, deinen k&#246;rper in anspruch zu nehmen und dabei kraft loszuwerden und nicht so sehr darum, sich bis zum &#8211; letztlich finalen &#8211; selbstverlust zu qu&#228;len.</p>
<p>in diesem sinne frohes radeln,<br />
uwe.</p>
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	<item>
		<title>Von: helmut</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2006/04/10/tim-krabbe-das-rennen/comment-page-1/#comment-1073</link>
		<dc:creator>helmut</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Apr 2006 07:38:06 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.eckfenster.de/wordpress/?p=53#comment-1073</guid>
		<description>Lieber Ewu,

zun&#228;chst freilich sch&#246;nen Dank f&#252;r die Blumen, besonders aber freut mich auch, dass Dir das Buch, auch als peripatetischem Radfahrer, gefallen hat!
Du beschreibt ja ausf&#252;hrlich und gekonnt, dass es gut gemacht ist. Mindestens die halbe Miete daf&#252;r, dass es auch ´funktioniert´, wie man heute so h&#252;bsch-h&#228;sslich im Technik-Jargon sagt.
Ein interessanter Punkt ist sicher der, an dem man Befremden sp&#252;rt: Das, was Du den amoralischen Willen zum Sieg nennst, die Martialik.
Man kann sich fragen, ob das eine ohne das andere nicht zu haben ist.
Oder ob man dieser Haltung (ist es eine?) nicht doch lieber die des englischen Fairplay-Gentleman vorzieht, dessen Sports geist so weit geht (oder nicht weit genug?), dass er (wenigstens nach aussen hin) mit Anstand zu verlieren versteht.
Ich sch&#228;tze Krabbé provoziert hier ganz bewusst. Es sieht so aus als ginge es ihm um mehr und anderes als darum, ein zweir&#228;diges Ger&#228;t per Muskelkraft m&#246;glichst schnell von A nach B zu bewegen. Sieht so aus, als w&#252;rde er im RAdsport ein Reservat mythischer und archaischer Kr&#228;fte aufsp&#252;ren, die grundlegender sind als all die T&#252;nche und der Talmi, die uns ansonsten zu Zivilisierten verbr&#228;men. Wenn man so will die R&#252;ckseite des Unbehagens in der Zivilisation. 
Das mag Befremden, das soll es wohl auch. 
Dazu geh&#246;rt auch die ´Leidensathletik´.
Leiden - eigentlich etwas, das man vermeidet wo es geht, das man flieht.
Paradox, es zu suchen. Es immer wieder zu wollen. Nur verwandelt es sich ja. Es ibt gl&#252;cks&#228;hnliche Zust&#228;nde, die ohne das Verausgaben nicht zu haben sind. Es ist auch ein Spiel. Es ist etwas k&#246;rperliche-seelisches. Momente, in denen man ganz ist. Und in denen es ums Ganze geht. - Momente also, die allt&#228;glich und in unseren Breiten doch weitgehend ausgefallen sind. 
Und mit diesem Kon- oder Subtext ist es ein Sportbuch, ja, aber auch noch mehr. Und das macht auch einen Teil seiner Qualit&#228;t aus.
Er hat mir mit diesem Buch jedenfalls Lust darauf gemacht, auch andere B&#252;cher von ihm auszuprobieren.

Sch&#246;ne Gr&#252;sse,

Helmut</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Lieber Ewu,</p>
<p>zun&#228;chst freilich sch&#246;nen Dank f&#252;r die Blumen, besonders aber freut mich auch, dass Dir das Buch, auch als peripatetischem Radfahrer, gefallen hat!<br />
Du beschreibt ja ausf&#252;hrlich und gekonnt, dass es gut gemacht ist. Mindestens die halbe Miete daf&#252;r, dass es auch ´funktioniert´, wie man heute so h&#252;bsch-h&#228;sslich im Technik-Jargon sagt.<br />
Ein interessanter Punkt ist sicher der, an dem man Befremden sp&#252;rt: Das, was Du den amoralischen Willen zum Sieg nennst, die Martialik.<br />
Man kann sich fragen, ob das eine ohne das andere nicht zu haben ist.<br />
Oder ob man dieser Haltung (ist es eine?) nicht doch lieber die des englischen Fairplay-Gentleman vorzieht, dessen Sports geist so weit geht (oder nicht weit genug?), dass er (wenigstens nach aussen hin) mit Anstand zu verlieren versteht.<br />
Ich sch&#228;tze Krabbé provoziert hier ganz bewusst. Es sieht so aus als ginge es ihm um mehr und anderes als darum, ein zweir&#228;diges Ger&#228;t per Muskelkraft m&#246;glichst schnell von A nach B zu bewegen. Sieht so aus, als w&#252;rde er im RAdsport ein Reservat mythischer und archaischer Kr&#228;fte aufsp&#252;ren, die grundlegender sind als all die T&#252;nche und der Talmi, die uns ansonsten zu Zivilisierten verbr&#228;men. Wenn man so will die R&#252;ckseite des Unbehagens in der Zivilisation.<br />
Das mag Befremden, das soll es wohl auch.<br />
Dazu geh&#246;rt auch die ´Leidensathletik´.<br />
Leiden &#8211; eigentlich etwas, das man vermeidet wo es geht, das man flieht.<br />
Paradox, es zu suchen. Es immer wieder zu wollen. Nur verwandelt es sich ja. Es ibt gl&#252;cks&#228;hnliche Zust&#228;nde, die ohne das Verausgaben nicht zu haben sind. Es ist auch ein Spiel. Es ist etwas k&#246;rperliche-seelisches. Momente, in denen man ganz ist. Und in denen es ums Ganze geht. &#8211; Momente also, die allt&#228;glich und in unseren Breiten doch weitgehend ausgefallen sind.<br />
Und mit diesem Kon- oder Subtext ist es ein Sportbuch, ja, aber auch noch mehr. Und das macht auch einen Teil seiner Qualit&#228;t aus.<br />
Er hat mir mit diesem Buch jedenfalls Lust darauf gemacht, auch andere B&#252;cher von ihm auszuprobieren.</p>
<p>Sch&#246;ne Gr&#252;sse,</p>
<p>Helmut</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: ewu simpel</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2006/04/10/tim-krabbe-das-rennen/comment-page-1/#comment-1072</link>
		<dc:creator>ewu simpel</dc:creator>
		<pubDate>Sun, 23 Apr 2006 17:28:50 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.eckfenster.de/wordpress/?p=53#comment-1072</guid>
		<description>lieber helmut!

das buch, schreibst du, f&#252;hrt direkt ins herz des radsports. 
deine besprechung auch. 
man merkt ihr in jeder zeile an, da&#223; da einer aus der innenperspektive spricht, ein radsportbegeisterter, ein pedalathlet, in kleinerem ma&#223;stab zwar, aber mit vergleichbarem anspruch an sich und seine physis.

ich dagegen, du wei&#223;t es, bin nichts weniger als ein sportsman. einzig genu&#223;radeln mute ich meinem k&#246;rper zu, eine peripatetik auf r&#228;dern.
um so erstaunlicher war es, da&#223; mich die lekt&#252;re dieses buches begeistert hat. ich habe es kaum aus der hand legen k&#246;nnen. spannungsaufbau und erz&#228;hltempo haben mich von der ersten seite an in atem gehalten, und das bei einem thema, das sehr weit von meinem eigenen erfahrungshorizont entfernt ist. 
form und inhalt sind pa&#223;genau aufeinander abgestimmt, auch die retardierenden r&#252;ckblicke auf die eigene sportkarriere stehen an den richtigen stellen, zuletzt scheinen erz&#228;hlzeit und erz&#228;hlte zeit zur deckung zu kommen und man sp&#252;rt als leser regelrecht das &#252;berfahren der ziellinie. beeindruckend auch, wie das protokoll eines bewu&#223;tseins sprachlich vermittelt wird, das sich selbst dabei zuschaut, wie es im verlauf des rennens immer mehr das bewu&#223;tsein verliert und zuletzt von etwas gesteuert wird, was mit vernunft nichts mehr zu tun hat - eine verschmelzung mit dem rad, ein programm, das abl&#228;uft, ein einswerden mit der rennmaschine, wodurch zugleich die grenzen verschoben werden, die leistungs- wie auch die ich-grenzen. 

faszinierend zu lesen, obwohl ich nicht zu den praktizierenden dieser qualsportart geh&#246;re. &#252;berhaupt bin ich nicht vom sportvirus infiziert, mu&#223; mich nicht (k&#246;rperlich) verausgaben, werde von keinem grenz&#252;berschreitenden willen angetrieben, der mich im namen einer selbst&#252;berwindung an den rand des todes f&#252;hrt. trotzdem oder gerade deshalb war ich begeistert von diesen tiefen einblicken in taktik und psyche eines sportlers. man mu&#223; also nicht idealerweise ein renner sein, um dem buch etwas abgewinnen zu k&#246;nnen. 

f&#252;r mich war aber nicht die leidensathletik, der unbedingte, fast amoralische wille zum sieg oder die dressur der muskeln das wesentliche, sondern gerade der kunstgriff des autors, der mir als leser ein bewu&#223;tseinsprotokoll liefert, das so sicherlich nicht w&#228;hrend des rennens stattfand oder stattfinden kann. was mich also erreicht hat, war die kunst der darstellung, die verdichtung der wirklichkeit, die klare bilder einer sportart vermittelt. hierbei waren es vor allem die einmaligkeit der erfahrungen und wahrnehmungen und das wie ihrer vermittlung, die mich faszinierten. der sich selbst beobachtende und bewundernde psychocyclist also (33), der z&#228;hne mit glasscherben auf einer mauer vergleicht (63), der lichtreflexe auf felgen wahrnimmt (97), sich an einer gef&#228;hrlichen stelle ein museum der gehirne imaginiert (102) oder sich in sentenzen &#252;bt (103) und von einem surreal und skuril anmutenden rennfahrer-abc phantasiert (116-122). besonders sch&#246;n auch die formulierung von einer &quot;forteilenden ziellinie&quot;, die das verlangen und die hoffnung wachh&#228;lt (73) - k&#246;nnte eine metapher f&#252;r die unz&#228;hligen anstrengungen im leben &#252;berhaupt sein, oder? 
irritiert war ich dagegen ein wenig von der ewigen insistenz auf den kampf, den unbedingten sieg, dem lob der konkurrenzsituation, der rivalit&#228;t bis aufs blut - die martialik eines m&#228;nnersports also, der fair play und mitgef&#252;hl zugunsten des h&#246;chsten und einzigen ziels: dem gewinnen aufgegeben hat. dieses ausspielen des heheren sports gegen die verweichlichte zivilisation fand ich nicht ganz so gelungen. dies liegt, wie ich wei&#223;, im wesen und anspruch dieses leistungssports begr&#252;ndet. wer antritt, will gewinnen, sonst braucht er gar nicht erst teilzunehmen. nur der sieg z&#228;hlt, der zweite ist nur der erste der verlierer (154-158). innerhalb der kampf- und konkurrenzsituation des sportlichen ereignisses ist das verst&#228;ndlich, mu&#223; auch so sein. aber als lebenshaltung, als charaktereigenschaft - du sprichst auch davon - scheint mir das nicht besonders sympathisch zu sein. da stehe ich doch lieber unter dem korrumpierenden einflu&#223; der zivilisation und helfe einem gest&#252;rzten wieder auf die beine. 

so auf r&#228;dern zu rennen ist sicherlich eine grenzerfahrung, die verwandlung in eine reine impulsivit&#228;t (83), bei der das eigene leben und manchmal auch das der anderen aufs spiel gesetzt wird (91). doch sollte sich dieses freisetzen von wundersamen kr&#228;ften der selbst&#252;berwindung, dieser krampf aus kraft und wille (62, 72, 99) einzig im rahmen des sports ereignen. dies anschaulich und literarisch anspruchsvoll gezeigt zu haben, ist eines der vorz&#252;ge des buches von krabbe. eine lebenshaltung konnte und wollte ich allerdings nicht daraus entnehmen. dies war wohl auch nicht krabbes wirkungsabsicht, eher vielleicht schon das nostalgisch gef&#228;rbte bild einer m&#228;nnersportwelt, die den naturgewalten n&#228;her steht und und in der das leiden im rausch des rennens als sch&#246;n, zuletzt als lust empfunden wird. immer jedoch erst danach, nach dem &#252;berqueren der zielliene.

soviel dazu.

herzliche gr&#252;&#223;e vom einem sportabstinenten,
uwe.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>lieber helmut!</p>
<p>das buch, schreibst du, f&#252;hrt direkt ins herz des radsports.<br />
deine besprechung auch.<br />
man merkt ihr in jeder zeile an, da&#223; da einer aus der innenperspektive spricht, ein radsportbegeisterter, ein pedalathlet, in kleinerem ma&#223;stab zwar, aber mit vergleichbarem anspruch an sich und seine physis.</p>
<p>ich dagegen, du wei&#223;t es, bin nichts weniger als ein sportsman. einzig genu&#223;radeln mute ich meinem k&#246;rper zu, eine peripatetik auf r&#228;dern.<br />
um so erstaunlicher war es, da&#223; mich die lekt&#252;re dieses buches begeistert hat. ich habe es kaum aus der hand legen k&#246;nnen. spannungsaufbau und erz&#228;hltempo haben mich von der ersten seite an in atem gehalten, und das bei einem thema, das sehr weit von meinem eigenen erfahrungshorizont entfernt ist.<br />
form und inhalt sind pa&#223;genau aufeinander abgestimmt, auch die retardierenden r&#252;ckblicke auf die eigene sportkarriere stehen an den richtigen stellen, zuletzt scheinen erz&#228;hlzeit und erz&#228;hlte zeit zur deckung zu kommen und man sp&#252;rt als leser regelrecht das &#252;berfahren der ziellinie. beeindruckend auch, wie das protokoll eines bewu&#223;tseins sprachlich vermittelt wird, das sich selbst dabei zuschaut, wie es im verlauf des rennens immer mehr das bewu&#223;tsein verliert und zuletzt von etwas gesteuert wird, was mit vernunft nichts mehr zu tun hat &#8211; eine verschmelzung mit dem rad, ein programm, das abl&#228;uft, ein einswerden mit der rennmaschine, wodurch zugleich die grenzen verschoben werden, die leistungs- wie auch die ich-grenzen. </p>
<p>faszinierend zu lesen, obwohl ich nicht zu den praktizierenden dieser qualsportart geh&#246;re. &#252;berhaupt bin ich nicht vom sportvirus infiziert, mu&#223; mich nicht (k&#246;rperlich) verausgaben, werde von keinem grenz&#252;berschreitenden willen angetrieben, der mich im namen einer selbst&#252;berwindung an den rand des todes f&#252;hrt. trotzdem oder gerade deshalb war ich begeistert von diesen tiefen einblicken in taktik und psyche eines sportlers. man mu&#223; also nicht idealerweise ein renner sein, um dem buch etwas abgewinnen zu k&#246;nnen. </p>
<p>f&#252;r mich war aber nicht die leidensathletik, der unbedingte, fast amoralische wille zum sieg oder die dressur der muskeln das wesentliche, sondern gerade der kunstgriff des autors, der mir als leser ein bewu&#223;tseinsprotokoll liefert, das so sicherlich nicht w&#228;hrend des rennens stattfand oder stattfinden kann. was mich also erreicht hat, war die kunst der darstellung, die verdichtung der wirklichkeit, die klare bilder einer sportart vermittelt. hierbei waren es vor allem die einmaligkeit der erfahrungen und wahrnehmungen und das wie ihrer vermittlung, die mich faszinierten. der sich selbst beobachtende und bewundernde psychocyclist also (33), der z&#228;hne mit glasscherben auf einer mauer vergleicht (63), der lichtreflexe auf felgen wahrnimmt (97), sich an einer gef&#228;hrlichen stelle ein museum der gehirne imaginiert (102) oder sich in sentenzen &#252;bt (103) und von einem surreal und skuril anmutenden rennfahrer-abc phantasiert (116-122). besonders sch&#246;n auch die formulierung von einer &#8220;forteilenden ziellinie&#8221;, die das verlangen und die hoffnung wachh&#228;lt (73) &#8211; k&#246;nnte eine metapher f&#252;r die unz&#228;hligen anstrengungen im leben &#252;berhaupt sein, oder?<br />
irritiert war ich dagegen ein wenig von der ewigen insistenz auf den kampf, den unbedingten sieg, dem lob der konkurrenzsituation, der rivalit&#228;t bis aufs blut &#8211; die martialik eines m&#228;nnersports also, der fair play und mitgef&#252;hl zugunsten des h&#246;chsten und einzigen ziels: dem gewinnen aufgegeben hat. dieses ausspielen des heheren sports gegen die verweichlichte zivilisation fand ich nicht ganz so gelungen. dies liegt, wie ich wei&#223;, im wesen und anspruch dieses leistungssports begr&#252;ndet. wer antritt, will gewinnen, sonst braucht er gar nicht erst teilzunehmen. nur der sieg z&#228;hlt, der zweite ist nur der erste der verlierer (154-158). innerhalb der kampf- und konkurrenzsituation des sportlichen ereignisses ist das verst&#228;ndlich, mu&#223; auch so sein. aber als lebenshaltung, als charaktereigenschaft &#8211; du sprichst auch davon &#8211; scheint mir das nicht besonders sympathisch zu sein. da stehe ich doch lieber unter dem korrumpierenden einflu&#223; der zivilisation und helfe einem gest&#252;rzten wieder auf die beine. </p>
<p>so auf r&#228;dern zu rennen ist sicherlich eine grenzerfahrung, die verwandlung in eine reine impulsivit&#228;t (83), bei der das eigene leben und manchmal auch das der anderen aufs spiel gesetzt wird (91). doch sollte sich dieses freisetzen von wundersamen kr&#228;ften der selbst&#252;berwindung, dieser krampf aus kraft und wille (62, 72, 99) einzig im rahmen des sports ereignen. dies anschaulich und literarisch anspruchsvoll gezeigt zu haben, ist eines der vorz&#252;ge des buches von krabbe. eine lebenshaltung konnte und wollte ich allerdings nicht daraus entnehmen. dies war wohl auch nicht krabbes wirkungsabsicht, eher vielleicht schon das nostalgisch gef&#228;rbte bild einer m&#228;nnersportwelt, die den naturgewalten n&#228;her steht und und in der das leiden im rausch des rennens als sch&#246;n, zuletzt als lust empfunden wird. immer jedoch erst danach, nach dem &#252;berqueren der zielliene.</p>
<p>soviel dazu.</p>
<p>herzliche gr&#252;&#223;e vom einem sportabstinenten,<br />
uwe.</p>
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