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	<title>Kommentare zu: Petri Tamminen „Verstecke“</title>
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	<description>Bücher, Bücher</description>
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		<item>
		<title>Von: ewu simpel</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2007/01/07/petri-tamminen-verstecke/comment-page-1/#comment-4738</link>
		<dc:creator>ewu simpel</dc:creator>
		<pubDate>Fri, 02 Feb 2007 17:48:06 +0000</pubDate>
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		<description>lieber helmut!

sicherlich w&#228;chst aus der bedrohung der gedanke der bewahrung, doch es mu&#223; doch nicht immer so ernst und existentiell zugehen, wie es das in den meisten der tamminen-miniaturen tut. dies soll keine kritik daran sein, vielmehr finde ich die art, wie er seine versteckfiguren schildert und sie ihre selbstschutzr&#228;ume finden und &quot;genie&#223;en&quot; l&#228;&#223;t, &#252;beraus gelungen. 

allein: es herrscht denn doch sehr viel existenzangst vor. all dies mag es geben und ich bin der letzte, der dies leugnen will. die vielfalt der exitentiellen zwangslagen kennt keine grenzen. und es fiel mir ja auch leicht, mich in den texten wiederzufinden. doch nicht alles mu&#223; aus der not geboren sein. in diesem sinne wollte ich meine erg&#228;nzung verstanden wissen.
damit soll es auch gut sein.

gr&#252;&#223;e,
uwe.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>lieber helmut!</p>
<p>sicherlich w&#228;chst aus der bedrohung der gedanke der bewahrung, doch es mu&#223; doch nicht immer so ernst und existentiell zugehen, wie es das in den meisten der tamminen-miniaturen tut. dies soll keine kritik daran sein, vielmehr finde ich die art, wie er seine versteckfiguren schildert und sie ihre selbstschutzr&#228;ume finden und &#8220;genie&#223;en&#8221; l&#228;&#223;t, &#252;beraus gelungen. </p>
<p>allein: es herrscht denn doch sehr viel existenzangst vor. all dies mag es geben und ich bin der letzte, der dies leugnen will. die vielfalt der exitentiellen zwangslagen kennt keine grenzen. und es fiel mir ja auch leicht, mich in den texten wiederzufinden. doch nicht alles mu&#223; aus der not geboren sein. in diesem sinne wollte ich meine erg&#228;nzung verstanden wissen.<br />
damit soll es auch gut sein.</p>
<p>gr&#252;&#223;e,<br />
uwe.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: Helmut</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2007/01/07/petri-tamminen-verstecke/comment-page-1/#comment-4696</link>
		<dc:creator>Helmut</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Feb 2007 09:35:06 +0000</pubDate>
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		<description>Lieber Uwe,

freilich: Die H&#246;lle, das sind, wie wir wissen, die anderen.
Ob das allerdings im Fall Bartlebys so mit Recht gesagt werden kann?
Wo ist hier Henne, wo Ei?
Zun&#228;chst verweigert ja Bartleby das, was gemeinhin als Usus, als Normalit&#228;t angesehen wird. - Er stellt sich au&#223;erhalb des Konsens. - Man kann dann nat&#252;rlich sagen: Die anderen sind nicht in der Lage, darauf entsprechend und f&#252;r ihn passend einzugehen, aber das ist dann eine Frage des Blickwinkels. Der Erz&#228;hler es St&#252;ckchens ist ja durchaus ein verst&#228;ndnisvoller und nachgiebiger Mensch - aber sein Appell an die Vernunft und eine Art Gentleman Agreement kommt bei Bartleby nicht an.
Die Erweiterung des Vergweigerungs-Kanons um den spielerischen Typus kann man gerne annehmen - k&#246;nnte sich jedoch auch die Frage Stellen, warum gerade der bei Tamminen unterrepr&#228;sentiert ist! Ist da doch nicht ein ziemliches Quantum Kritik in der Abkehr?!
Das Verstecken ist Selbstschutz, ist der Versuch der Bewahrung, dessen was einen ausmacht oder vielleicht rettet. - Um das n&#246;tig zu machen, muss es also bedroht sein. Ich finde, dass die so deutliche Formulierung mit diesem Titel schon auch im Thematischen originell ist - wenngleich mir die Umsetzung, Du hast das ja beschrieben, sehr gut gefallen hat. Er hat es sehr einfach gemacht, sehr greifbar, letztlich auf einen Begriff gebracht, den des Verstecks. Kinder verstecken sich, diese &#252;brigens durchaus spielerisch. Was sagt es &#252;ber eine Zeit aus, wenn die Erwachsenen allenthalben Verstecke brauchen? Gut, man k&#246;nnte sagen: War schon immer so... M&#252;sste man Soziologen und Historiker ans Thema stellen, wenn man das kl&#228;ren wollte.
Nun kenne ich mich denkbar wenig mit dem Finnischen aus, aber zustimmen kann ich insofern, als es f&#252;r mich auch nicht sp&#252;rbar war, dass es sich bei dem Buch um eine &#220;bersetzung handelte - und das ist nicht selbstverst&#228;ndlich.

Sch&#246;ne Gr&#252;&#223;e,

Helmut</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Lieber Uwe,</p>
<p>freilich: Die H&#246;lle, das sind, wie wir wissen, die anderen.<br />
Ob das allerdings im Fall Bartlebys so mit Recht gesagt werden kann?<br />
Wo ist hier Henne, wo Ei?<br />
Zun&#228;chst verweigert ja Bartleby das, was gemeinhin als Usus, als Normalit&#228;t angesehen wird. &#8211; Er stellt sich au&#223;erhalb des Konsens. &#8211; Man kann dann nat&#252;rlich sagen: Die anderen sind nicht in der Lage, darauf entsprechend und f&#252;r ihn passend einzugehen, aber das ist dann eine Frage des Blickwinkels. Der Erz&#228;hler es St&#252;ckchens ist ja durchaus ein verst&#228;ndnisvoller und nachgiebiger Mensch &#8211; aber sein Appell an die Vernunft und eine Art Gentleman Agreement kommt bei Bartleby nicht an.<br />
Die Erweiterung des Vergweigerungs-Kanons um den spielerischen Typus kann man gerne annehmen &#8211; k&#246;nnte sich jedoch auch die Frage Stellen, warum gerade der bei Tamminen unterrepr&#228;sentiert ist! Ist da doch nicht ein ziemliches Quantum Kritik in der Abkehr?!<br />
Das Verstecken ist Selbstschutz, ist der Versuch der Bewahrung, dessen was einen ausmacht oder vielleicht rettet. &#8211; Um das n&#246;tig zu machen, muss es also bedroht sein. Ich finde, dass die so deutliche Formulierung mit diesem Titel schon auch im Thematischen originell ist &#8211; wenngleich mir die Umsetzung, Du hast das ja beschrieben, sehr gut gefallen hat. Er hat es sehr einfach gemacht, sehr greifbar, letztlich auf einen Begriff gebracht, den des Verstecks. Kinder verstecken sich, diese &#252;brigens durchaus spielerisch. Was sagt es &#252;ber eine Zeit aus, wenn die Erwachsenen allenthalben Verstecke brauchen? Gut, man k&#246;nnte sagen: War schon immer so&#8230; M&#252;sste man Soziologen und Historiker ans Thema stellen, wenn man das kl&#228;ren wollte.<br />
Nun kenne ich mich denkbar wenig mit dem Finnischen aus, aber zustimmen kann ich insofern, als es f&#252;r mich auch nicht sp&#252;rbar war, dass es sich bei dem Buch um eine &#220;bersetzung handelte &#8211; und das ist nicht selbstverst&#228;ndlich.</p>
<p>Sch&#246;ne Gr&#252;&#223;e,</p>
<p>Helmut</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: ewu simpel</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2007/01/07/petri-tamminen-verstecke/comment-page-1/#comment-4645</link>
		<dc:creator>ewu simpel</dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Jan 2007 16:52:21 +0000</pubDate>
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		<description>lieber helmut!

hab&#039; dank f&#252;r die ausf&#252;hrliche antwort.

du hast recht, das spielerische ist etwas, dem ich schon des &#246;fteren das wort geredet habe. richtig ist auch, da&#223; man das leben nur dann unter einem ironischen vorbehalt betrachten kann, wenn man nicht permanent mit dem kampf um die subsistenzmittel besch&#228;ftigt ist. hinsichtlich der tamminen-texte und der darin entwickelten fluchtcharaktere mitsamt ihren spezifischen versteckbed&#252;rfnissen wollte ich mit meinem hinweis aufs spielen die m&#246;glichkeiten des sich-verbergens fortschreiben. ich verstehe das buch als ein offenes werk, das die leser fortsetzen k&#246;nnen, wenn sie m&#246;gen, ein work in progress sozusagen. denn jeder hat seine ureigensten verstecke, und die motive sind nicht minder eigent&#252;mlich. bei all der not und der bedr&#252;cktheit, die tamminen schildert, wollte ich auf etwas wie mu&#223;e und spielerische unverbindlichkeit hinweisen, die auch in eine art verstecken m&#252;nden k&#246;nnen. weil gerade dies meinem verstecktemperament und auch einem gro&#223;en teil meiner lebenshaltung entspricht. es war also, um es kurz zu sagen, ein h&#246;chst pers&#246;nlicher einwurf, der nicht einen mangel in tamminens buch offenlegen, sondern nur seine bunte palette der endogenen versteckk&#252;nstler um den spielerischen typus erweitern wollte.

das tertium comparationis bei bartleby war f&#252;r mich die verweigerung. aber sicherlich hast du in deiner beurteilung recht: die tamminen-figuren sind bei weitem nicht so r&#228;tselhaft und mitnichten verabschieden sie sich ohne grund von der welt. dies tun sie im &#252;brigen immer nur auf zeit, bartleby am schlu&#223; dagegen f&#252;r immer, indem er verhungert. letztlich ist er wohl ein lebens-verweigerer, wohingegen die tamminen-figuren auf zeit aus dem gewohnten leben aussteigen. trotzdem mu&#223;te ich bei einigen passagen unwillk&#252;rlich an melvilles kleines absurdes meisterst&#252;ck denken. denn in diesem wie auch in einigen texten von tamminen sind es die anderen, die mit-menschen, die das verst&#228;ndnis f&#252;r den sich verweigernden nicht aufbringen, diesen vielmehr fast militant verfolgen. auch darin sah ich eine parallele. 

doch genug des literaturhistorischen r&#228;sonnements. das buch ist viel zu origin&#228;r als das man es vergleichen m&#252;&#223;te, mit was auch immer. seine eigentliche originalit&#228;t liegt ja nicht so sehr im thematischen als in der sprachlichen umsetzung. die lakonie, der bisweilen unterk&#252;hlte humor, die aberwitzigen vergleiche und steilen metaphernbildungen, aber auch die genauigkeit der charakterschilderung und die stupende f&#252;lle an einzelbeobachtungen - in all dem liegt meines erachtens der eigentliche reichtum des buches. und deshalb m&#246;chte ich noch ein gro&#223;es lob an den &#252;bersetzer aussprechen. man merkt an keiner stelle, da&#223; es sich um eine &#252;bersetzung handelt. gut so. weiter so.

gr&#252;&#223;e, 
uwe.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>lieber helmut!</p>
<p>hab&#8217; dank f&#252;r die ausf&#252;hrliche antwort.</p>
<p>du hast recht, das spielerische ist etwas, dem ich schon des &#246;fteren das wort geredet habe. richtig ist auch, da&#223; man das leben nur dann unter einem ironischen vorbehalt betrachten kann, wenn man nicht permanent mit dem kampf um die subsistenzmittel besch&#228;ftigt ist. hinsichtlich der tamminen-texte und der darin entwickelten fluchtcharaktere mitsamt ihren spezifischen versteckbed&#252;rfnissen wollte ich mit meinem hinweis aufs spielen die m&#246;glichkeiten des sich-verbergens fortschreiben. ich verstehe das buch als ein offenes werk, das die leser fortsetzen k&#246;nnen, wenn sie m&#246;gen, ein work in progress sozusagen. denn jeder hat seine ureigensten verstecke, und die motive sind nicht minder eigent&#252;mlich. bei all der not und der bedr&#252;cktheit, die tamminen schildert, wollte ich auf etwas wie mu&#223;e und spielerische unverbindlichkeit hinweisen, die auch in eine art verstecken m&#252;nden k&#246;nnen. weil gerade dies meinem verstecktemperament und auch einem gro&#223;en teil meiner lebenshaltung entspricht. es war also, um es kurz zu sagen, ein h&#246;chst pers&#246;nlicher einwurf, der nicht einen mangel in tamminens buch offenlegen, sondern nur seine bunte palette der endogenen versteckk&#252;nstler um den spielerischen typus erweitern wollte.</p>
<p>das tertium comparationis bei bartleby war f&#252;r mich die verweigerung. aber sicherlich hast du in deiner beurteilung recht: die tamminen-figuren sind bei weitem nicht so r&#228;tselhaft und mitnichten verabschieden sie sich ohne grund von der welt. dies tun sie im &#252;brigen immer nur auf zeit, bartleby am schlu&#223; dagegen f&#252;r immer, indem er verhungert. letztlich ist er wohl ein lebens-verweigerer, wohingegen die tamminen-figuren auf zeit aus dem gewohnten leben aussteigen. trotzdem mu&#223;te ich bei einigen passagen unwillk&#252;rlich an melvilles kleines absurdes meisterst&#252;ck denken. denn in diesem wie auch in einigen texten von tamminen sind es die anderen, die mit-menschen, die das verst&#228;ndnis f&#252;r den sich verweigernden nicht aufbringen, diesen vielmehr fast militant verfolgen. auch darin sah ich eine parallele. </p>
<p>doch genug des literaturhistorischen r&#228;sonnements. das buch ist viel zu origin&#228;r als das man es vergleichen m&#252;&#223;te, mit was auch immer. seine eigentliche originalit&#228;t liegt ja nicht so sehr im thematischen als in der sprachlichen umsetzung. die lakonie, der bisweilen unterk&#252;hlte humor, die aberwitzigen vergleiche und steilen metaphernbildungen, aber auch die genauigkeit der charakterschilderung und die stupende f&#252;lle an einzelbeobachtungen &#8211; in all dem liegt meines erachtens der eigentliche reichtum des buches. und deshalb m&#246;chte ich noch ein gro&#223;es lob an den &#252;bersetzer aussprechen. man merkt an keiner stelle, da&#223; es sich um eine &#252;bersetzung handelt. gut so. weiter so.</p>
<p>gr&#252;&#223;e,<br />
uwe.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: Helmut</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2007/01/07/petri-tamminen-verstecke/comment-page-1/#comment-4639</link>
		<dc:creator>Helmut</dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Jan 2007 08:45:32 +0000</pubDate>
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		<description>Lieber Uwe,

es freut mich, dass Dir der Tamminen derart gefallen hat! - Offenbarungen erleben wir ja vielleicht nicht allzu oft. Ist vielleicht einfach nicht die Zeit daf&#252;r? 
Dein Tamminen-Kommentar war der leidenschaftlichste und emotionalste bisher und ich finde es gut, dass Du den Mut hast das auch so zu &#228;ussern und nicht das modisch-k&#252;hle R&#252;hrmichnichtan-M&#228;ntelchen der Coolness umzuh&#228;ngen versuchst.
Die Assoziation an Rakusas &quot;Langsamer!&quot;-Buch kann man haben, das passt. Mir scheinen das Reaktionen zu sein auf das Immer-weniger-Lebenswertmachen der Lebenswirklichkeit. Die Menschen passen zu gro&#223;en Teilen wohl immer weniger in diese unwirtliche Wirklichkeit. Sie wehren sich, vertecken sich, werden krank oder verr&#252;ckt. 
Hier das Spielerische - das zumindest ist ein Thema, das Du als Generalba&#223; bl&#228;st?! - ins Feld zu f&#252;hren, ist verst&#228;ndlich, kann aber nur aus einer Position des relativen Luxus heraus geschehen. Einer Position, die nicht allzu viel von Daseinskampf und seine Haut zu Markte tragen weiss. Wohl dem, der´s kann.
Doch wie frei - was immer man darunter versteht - ist das Anderssein? 
Und wie kokett, wie narzi&#223;tisch, wie...? 
Sicher, das Verstecken aus Freiheit ist eine h&#252;bsche Komponente. Tamminen scheint mir da n&#228;her an Dringenderem.
Und Bartleby?
Zwar m&#246;chte er lieber nicht, aber warum?
Seine Gr&#252;nde bleiben v&#246;llig im Dunkeln. Gl&#252;cklich wirkt er jedenfalls nicht. Ganz im Gegenteil. Wie von einem b&#246;sen Zwang getrieben, wie mit einer Krankheit zum Tode behaftet, schon mehr pflanzlich als menschlich. Bartleby bleibt v&#246;llig r&#228;tselhaft. Das wird nicht zuletzt sein, was ihn so stark und auch heute noch faszinierend macht. Aber in Bezug auf ihn kann man doch kaum von Innehalten und Beisichsein sprechen, er ist ein Besessener, handelt kaum aus Freiheit, f&#252;hrt ein mieses Leben.
Was aber in Deutlichkeit an ihm vorexerziert wird ist, wie es einem ergeht, der nicht ganz der Norm entspricht, der sich au&#223;erhalb der Gemeinschaft stellt: Er wird ausgesto&#223;en und selbst vom Geduldigsten und Verst&#228;ndigsten gnadenlos abgestraft. Einer der nicht in diese Welt passt und daf&#252;r noch nicht einmal trftige Gr&#252;nde liefern kann oder will, der f&#228;llt aus ihr heraus.
Wenn Du schreibst: Etwas von der Haltung Bartlebys mitbekommen, dann w&#252;rde ich sagen: Ja, kann man sagen. Weiter w&#252;rde ich die Parallele nicht ziehen wollen. 
Denn Bartleby tut zwar nicht mit, aber aus welchem Grund? Die Gr&#252;nde bei Tamminen sind greifbar.
Die Welt setzt uns massiv unter Druck. Es bestehen massive Forderungen. Leben kostet Geld. Das Eigentliche wird verdr&#228;ngt und weggeschoben, man lebt ein entfermdetes Leben. - Da kann die Lust, ja das Bed&#252;rfnis, sich dem zu entziehen, durchaus einmal aufkommen. Ja es w&#228;re Zeichen eines Rests Gesundheit.

Sch&#246;ne Gr&#252;&#223;e,

Helmut</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Lieber Uwe,</p>
<p>es freut mich, dass Dir der Tamminen derart gefallen hat! &#8211; Offenbarungen erleben wir ja vielleicht nicht allzu oft. Ist vielleicht einfach nicht die Zeit daf&#252;r?<br />
Dein Tamminen-Kommentar war der leidenschaftlichste und emotionalste bisher und ich finde es gut, dass Du den Mut hast das auch so zu &#228;ussern und nicht das modisch-k&#252;hle R&#252;hrmichnichtan-M&#228;ntelchen der Coolness umzuh&#228;ngen versuchst.<br />
Die Assoziation an Rakusas &#8220;Langsamer!&#8221;-Buch kann man haben, das passt. Mir scheinen das Reaktionen zu sein auf das Immer-weniger-Lebenswertmachen der Lebenswirklichkeit. Die Menschen passen zu gro&#223;en Teilen wohl immer weniger in diese unwirtliche Wirklichkeit. Sie wehren sich, vertecken sich, werden krank oder verr&#252;ckt.<br />
Hier das Spielerische &#8211; das zumindest ist ein Thema, das Du als Generalba&#223; bl&#228;st?! &#8211; ins Feld zu f&#252;hren, ist verst&#228;ndlich, kann aber nur aus einer Position des relativen Luxus heraus geschehen. Einer Position, die nicht allzu viel von Daseinskampf und seine Haut zu Markte tragen weiss. Wohl dem, der´s kann.<br />
Doch wie frei &#8211; was immer man darunter versteht &#8211; ist das Anderssein?<br />
Und wie kokett, wie narzi&#223;tisch, wie&#8230;?<br />
Sicher, das Verstecken aus Freiheit ist eine h&#252;bsche Komponente. Tamminen scheint mir da n&#228;her an Dringenderem.<br />
Und Bartleby?<br />
Zwar m&#246;chte er lieber nicht, aber warum?<br />
Seine Gr&#252;nde bleiben v&#246;llig im Dunkeln. Gl&#252;cklich wirkt er jedenfalls nicht. Ganz im Gegenteil. Wie von einem b&#246;sen Zwang getrieben, wie mit einer Krankheit zum Tode behaftet, schon mehr pflanzlich als menschlich. Bartleby bleibt v&#246;llig r&#228;tselhaft. Das wird nicht zuletzt sein, was ihn so stark und auch heute noch faszinierend macht. Aber in Bezug auf ihn kann man doch kaum von Innehalten und Beisichsein sprechen, er ist ein Besessener, handelt kaum aus Freiheit, f&#252;hrt ein mieses Leben.<br />
Was aber in Deutlichkeit an ihm vorexerziert wird ist, wie es einem ergeht, der nicht ganz der Norm entspricht, der sich au&#223;erhalb der Gemeinschaft stellt: Er wird ausgesto&#223;en und selbst vom Geduldigsten und Verst&#228;ndigsten gnadenlos abgestraft. Einer der nicht in diese Welt passt und daf&#252;r noch nicht einmal trftige Gr&#252;nde liefern kann oder will, der f&#228;llt aus ihr heraus.<br />
Wenn Du schreibst: Etwas von der Haltung Bartlebys mitbekommen, dann w&#252;rde ich sagen: Ja, kann man sagen. Weiter w&#252;rde ich die Parallele nicht ziehen wollen.<br />
Denn Bartleby tut zwar nicht mit, aber aus welchem Grund? Die Gr&#252;nde bei Tamminen sind greifbar.<br />
Die Welt setzt uns massiv unter Druck. Es bestehen massive Forderungen. Leben kostet Geld. Das Eigentliche wird verdr&#228;ngt und weggeschoben, man lebt ein entfermdetes Leben. &#8211; Da kann die Lust, ja das Bed&#252;rfnis, sich dem zu entziehen, durchaus einmal aufkommen. Ja es w&#228;re Zeichen eines Rests Gesundheit.</p>
<p>Sch&#246;ne Gr&#252;&#223;e,</p>
<p>Helmut</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: ewu simpel</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2007/01/07/petri-tamminen-verstecke/comment-page-1/#comment-4589</link>
		<dc:creator>ewu simpel</dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 Jan 2007 14:31:45 +0000</pubDate>
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		<description>hallo! 

noch ein kleiner nachtrag.

du sprichst von der verweigerung als alternativprogramm, welches dieses buch anvisiere: degagement statt engagement! 
woran erinnert das?
an welche literarische figur?
bartleby, wenn ich mich nicht irre.
kann man so weit gehen?

ist in dem buch von tamminen eine existenzweise beschworen, die allein aus und in der verweigerung lebt?
geht es nur ums verborgen-sein, um verzicht, letztlich auch um den verzicht auf leben, wenn man bartleby als m&#246;glichen subtext zugrundelegt? 

ich denke nicht.
verzicht, verweigerung, das versteckbed&#252;rfnis der bedr&#252;ckten weltfl&#252;chtlinge - all das ist durchaus gegeben. aber eben auch noch mehr. es geht um ein innehalten (siehe rakusa), um ein beisichsein, um eine arbeit gegen das vergessen, um die freiheit, die im r&#252;ckzug liegt. das f&#252;hrt, denke ich, &#252;ber bartleby hinaus. und doch denke ich, da&#223; die figuren aus tamminens erz&#228;hlwelt etwas von der haltung dieses exemplarischen verweigerers mitbekommen haben.

gr&#252;&#223;e,
uwe.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>hallo! </p>
<p>noch ein kleiner nachtrag.</p>
<p>du sprichst von der verweigerung als alternativprogramm, welches dieses buch anvisiere: degagement statt engagement!<br />
woran erinnert das?<br />
an welche literarische figur?<br />
bartleby, wenn ich mich nicht irre.<br />
kann man so weit gehen?</p>
<p>ist in dem buch von tamminen eine existenzweise beschworen, die allein aus und in der verweigerung lebt?<br />
geht es nur ums verborgen-sein, um verzicht, letztlich auch um den verzicht auf leben, wenn man bartleby als m&#246;glichen subtext zugrundelegt? </p>
<p>ich denke nicht.<br />
verzicht, verweigerung, das versteckbed&#252;rfnis der bedr&#252;ckten weltfl&#252;chtlinge &#8211; all das ist durchaus gegeben. aber eben auch noch mehr. es geht um ein innehalten (siehe rakusa), um ein beisichsein, um eine arbeit gegen das vergessen, um die freiheit, die im r&#252;ckzug liegt. das f&#252;hrt, denke ich, &#252;ber bartleby hinaus. und doch denke ich, da&#223; die figuren aus tamminens erz&#228;hlwelt etwas von der haltung dieses exemplarischen verweigerers mitbekommen haben.</p>
<p>gr&#252;&#223;e,<br />
uwe.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: ewu simpel</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2007/01/07/petri-tamminen-verstecke/comment-page-1/#comment-4587</link>
		<dc:creator>ewu simpel</dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 Jan 2007 14:11:00 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.eckfenster.de/wordpress/2007/01/07/petri-tamminen-verstecke/#comment-4587</guid>
		<description>hallo!

f&#252;r einen notorischen realit&#228;tsfl&#252;chtling wie mich war dieses buch eine offenbarung.

ich kann dir in allem nur zustimmen.
deine lesart ist richtig und und du hast dein verst&#228;ndnis in sch&#246;ne, passende formulierungen bringen k&#246;nnen.

ein buch, das man immer wieder hervorholen wird, das mehrmaligem lesen standh&#228;lt, ja, erst bei wiederholter lekt&#252;re seine ganze ungeheurlichkeit preisgibt - in den detailsatten beobachtungen, den humorigen charakterschilderungen, der ganzen ph&#228;nomenologie der verstecke, seien es nun reale orte, mentale zust&#228;nde oder verhaltensweisen.

ein brevier f&#252;r alle, die sich nicht heimisch f&#252;hlen, ob in der welt, bei sich selbst oder den menschen, und die trotzdem so etwas wie heimat, wohlsein, beisichsein suchen.

das buch hat mich erreicht, dort abgeholt, wo ich mich befinde, nicht immer, aber oft. es hat auf mich eine wirkung ausge&#252;bt, wie es sonst nur melancholische musik schafft, etwa die eines jean sibelius (auch ein finne, oder?). an manchen stellen f&#252;hlte ich mich qualvoll gl&#252;cklich, auch dar&#252;ber, da&#223; es noch jemanden gibt, der sich &#252;ber etwas so beil&#228;ufiges, kleines und doch so elementares mitteilt wie das sonnenlicht, welches auf einzelne sandk&#246;rner f&#228;llt (60) oder luftblasen auf der str&#246;mung eines kleinen baches (94). es gibt viele dutzend solcher beobachtungen, in den miniaturen verstreut wie kleine juwelen visueller genauigkeit und mit einer sch&#228;rfe, die die beschriebenen dinge zugleich real und irreal zugleich erscheinen lassen. auch dies ein geheimnis der erz&#228;hl- und schreibweise des autors - und der kongenialen arbeit des &#252;bersetzers.

du erinnerst an benjamin, was richtig ist.
auch sprichst du von einem anti-globalisierungswerkchen, was sicherlich zu hoch gegriffen ist. ich dachte unwillk&#252;rlich an ilma rakusas &quot;langsamer&quot;. damit hat es sehr viel gemeinsam. auch tamminen versucht sich an einer entschleunigung, allein durch seine sprache und die gegenst&#228;nde, auf die er sie richtet.

was mir etwas zu kurz kommt bei all der not, die uns zum verstecken zwingt: das spielerische. es gibt einige hinweise darauf, das schon, aber der tenor sind doch die versehrtheiten durch eine brutale welt, wo pflichten, anforderungen herrschen und der &quot;unsch&#246;ne wettbewerbsgeist&quot; (41) alles z&#228;rtliche zuschanden macht. das alles zwingt uns, zwischenb&#246;den einzuziehen, wie du richtig und treffsicher geschrieben hast. aber gibt es nicht auch das verstecken aus einer lust an der abwechslung heraus, ein verstecken aus einem grunds&#228;tzlichen ironischen vorbehalt dem leben gegen&#252;ber, dem verstecken aus der einsicht heraus, da&#223; auch die welt nur eine b&#252;hne ist und alles ein spiel mit requisiten (33). tamminen spricht auch das an, aber ich meine doch, da&#223; die bedr&#252;cktheit, das nicht-zurechtkommen als grundgef&#252;hl vorherrscht, was den fluchtimpuls bei uns ausl&#246;st und verstecke aufsuchen l&#228;&#223;t. liege ich da falsch?

als homo ludens, der nicht weniger der welt abhanden gekommen ist als der homo melancholicus tamminen&#039;scher provenienz, will ich mich nicht nur verstecken, weil ich es nicht mehr aushalte, aus existenzangst also, sondern auch um die freiheit des anderssein-k&#246;nnens zu genie&#223;en. ist das allein eine frage des unterschiedlichen temperaments oder enth&#228;lt das b&#252;chlein auch daf&#252;r etwas bereit? vielleicht hast du es ja herausgelesen.

ich bin jedenfalls dankbar, das werklein aus meinem berg der ungelesenen b&#252;cher genommen zu haben, es jetzt zu kennen und zu wissen, da&#223; ich mich bisweilen zwischen seinen deckeln verstecken kann.

gr&#252;&#223;e,
uwe.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>hallo!</p>
<p>f&#252;r einen notorischen realit&#228;tsfl&#252;chtling wie mich war dieses buch eine offenbarung.</p>
<p>ich kann dir in allem nur zustimmen.<br />
deine lesart ist richtig und und du hast dein verst&#228;ndnis in sch&#246;ne, passende formulierungen bringen k&#246;nnen.</p>
<p>ein buch, das man immer wieder hervorholen wird, das mehrmaligem lesen standh&#228;lt, ja, erst bei wiederholter lekt&#252;re seine ganze ungeheurlichkeit preisgibt &#8211; in den detailsatten beobachtungen, den humorigen charakterschilderungen, der ganzen ph&#228;nomenologie der verstecke, seien es nun reale orte, mentale zust&#228;nde oder verhaltensweisen.</p>
<p>ein brevier f&#252;r alle, die sich nicht heimisch f&#252;hlen, ob in der welt, bei sich selbst oder den menschen, und die trotzdem so etwas wie heimat, wohlsein, beisichsein suchen.</p>
<p>das buch hat mich erreicht, dort abgeholt, wo ich mich befinde, nicht immer, aber oft. es hat auf mich eine wirkung ausge&#252;bt, wie es sonst nur melancholische musik schafft, etwa die eines jean sibelius (auch ein finne, oder?). an manchen stellen f&#252;hlte ich mich qualvoll gl&#252;cklich, auch dar&#252;ber, da&#223; es noch jemanden gibt, der sich &#252;ber etwas so beil&#228;ufiges, kleines und doch so elementares mitteilt wie das sonnenlicht, welches auf einzelne sandk&#246;rner f&#228;llt (60) oder luftblasen auf der str&#246;mung eines kleinen baches (94). es gibt viele dutzend solcher beobachtungen, in den miniaturen verstreut wie kleine juwelen visueller genauigkeit und mit einer sch&#228;rfe, die die beschriebenen dinge zugleich real und irreal zugleich erscheinen lassen. auch dies ein geheimnis der erz&#228;hl- und schreibweise des autors &#8211; und der kongenialen arbeit des &#252;bersetzers.</p>
<p>du erinnerst an benjamin, was richtig ist.<br />
auch sprichst du von einem anti-globalisierungswerkchen, was sicherlich zu hoch gegriffen ist. ich dachte unwillk&#252;rlich an ilma rakusas &#8220;langsamer&#8221;. damit hat es sehr viel gemeinsam. auch tamminen versucht sich an einer entschleunigung, allein durch seine sprache und die gegenst&#228;nde, auf die er sie richtet.</p>
<p>was mir etwas zu kurz kommt bei all der not, die uns zum verstecken zwingt: das spielerische. es gibt einige hinweise darauf, das schon, aber der tenor sind doch die versehrtheiten durch eine brutale welt, wo pflichten, anforderungen herrschen und der &#8220;unsch&#246;ne wettbewerbsgeist&#8221; (41) alles z&#228;rtliche zuschanden macht. das alles zwingt uns, zwischenb&#246;den einzuziehen, wie du richtig und treffsicher geschrieben hast. aber gibt es nicht auch das verstecken aus einer lust an der abwechslung heraus, ein verstecken aus einem grunds&#228;tzlichen ironischen vorbehalt dem leben gegen&#252;ber, dem verstecken aus der einsicht heraus, da&#223; auch die welt nur eine b&#252;hne ist und alles ein spiel mit requisiten (33). tamminen spricht auch das an, aber ich meine doch, da&#223; die bedr&#252;cktheit, das nicht-zurechtkommen als grundgef&#252;hl vorherrscht, was den fluchtimpuls bei uns ausl&#246;st und verstecke aufsuchen l&#228;&#223;t. liege ich da falsch?</p>
<p>als homo ludens, der nicht weniger der welt abhanden gekommen ist als der homo melancholicus tamminen&#8217;scher provenienz, will ich mich nicht nur verstecken, weil ich es nicht mehr aushalte, aus existenzangst also, sondern auch um die freiheit des anderssein-k&#246;nnens zu genie&#223;en. ist das allein eine frage des unterschiedlichen temperaments oder enth&#228;lt das b&#252;chlein auch daf&#252;r etwas bereit? vielleicht hast du es ja herausgelesen.</p>
<p>ich bin jedenfalls dankbar, das werklein aus meinem berg der ungelesenen b&#252;cher genommen zu haben, es jetzt zu kennen und zu wissen, da&#223; ich mich bisweilen zwischen seinen deckeln verstecken kann.</p>
<p>gr&#252;&#223;e,<br />
uwe.</p>
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