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	<title>Kommentare zu: Charles Bukowski  „Den G&#246;ttern kommt das grosse Kotzen“</title>
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	<description>Bücher, Bücher</description>
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		<title>Von: ewu simpel</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2006/05/08/charles-bukowski-den-gottern-kommt-das-grosse-kotzen/comment-page-1/#comment-1145</link>
		<dc:creator>ewu simpel</dc:creator>
		<pubDate>Fri, 19 May 2006 17:16:45 +0000</pubDate>
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		<description>lieber helmut!

da liegt aber ein geh&#246;riges mi&#223;verst&#228;ndnis vor.

weder wollte ich mit meinen anmerkungen ausdr&#252;cken, da&#223; buk seinen ur-eigenden schreib-stil reinigen oder mit &quot;sch&#246;nen worten&quot; aufpeppen soll, noch ging es mir darum, da&#223; literatur einzig sich um einen sch&#246;nen schein bem&#252;hen sollte. auch glaube ich nicht, da&#223; man meine auslassungen dahingehend interpretieren kann, da&#223; ich ihn - wie andere zuvor - in die &quot;schmuddelecke&quot; stellen will.
das m&#252;&#223;test du eigentlich auch wissen. 

geschrieben habe ich, da&#223; mich die redundanz dieses jargons bisweilen nervte, wohl wissend, da&#223; er pa&#223;t, zum autor wie auch zu dem, wor&#252;ber er schreibt. es ist sein idiom: &#228;u&#223;erste, meist unter h&#246;chstspannung aufs papier gebrachte subjektivit&#228;t. doch die h&#228;ufigkeit und einseitigkeit (bedenke, da&#223; ich neben den tageb&#252;chern auch die briefe gelesen habe), mit der er immer wieder die welt und die in ihr agierende menschliche gattung als skatologische kom&#246;die (&quot;ein gro&#223;er Batzen Scheisse&quot;) begreift, fiel mir auf, und ich habe mich an manchen stellen gefragt, was hier vorliegt: klartext oder mystifikation, selbstausdruck oder pose?! 
die frage mu&#223; doch erlaubt sein, ob das von ihm propagierte und ausge&#252;bte schreiben aus dem bauch heraus nicht auch zu einer manier werden kann? wird sie dann nicht genauso zu einer art selbststilisierung wie es der &quot;sch&#246;ne&quot; umgang mit w&#246;rtern bei den &quot;dichtern&quot; wird?

auch finde ich die gegen&#252;berstellung von klartextlern und drechslern nicht wirklich gelungen. denn: was k&#246;nnte hierbei das kriterium sein, mit dem man dem einen aufrichtigkeit und dem anderen ausweichendes gerede zuschreibt? kann h&#246;chste kunstfertigkeit nicht trotzdem ganz dicht am leben sein? oder verstehe ich jetzt DICH falsch?

gr&#252;&#223;e, uwe.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>lieber helmut!</p>
<p>da liegt aber ein geh&#246;riges mi&#223;verst&#228;ndnis vor.</p>
<p>weder wollte ich mit meinen anmerkungen ausdr&#252;cken, da&#223; buk seinen ur-eigenden schreib-stil reinigen oder mit &#8220;sch&#246;nen worten&#8221; aufpeppen soll, noch ging es mir darum, da&#223; literatur einzig sich um einen sch&#246;nen schein bem&#252;hen sollte. auch glaube ich nicht, da&#223; man meine auslassungen dahingehend interpretieren kann, da&#223; ich ihn &#8211; wie andere zuvor &#8211; in die &#8220;schmuddelecke&#8221; stellen will.<br />
das m&#252;&#223;test du eigentlich auch wissen. </p>
<p>geschrieben habe ich, da&#223; mich die redundanz dieses jargons bisweilen nervte, wohl wissend, da&#223; er pa&#223;t, zum autor wie auch zu dem, wor&#252;ber er schreibt. es ist sein idiom: &#228;u&#223;erste, meist unter h&#246;chstspannung aufs papier gebrachte subjektivit&#228;t. doch die h&#228;ufigkeit und einseitigkeit (bedenke, da&#223; ich neben den tageb&#252;chern auch die briefe gelesen habe), mit der er immer wieder die welt und die in ihr agierende menschliche gattung als skatologische kom&#246;die (&#8221;ein gro&#223;er Batzen Scheisse&#8221;) begreift, fiel mir auf, und ich habe mich an manchen stellen gefragt, was hier vorliegt: klartext oder mystifikation, selbstausdruck oder pose?!<br />
die frage mu&#223; doch erlaubt sein, ob das von ihm propagierte und ausge&#252;bte schreiben aus dem bauch heraus nicht auch zu einer manier werden kann? wird sie dann nicht genauso zu einer art selbststilisierung wie es der &#8220;sch&#246;ne&#8221; umgang mit w&#246;rtern bei den &#8220;dichtern&#8221; wird?</p>
<p>auch finde ich die gegen&#252;berstellung von klartextlern und drechslern nicht wirklich gelungen. denn: was k&#246;nnte hierbei das kriterium sein, mit dem man dem einen aufrichtigkeit und dem anderen ausweichendes gerede zuschreibt? kann h&#246;chste kunstfertigkeit nicht trotzdem ganz dicht am leben sein? oder verstehe ich jetzt DICH falsch?</p>
<p>gr&#252;&#223;e, uwe.</p>
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		<title>Von: helmut</title>
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		<dc:creator>helmut</dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 May 2006 07:16:07 +0000</pubDate>
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		<description>Lieber Uwe,

Deine Kritik an Bukowski erinnert mich an Deine Kritk bei Krabbé.
Ich habe solche Reinigungstendenzen nicht.
Vielmehr denke ich, dass diese Dinge mit in den Kauf geh&#246;ren, dass es das eine ohne das andere nicht g&#228;be. Es w&#228;re also unaufrichtig (oder wie noch?), sie auszusondern. Ist, was Dich nervt nicht auch was das Buch im Kern ausmacht?! Kann man die Grundlage weglassen um nur den Zucker zu schlecken?
Zun&#228;chst mal w&#228;re es wichtig, Bukowski aus der Schmuddelecke rauszuholen, in die er meiner Ansicht nach entschieden nicht geh&#246;rt. Ja, freilich, er ist manchmal ordin&#228;r. Aber wenn er schreibt, dass auch T&#228;nzerinnen pissen und scheissen, dann steckt dahinter auch eine Opposition. Die gegen den sch&#246;nen Schein, gegen Unaufrichtigkeit, Vernebelung, Schmonzens und f&#252;r Direktheit, Ehrlichkeit, Diesseitigkeit, daf&#252;r, sich kein X f&#252;r ein U vormachen zu lassen. Es ist eine Reduktion, ein Blickschwenk. Ihm gehts ums Ganze und Getue jedweder Art nervt ihn - oder wie er vielleicht schreiben w&#252;rde: geht ihm auf den Sack. Hier gehts nicht um ein ´als ob´, sondern darum, sich in einer recht ordentlich irren Welt irgendwie den Arsch &#252;ber den Tag zu retten. - Was soll so einer mit sch&#246;nen Worten? 
Was ist f&#252;r so einen wichtig und wirklich?
Wir kommen heute schnellfertig mit Selbststilisierungen. Was, wenn hier einfach nur einer Klartext redete? Nein, nat&#252;rlich nicht, beim Schreiben geht alles durch den Filter. Aber mehr Klartext als Drechsler und Sch&#246;nredner? Wenn einer einfach von der Leber weg schreibt und sich nicht darum schert, ob sich wer dran st&#246;rt?

Gr&#252;sse,

Helmut</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Lieber Uwe,</p>
<p>Deine Kritik an Bukowski erinnert mich an Deine Kritk bei Krabbé.<br />
Ich habe solche Reinigungstendenzen nicht.<br />
Vielmehr denke ich, dass diese Dinge mit in den Kauf geh&#246;ren, dass es das eine ohne das andere nicht g&#228;be. Es w&#228;re also unaufrichtig (oder wie noch?), sie auszusondern. Ist, was Dich nervt nicht auch was das Buch im Kern ausmacht?! Kann man die Grundlage weglassen um nur den Zucker zu schlecken?<br />
Zun&#228;chst mal w&#228;re es wichtig, Bukowski aus der Schmuddelecke rauszuholen, in die er meiner Ansicht nach entschieden nicht geh&#246;rt. Ja, freilich, er ist manchmal ordin&#228;r. Aber wenn er schreibt, dass auch T&#228;nzerinnen pissen und scheissen, dann steckt dahinter auch eine Opposition. Die gegen den sch&#246;nen Schein, gegen Unaufrichtigkeit, Vernebelung, Schmonzens und f&#252;r Direktheit, Ehrlichkeit, Diesseitigkeit, daf&#252;r, sich kein X f&#252;r ein U vormachen zu lassen. Es ist eine Reduktion, ein Blickschwenk. Ihm gehts ums Ganze und Getue jedweder Art nervt ihn &#8211; oder wie er vielleicht schreiben w&#252;rde: geht ihm auf den Sack. Hier gehts nicht um ein ´als ob´, sondern darum, sich in einer recht ordentlich irren Welt irgendwie den Arsch &#252;ber den Tag zu retten. &#8211; Was soll so einer mit sch&#246;nen Worten?<br />
Was ist f&#252;r so einen wichtig und wirklich?<br />
Wir kommen heute schnellfertig mit Selbststilisierungen. Was, wenn hier einfach nur einer Klartext redete? Nein, nat&#252;rlich nicht, beim Schreiben geht alles durch den Filter. Aber mehr Klartext als Drechsler und Sch&#246;nredner? Wenn einer einfach von der Leber weg schreibt und sich nicht darum schert, ob sich wer dran st&#246;rt?</p>
<p>Gr&#252;sse,</p>
<p>Helmut</p>
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		<title>Von: ewu simpel</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2006/05/08/charles-bukowski-den-gottern-kommt-das-grosse-kotzen/comment-page-1/#comment-1082</link>
		<dc:creator>ewu simpel</dc:creator>
		<pubDate>Fri, 12 May 2006 07:46:35 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.eckfenster.de/wordpress/?p=55#comment-1082</guid>
		<description>lieber helmut!

du hast recht. das ist ein buch, das f&#252;r sich selbst spricht, &#252;ber das man am besten schreibt, indem man aus ihm zitiert. 

trotzdem hier noch ein paar anmerkungen.

ich hatte vor ein paar wochen schon die briefe von buk, die unter dem titel &quot;schreie vom balkon&quot; ver&#246;ffentlicht wurden, mit genu&#223; und zunehmender begeisterung gelesen. die nun vorliegenden tageb&#252;cher habe ich mir dann als zugabe gleich besorgt und wurde auch nicht entt&#228;uscht. obwohl vieles in den briefen schon ausgesprochen wurde und es viele &#252;berschneidungen zwischen den briefen der 90er jahre und den tageb&#252;chern gibt, erg&#228;nzen sich beide publikationen bestens. in beiden medien l&#228;&#223;t er sich gehen, schwingt sich bisweilen zu hinrei&#223;enden prosa-gedichten auf und handelt die gleichen themen ab, immer im angesicht eines andressaten, den er ja auch in den tageb&#252;chern direkt als ein neutrales Du oder Ihr anspricht. schreiben ist eben letztlich das an-sprechen eines imaginierten Du. und was er dar&#252;ber zum besten gibt, ist immer originell und original. 

einzig die durchg&#228;ngig skatologische metaphorik, sein griff ins verbal-klo, wie auch die selbststilisierungen als underdog und isolationist, der nur an seiner eigenen &quot;schei&#223;e&quot; riechen und ansonsten weitgehend von welt und menschen ungehelligt bleiben will, nervte mich das eine und andere mal. doch auch an diesen stellen herrschte das quentchen selbstironie und humor, das mich wieder vers&#246;hnlich stimmte. ohnehin mu&#223; man nicht mit seiner idiosynkratischen, ja eigentlich nihilistischen welt- und menschenanschauung &#252;bereinstimmen, um dem buch etwas abgewinnen zu k&#246;nnen. gerade aus der opposition, die sich beim leser sicherlich an einigen stellen regt, gewinnt der text seine sch&#228;rfe und unverwechselbare eigenheit.

fazit: zwei rundum gelungene b&#252;cher, die unverzichtbar sind, wenn es darum geht zu erfahren, was es mit dem schreiben auf sich hat und wie es mit dem leben zusammenh&#228;ngt.

gr&#252;&#223;e uwe.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>lieber helmut!</p>
<p>du hast recht. das ist ein buch, das f&#252;r sich selbst spricht, &#252;ber das man am besten schreibt, indem man aus ihm zitiert. </p>
<p>trotzdem hier noch ein paar anmerkungen.</p>
<p>ich hatte vor ein paar wochen schon die briefe von buk, die unter dem titel &#8220;schreie vom balkon&#8221; ver&#246;ffentlicht wurden, mit genu&#223; und zunehmender begeisterung gelesen. die nun vorliegenden tageb&#252;cher habe ich mir dann als zugabe gleich besorgt und wurde auch nicht entt&#228;uscht. obwohl vieles in den briefen schon ausgesprochen wurde und es viele &#252;berschneidungen zwischen den briefen der 90er jahre und den tageb&#252;chern gibt, erg&#228;nzen sich beide publikationen bestens. in beiden medien l&#228;&#223;t er sich gehen, schwingt sich bisweilen zu hinrei&#223;enden prosa-gedichten auf und handelt die gleichen themen ab, immer im angesicht eines andressaten, den er ja auch in den tageb&#252;chern direkt als ein neutrales Du oder Ihr anspricht. schreiben ist eben letztlich das an-sprechen eines imaginierten Du. und was er dar&#252;ber zum besten gibt, ist immer originell und original. </p>
<p>einzig die durchg&#228;ngig skatologische metaphorik, sein griff ins verbal-klo, wie auch die selbststilisierungen als underdog und isolationist, der nur an seiner eigenen &#8220;schei&#223;e&#8221; riechen und ansonsten weitgehend von welt und menschen ungehelligt bleiben will, nervte mich das eine und andere mal. doch auch an diesen stellen herrschte das quentchen selbstironie und humor, das mich wieder vers&#246;hnlich stimmte. ohnehin mu&#223; man nicht mit seiner idiosynkratischen, ja eigentlich nihilistischen welt- und menschenanschauung &#252;bereinstimmen, um dem buch etwas abgewinnen zu k&#246;nnen. gerade aus der opposition, die sich beim leser sicherlich an einigen stellen regt, gewinnt der text seine sch&#228;rfe und unverwechselbare eigenheit.</p>
<p>fazit: zwei rundum gelungene b&#252;cher, die unverzichtbar sind, wenn es darum geht zu erfahren, was es mit dem schreiben auf sich hat und wie es mit dem leben zusammenh&#228;ngt.</p>
<p>gr&#252;&#223;e uwe.</p>
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