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	<title>Kommentare zu: Lesen</title>
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	<description>Bücher, Bücher</description>
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		<title>Von: Helmut</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2007/07/12/lesen/comment-page-1/#comment-6988</link>
		<dc:creator>Helmut</dc:creator>
		<pubDate>Sun, 21 Oct 2007 17:17:26 +0000</pubDate>
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		<description>Die Kommentarschlange ist inzwischen so lang, dass man sie vielleicht kappen und eine zweite beginnen sollte, weil es eine Weile dauert, bis man von oben nach unten kommt?</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Die Kommentarschlange ist inzwischen so lang, dass man sie vielleicht kappen und eine zweite beginnen sollte, weil es eine Weile dauert, bis man von oben nach unten kommt?</p>
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		<title>Von: Helmut</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2007/07/12/lesen/comment-page-1/#comment-6987</link>
		<dc:creator>Helmut</dc:creator>
		<pubDate>Sun, 21 Oct 2007 17:15:54 +0000</pubDate>
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		<description>Replik zu Wolf:

Ich beginne am Ende, denn das ist am einfachsten:
Das gemeinsame Schauen als Steigerung des Eindruckes? - Bei mir ist in der Regel das Umgekehrte der Fall.- Mich st&#246;rt im Kino vieles - ich bevorzuge m&#246;glichst leere Kinor&#228;ume. Mich st&#246;rt des Gekraschpel von Chips- und Haribot&#252;ten ebenso wie das Rollen von Bier- und Colaflaschen, Bierdunst und Popcornduft - Popcorn auf den Sitzen und in den Ritzen. Mich st&#246;rt das Gequatsche von anderen, die Lacher an der falschen Stelle, mich st&#246;rt das penetrante Notausgangslicht von der Seite, das einem den ganzen Film &#252;ber in die Optik grinst - ich bin wohl eigentlich kein Kinogucker!? Ich will konzentriert sehen. Das Gute am Kino ist halt das Format, die gro&#223;e Leinwand.

Noch einmal zur Intensit&#228;t des Eindrucks von Filmbildern: Mir scheint hier eine andere Wirkungsweise als die von Literatur vorzuliegen. Und mir scheint, dass es evtl. einen Widerspruch bei Wolfs Kommentar gibt: Zu Beginn ist von den Filmbildern die Rede, dass nicht nur sie Intensit&#228;ten mit sich f&#252;hren - sp&#228;ter noch einmal, von anderen Resonanzen bei einem anderen Medium. Letzteres scheint mir triftiger. Mangels einer Begrifflichkeit w&#252;rde ich sagen, dass Filmbilder ungefilterter, direkter - f&#228;llt jemandem etwas besseres ein? - auf uns wirken. Ist das Auge der weniger ´gesch&#252;tzte´ Sinn? Und diese Ausgesetztheit k&#246;nnte eben mit der Erfahrung h&#246;herer Intensit&#228;t zusammenh&#228;ngen.
Gut finde ich, den Begriff der Darstellung einzuf&#252;hren. - Aber (das muss nat&#252;rlich kommen) ich bin so nicht ganz einverstanden. Denn das v&#246;llige Absehen davon, dass eben doch auch etwas abgebildet wird, scheint mir nicht &#252;berzeugend zu sein. - Und hat ja auch seine Wirkung. - Wenn ich in einem, sagen wir, 50 Jahre (beliebig) alten Film einen Baum sich im Wind wiegen sehe, dann l&#246;st das konnotativ u.U. etwas anderes aus, als wenn ich einen Baum in einem Film aus diesem Jahr... Das gleiche it Menschen. - Wie ist es, einen Film zu sehen, von dem ich wei&#223;, dass s&#228;mtliche Menschen, die darin mitspielen, mittlerweile gestorben sind? 
Ich habe eine DVD, auf der vor &#252;ber 100 Jahren britische Filmer Leute aufnahmen, wie sie aus einer Fabrik oder aus einer Schule kommen etc. -  Das ist einfach abgefilmt. Ist es trotzdem Darstellung in Wolfs Sinne? 
Den Begriff der Darstellung finde ich auch etwas problematisch. Wie ist das mit aktiv und passiv? Der  Aufnehmende stellt nicht eigentlich dar. Er w&#228;hlt aus, stilisiert... Und das Gefilmte - stellt es dar?</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Replik zu Wolf:</p>
<p>Ich beginne am Ende, denn das ist am einfachsten:<br />
Das gemeinsame Schauen als Steigerung des Eindruckes? &#8211; Bei mir ist in der Regel das Umgekehrte der Fall.- Mich st&#246;rt im Kino vieles &#8211; ich bevorzuge m&#246;glichst leere Kinor&#228;ume. Mich st&#246;rt des Gekraschpel von Chips- und Haribot&#252;ten ebenso wie das Rollen von Bier- und Colaflaschen, Bierdunst und Popcornduft &#8211; Popcorn auf den Sitzen und in den Ritzen. Mich st&#246;rt das Gequatsche von anderen, die Lacher an der falschen Stelle, mich st&#246;rt das penetrante Notausgangslicht von der Seite, das einem den ganzen Film &#252;ber in die Optik grinst &#8211; ich bin wohl eigentlich kein Kinogucker!? Ich will konzentriert sehen. Das Gute am Kino ist halt das Format, die gro&#223;e Leinwand.</p>
<p>Noch einmal zur Intensit&#228;t des Eindrucks von Filmbildern: Mir scheint hier eine andere Wirkungsweise als die von Literatur vorzuliegen. Und mir scheint, dass es evtl. einen Widerspruch bei Wolfs Kommentar gibt: Zu Beginn ist von den Filmbildern die Rede, dass nicht nur sie Intensit&#228;ten mit sich f&#252;hren &#8211; sp&#228;ter noch einmal, von anderen Resonanzen bei einem anderen Medium. Letzteres scheint mir triftiger. Mangels einer Begrifflichkeit w&#252;rde ich sagen, dass Filmbilder ungefilterter, direkter &#8211; f&#228;llt jemandem etwas besseres ein? &#8211; auf uns wirken. Ist das Auge der weniger ´gesch&#252;tzte´ Sinn? Und diese Ausgesetztheit k&#246;nnte eben mit der Erfahrung h&#246;herer Intensit&#228;t zusammenh&#228;ngen.<br />
Gut finde ich, den Begriff der Darstellung einzuf&#252;hren. &#8211; Aber (das muss nat&#252;rlich kommen) ich bin so nicht ganz einverstanden. Denn das v&#246;llige Absehen davon, dass eben doch auch etwas abgebildet wird, scheint mir nicht &#252;berzeugend zu sein. &#8211; Und hat ja auch seine Wirkung. &#8211; Wenn ich in einem, sagen wir, 50 Jahre (beliebig) alten Film einen Baum sich im Wind wiegen sehe, dann l&#246;st das konnotativ u.U. etwas anderes aus, als wenn ich einen Baum in einem Film aus diesem Jahr&#8230; Das gleiche it Menschen. &#8211; Wie ist es, einen Film zu sehen, von dem ich wei&#223;, dass s&#228;mtliche Menschen, die darin mitspielen, mittlerweile gestorben sind?<br />
Ich habe eine DVD, auf der vor &#252;ber 100 Jahren britische Filmer Leute aufnahmen, wie sie aus einer Fabrik oder aus einer Schule kommen etc. &#8211;  Das ist einfach abgefilmt. Ist es trotzdem Darstellung in Wolfs Sinne?<br />
Den Begriff der Darstellung finde ich auch etwas problematisch. Wie ist das mit aktiv und passiv? Der  Aufnehmende stellt nicht eigentlich dar. Er w&#228;hlt aus, stilisiert&#8230; Und das Gefilmte &#8211; stellt es dar?</p>
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	<item>
		<title>Von: wolf-dieter</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2007/07/12/lesen/comment-page-1/#comment-6986</link>
		<dc:creator>wolf-dieter</dc:creator>
		<pubDate>Fri, 19 Oct 2007 16:39:20 +0000</pubDate>
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		<description>@ Michael: Bei &quot;Moby Dick&quot; war es die Kombination, um nicht zu sagen die Montage von Bild und Ton, die den bleibenden Eindruck verursacht haben. Zun&#228;chst sieht man, wie Ahab mit seinem Holzbein &#252;bers Deck wandert. Dann h&#246;rt man das Ger&#228;usch, das er dabei macht und man sieht die Besatzung unter Deck lauschen. 

Die Intensit&#228;t, von der Helmut gesprochen hat, ist nicht prim&#228;r eine die dem Filmbild zuzuschreiben ist. Dasselbe Bild, ein anderer Ton oder andere Musik, und die Wirkung ist bei vielen Filmbildern eine andere. Ich gebe zu, dass das gegen manche Filmbilder spricht. In &quot;Spiel mir das Lied vom Tod&quot; ist das Mundharmonikaspiel ebenso zentrales filmisches Moment wie die Bilder, die Michael beschrieben hat. 

@Helmut: Noch ein paar Bemerkungen zum Filmbild. In meinem Verst&#228;ndnis soll es nichts abbilden, auch keine pipe/Pfeife. Der Gegenbegriff zur Abbildung hei&#223;t Darstellung. Im Medium Film wird etwas dargestellt, dessen Bedeutung und dessen Struktur nicht daran gemessen werden kann, in wieweit es identisch oder &#228;hnlich ist, mit dem, was das gefilmte Objekt ist. Das ist besonders augenf&#228;llig im pornografischen Film, um auf die Erotikdiskussion zu kommen. Der nackte K&#246;rper, der im Porno zu sehen ist, ist in extremen Ma&#223; aufbereitet und arrangiert, um im Film seine maximale Reizwirkung entfalten zu k&#246;nnen. Als blo&#223; abgefilmter w&#252;rde er i.d.R. mehr verdecken als zeigen.

@ Ewu: Andrej Tarkowskij vergleicht in seinen Schriften die einzelnen filmischen Mitteln mit kommunizierenden R&#246;hren. Sie stehen gleichberechtigt nebeneinander und, was wichtiger ist, der Begriff &quot;kommunizieren&quot; ist nicht symbolisch gemeint. Sie spielen zusammen wie die Instrumente in einem Orchester, wie eine Band, in der Motive und Improvisationen aufgenommen und weiter getragen werden. Dadurch entsteht eine Intensit&#228;t, die im Zuschauer eine Resonanz hervorruft, die ihn anr&#252;hrt. Ein Buch weckt anders und es ruft andere Resonanzen hervor. Deshalb mag es B&#252;cher geben, die nicht verfilmbar sind.

Vielleicht hat die Intensit&#228;t auch etwas damit zu tun, dass Filme oft gemeinsam angeschaut werden oder angeschaut werden k&#246;nnen.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>@ Michael: Bei &#8220;Moby Dick&#8221; war es die Kombination, um nicht zu sagen die Montage von Bild und Ton, die den bleibenden Eindruck verursacht haben. Zun&#228;chst sieht man, wie Ahab mit seinem Holzbein &#252;bers Deck wandert. Dann h&#246;rt man das Ger&#228;usch, das er dabei macht und man sieht die Besatzung unter Deck lauschen. </p>
<p>Die Intensit&#228;t, von der Helmut gesprochen hat, ist nicht prim&#228;r eine die dem Filmbild zuzuschreiben ist. Dasselbe Bild, ein anderer Ton oder andere Musik, und die Wirkung ist bei vielen Filmbildern eine andere. Ich gebe zu, dass das gegen manche Filmbilder spricht. In &#8220;Spiel mir das Lied vom Tod&#8221; ist das Mundharmonikaspiel ebenso zentrales filmisches Moment wie die Bilder, die Michael beschrieben hat. </p>
<p>@Helmut: Noch ein paar Bemerkungen zum Filmbild. In meinem Verst&#228;ndnis soll es nichts abbilden, auch keine pipe/Pfeife. Der Gegenbegriff zur Abbildung hei&#223;t Darstellung. Im Medium Film wird etwas dargestellt, dessen Bedeutung und dessen Struktur nicht daran gemessen werden kann, in wieweit es identisch oder &#228;hnlich ist, mit dem, was das gefilmte Objekt ist. Das ist besonders augenf&#228;llig im pornografischen Film, um auf die Erotikdiskussion zu kommen. Der nackte K&#246;rper, der im Porno zu sehen ist, ist in extremen Ma&#223; aufbereitet und arrangiert, um im Film seine maximale Reizwirkung entfalten zu k&#246;nnen. Als blo&#223; abgefilmter w&#252;rde er i.d.R. mehr verdecken als zeigen.</p>
<p>@ Ewu: Andrej Tarkowskij vergleicht in seinen Schriften die einzelnen filmischen Mitteln mit kommunizierenden R&#246;hren. Sie stehen gleichberechtigt nebeneinander und, was wichtiger ist, der Begriff &#8220;kommunizieren&#8221; ist nicht symbolisch gemeint. Sie spielen zusammen wie die Instrumente in einem Orchester, wie eine Band, in der Motive und Improvisationen aufgenommen und weiter getragen werden. Dadurch entsteht eine Intensit&#228;t, die im Zuschauer eine Resonanz hervorruft, die ihn anr&#252;hrt. Ein Buch weckt anders und es ruft andere Resonanzen hervor. Deshalb mag es B&#252;cher geben, die nicht verfilmbar sind.</p>
<p>Vielleicht hat die Intensit&#228;t auch etwas damit zu tun, dass Filme oft gemeinsam angeschaut werden oder angeschaut werden k&#246;nnen.</p>
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		<title>Von: Helmut</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2007/07/12/lesen/comment-page-1/#comment-6985</link>
		<dc:creator>Helmut</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Oct 2007 21:49:44 +0000</pubDate>
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		<description>((der allgegenw&#228;rtige Weichsch&#228;del))</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>((der allgegenw&#228;rtige Weichsch&#228;del))</p>
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		<title>Von: Helmut</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2007/07/12/lesen/comment-page-1/#comment-6984</link>
		<dc:creator>Helmut</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Oct 2007 21:47:21 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.eckfenster.de/wordpress/2007/07/12/lesen/#comment-6984</guid>
		<description>Ein starker Eindruck, das hei&#223;t doch wohl: Die Emotionalit&#228;t eines ´Bildes´. Das kann etwas &#252;berindividuelles sein - oder etwas doch mehr pers&#246;nliches: Warum spricht mich GERADE DIESES in besonderer Weise an? 
Ich h&#228;tte auch Beispiele. Als Kind sah ich zwei Filme, die mich enorm beeindruckt haben und mir nachgingen - im Grunde bis heute, da ich mich ihrer noch erinnere. Den einen hab ich verloren. Das hei&#223;t ich hab ihn nie mehr gesehen und wei&#223; nichts dar&#252;ber. Ich glaube es war ein schwarz-wei&#223;-Film. Es ging um einen Mann, der einen Hund hatte und der - warum wei&#223; ich nicht mehr - seinen Hund ers&#228;ufen musste. Er ging mit ihm in die Kneipe, bestellte einen Teller Suppe und stellte sie dem Hund hin.
Der andere begegnete mir viel sp&#228;ter wieder - ein merkw&#252;rdiger ´Fund´. Es war &quot;Mutter Krauses Fahrt ins Gl&#252;ck&quot;, im Grunde ein Propagandafilm. Darin braut sich eine alte, arme Frau nochmal einen mehr als starken Kaffee, bevor sie sich umbringt. 
Nimmt man nur diese beiden Beispiele, muss ich zu der Zeit vom Melodramatischen stark ansprechbar gewesen sein.
Eine ganz andere Szene, die ich echt gruselig fand - wor&#252;ber ich heute vermutlich lachen w&#252;rde, entstammt dem &quot;Tiger von Eschnapur&quot;. Es ist der Moment, als das Tor zur &quot;Unterwelt&quot; ge&#246;ffnet wird - und die darin verwahrten Kreaturen zuerst gar nicht reagieren, sie sind erstarrt, dann bewegen sie sich sehr langsam, wie in Zeitlupe - um schlie&#223;lich auf das Tor zuzust&#252;rmen, um in Freiheit zu gelangen.

Es geht um Intensit&#228;t, es geht um Emotionalit&#228;t.
Uwe sprach ja vom sich mitrei&#223;en lassen.

Der Satz von Piwitt ist so eine Sache: Mir scheint er nicht zu stimmen, bzw. von falschen Voraussetzungen auszugehen. Es kommt darauf an wie er es meint. Meint er es inhaltlich, ist es Unsinn. Meint er es anders, ist der Satz nicht bes. gl&#252;cklich gew&#228;hlt, finde ich.
Was Michael schrieb, ging vielleicht in eine &#228;hnliche Richtung. &quot;Zazie&quot; kenne ich, glaube ich, nicht. 
&quot;Moby Dick&quot; und &quot;Spiel mir das Lied vom Tod&quot; allerdings schon. Beides auch Filme, die mir etwas sagen, die mich aber zu unterschiedlichen Zeiten erwischt haben - das spielt ja auch eine Rolle. - WANN sieht man etwas in seiner Guck-Biographie. 
Einer der ersten Filme, die ich im Kino sah, war &quot;Little Big Man&quot; - keine schlechte Einf&#252;hrung in´s Kino.
Man k&#246;nnte nun im Austausch solcher Pathos-Bilder schwelgen und sich erinnern  - und dar&#252;ber die Frage vergessen, wie denn die Bilder oder der Text auf uns wirken. Wolf hat anhand des Tempo-Begriffs auf die ver&#228;nderte Wahrnehmung abgehoben, au&#223;erdem st&#246;rt ihn, dass der Film abbilden soll was er abbildet (sag ich mal polemisch). &#220;brigens k&#246;nnte man dem Verweis auf die Literatur nachgehen: Es gibt extrem alliptisch und parataktisch schreibende Autoren und es gibt solche, die einem immer die Physiognomie der Figur mitgeben m&#252;ssen, oder wie Proust S&#228;tze &#252;ber Seiten dehnen und dabei mehr als genau beschreiben. 
Heute hatte ich anl&#228;&#223;lich des Ausr&#228;umens einer privaten Bibliothek Anlass, dar&#252;ber nachzudenken, wie es sich eigentlich mit erotischer Literatur verh&#228;lt. K&#246;nnte das etwa kl&#228;ren helfen? Es gibt erotische B&#252;cher, deren einziges erotische Bild auf dem Cover zu sehen ist - und es gibt Erotik-Filme - was macht das eine, was bedient es - und was das andere?Oder zur&#252;ck zu Piwitts Satz: Passiert da nicht etwas v&#246;llig verschiedenes auf der einen und der andren Seite - und ist dieser Vergleich deswegen gar keiner?</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Ein starker Eindruck, das hei&#223;t doch wohl: Die Emotionalit&#228;t eines ´Bildes´. Das kann etwas &#252;berindividuelles sein &#8211; oder etwas doch mehr pers&#246;nliches: Warum spricht mich GERADE DIESES in besonderer Weise an?<br />
Ich h&#228;tte auch Beispiele. Als Kind sah ich zwei Filme, die mich enorm beeindruckt haben und mir nachgingen &#8211; im Grunde bis heute, da ich mich ihrer noch erinnere. Den einen hab ich verloren. Das hei&#223;t ich hab ihn nie mehr gesehen und wei&#223; nichts dar&#252;ber. Ich glaube es war ein schwarz-wei&#223;-Film. Es ging um einen Mann, der einen Hund hatte und der &#8211; warum wei&#223; ich nicht mehr &#8211; seinen Hund ers&#228;ufen musste. Er ging mit ihm in die Kneipe, bestellte einen Teller Suppe und stellte sie dem Hund hin.<br />
Der andere begegnete mir viel sp&#228;ter wieder &#8211; ein merkw&#252;rdiger ´Fund´. Es war &#8220;Mutter Krauses Fahrt ins Gl&#252;ck&#8221;, im Grunde ein Propagandafilm. Darin braut sich eine alte, arme Frau nochmal einen mehr als starken Kaffee, bevor sie sich umbringt.<br />
Nimmt man nur diese beiden Beispiele, muss ich zu der Zeit vom Melodramatischen stark ansprechbar gewesen sein.<br />
Eine ganz andere Szene, die ich echt gruselig fand &#8211; wor&#252;ber ich heute vermutlich lachen w&#252;rde, entstammt dem &#8220;Tiger von Eschnapur&#8221;. Es ist der Moment, als das Tor zur &#8220;Unterwelt&#8221; ge&#246;ffnet wird &#8211; und die darin verwahrten Kreaturen zuerst gar nicht reagieren, sie sind erstarrt, dann bewegen sie sich sehr langsam, wie in Zeitlupe &#8211; um schlie&#223;lich auf das Tor zuzust&#252;rmen, um in Freiheit zu gelangen.</p>
<p>Es geht um Intensit&#228;t, es geht um Emotionalit&#228;t.<br />
Uwe sprach ja vom sich mitrei&#223;en lassen.</p>
<p>Der Satz von Piwitt ist so eine Sache: Mir scheint er nicht zu stimmen, bzw. von falschen Voraussetzungen auszugehen. Es kommt darauf an wie er es meint. Meint er es inhaltlich, ist es Unsinn. Meint er es anders, ist der Satz nicht bes. gl&#252;cklich gew&#228;hlt, finde ich.<br />
Was Michael schrieb, ging vielleicht in eine &#228;hnliche Richtung. &#8220;Zazie&#8221; kenne ich, glaube ich, nicht.<br />
&#8220;Moby Dick&#8221; und &#8220;Spiel mir das Lied vom Tod&#8221; allerdings schon. Beides auch Filme, die mir etwas sagen, die mich aber zu unterschiedlichen Zeiten erwischt haben &#8211; das spielt ja auch eine Rolle. &#8211; WANN sieht man etwas in seiner Guck-Biographie.<br />
Einer der ersten Filme, die ich im Kino sah, war &#8220;Little Big Man&#8221; &#8211; keine schlechte Einf&#252;hrung in´s Kino.<br />
Man k&#246;nnte nun im Austausch solcher Pathos-Bilder schwelgen und sich erinnern  &#8211; und dar&#252;ber die Frage vergessen, wie denn die Bilder oder der Text auf uns wirken. Wolf hat anhand des Tempo-Begriffs auf die ver&#228;nderte Wahrnehmung abgehoben, au&#223;erdem st&#246;rt ihn, dass der Film abbilden soll was er abbildet (sag ich mal polemisch). &#220;brigens k&#246;nnte man dem Verweis auf die Literatur nachgehen: Es gibt extrem alliptisch und parataktisch schreibende Autoren und es gibt solche, die einem immer die Physiognomie der Figur mitgeben m&#252;ssen, oder wie Proust S&#228;tze &#252;ber Seiten dehnen und dabei mehr als genau beschreiben.<br />
Heute hatte ich anl&#228;&#223;lich des Ausr&#228;umens einer privaten Bibliothek Anlass, dar&#252;ber nachzudenken, wie es sich eigentlich mit erotischer Literatur verh&#228;lt. K&#246;nnte das etwa kl&#228;ren helfen? Es gibt erotische B&#252;cher, deren einziges erotische Bild auf dem Cover zu sehen ist &#8211; und es gibt Erotik-Filme &#8211; was macht das eine, was bedient es &#8211; und was das andere?Oder zur&#252;ck zu Piwitts Satz: Passiert da nicht etwas v&#246;llig verschiedenes auf der einen und der andren Seite &#8211; und ist dieser Vergleich deswegen gar keiner?</p>
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		<title>Von: MB</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2007/07/12/lesen/comment-page-1/#comment-6983</link>
		<dc:creator>MB</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Oct 2007 09:37:46 +0000</pubDate>
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		<description>Uwes j&#252;ngster &quot;Lausbubenstreich&quot; ruft mich auf den Plan, denn das Zitat ist sehr gut geeignet, um eine Differenzierung der Gattungen weiter vorzunehmen. Der Aussage von Piwitt w&#228;re wohl nur unter der Bedingung zuzustimmem, wenn man Filme als Eins-zu-eins-&#220;bersetzung eines Textes definieren w&#252;rde, aber das sind sie ja nicht. Auch schwingt in der Aussage sicher das alte Vorurteil mit, dass der Film den Betrachter, der zuvor ein Leser war, aus dem Paradies seiner inneren Assoziationen vertreibe und ihm die Bilder raube. Nat&#252;rlich gibt es Momente bei Literaturverfilmungen, bei denen man sich denkt &quot;Das h&#228;tte man jetzt anders machen m&#252;ssen oder k&#246;nnen&quot;. Es kommt ja auch immer darauf an, was aus der F&#252;lle des Textes in Szenen umgesetzt werden soll - Handlung, Gesichter, Interieurs oder Landschaften? Am besten nat&#252;rlich alles. Abr wenn einem bei einer Dostojewski-Verfilmung nur die Kullertr&#228;nen von Maria Schell und die Klangso&#223;e kitschiger Musik in Erinnerung bleibt, ist was schiefgelaufen.
Konkretes Beispiel f&#252;r eine m. E. gegl&#252;ckte Umsetzung, die aber keine &#220;bersetzung ist: Queneaus &quot;Zazie in der Metro&quot; ist ein &#252;bersprudelndes, sprachwitziges Buch (sicher, k&#246;nnte mal eine aktuellere &#220;bersetzung brauchen). Louis Malles Verfilmung, die ich k&#252;rzlich zum ersten Mal sah, ist ebenso funkenspr&#252;hend, aber mit filmischen Mitteln. Malle schafft etwas Neues, man k&#228;me nicht auf die Idee, dass man das Gesehene in Literatur umsetzen k&#246;nnte. Und doch gab es ja vorher das Buch...
Anderes Beispiel, etwas skeptischer, &quot;Spiel mir das Lied vom Tod&quot;, einer meiner Liblingsfilme. Beim ersten Sehen haben sich Bilder eingebrannt, die ich bei der Lekt&#252;re eines entsprechendnen Buches vor dem inneren Auge nie so &quot;gesehen&quot; h&#228;tte. Ich denke da an das melancholische L&#228;cheln von Henry Fonda, als er den kleinen Jungen abknallt. Das wirkt noch beim wiederholten Anschauen des Films (wie Helmut sagt, bleiben h&#228;ufig die unangenehmen Bilder besonders stark in Erinnerung). Aber z.B. auch die Szene, als der schurkige Eisenbahnunternehmer vor dem Gem&#228;lde mit dem Pazifik einem sehnsuchtsvollen, kurzen Tagtraum verf&#228;llt und sich das Meer als Ziel seines Unternehmens real vorstellt. Der gequ&#228;lte, sehnende Blick in der &#220;berblendung mit der Meereszsene schafft bei mir ein Neues, l&#246;st wieder etwas aus, eine Kette von Assoziationen, die kulturell &#252;berformt sind: das Meer als Symbol f&#252;r Seelenruhe, f&#252;r Unfassbares, aber auch f&#252;r den Tod. Interessant ist, dass diese Konnotationen sicher durch Texte gepr&#228;gt sind.
In diesem Kontext w&#252;rde mich noch interessieren, ob bei Wolf-Dieter diese ihn so lange besch&#228;ftigende Szene aus dem Moby-Dick-Film durch das Bild oder eher durch den Text so einpr&#228;gsam wurde. Oder war es die Kombination aus dem Bild und dem Text?</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Uwes j&#252;ngster &#8220;Lausbubenstreich&#8221; ruft mich auf den Plan, denn das Zitat ist sehr gut geeignet, um eine Differenzierung der Gattungen weiter vorzunehmen. Der Aussage von Piwitt w&#228;re wohl nur unter der Bedingung zuzustimmem, wenn man Filme als Eins-zu-eins-&#220;bersetzung eines Textes definieren w&#252;rde, aber das sind sie ja nicht. Auch schwingt in der Aussage sicher das alte Vorurteil mit, dass der Film den Betrachter, der zuvor ein Leser war, aus dem Paradies seiner inneren Assoziationen vertreibe und ihm die Bilder raube. Nat&#252;rlich gibt es Momente bei Literaturverfilmungen, bei denen man sich denkt &#8220;Das h&#228;tte man jetzt anders machen m&#252;ssen oder k&#246;nnen&#8221;. Es kommt ja auch immer darauf an, was aus der F&#252;lle des Textes in Szenen umgesetzt werden soll &#8211; Handlung, Gesichter, Interieurs oder Landschaften? Am besten nat&#252;rlich alles. Abr wenn einem bei einer Dostojewski-Verfilmung nur die Kullertr&#228;nen von Maria Schell und die Klangso&#223;e kitschiger Musik in Erinnerung bleibt, ist was schiefgelaufen.<br />
Konkretes Beispiel f&#252;r eine m. E. gegl&#252;ckte Umsetzung, die aber keine &#220;bersetzung ist: Queneaus &#8220;Zazie in der Metro&#8221; ist ein &#252;bersprudelndes, sprachwitziges Buch (sicher, k&#246;nnte mal eine aktuellere &#220;bersetzung brauchen). Louis Malles Verfilmung, die ich k&#252;rzlich zum ersten Mal sah, ist ebenso funkenspr&#252;hend, aber mit filmischen Mitteln. Malle schafft etwas Neues, man k&#228;me nicht auf die Idee, dass man das Gesehene in Literatur umsetzen k&#246;nnte. Und doch gab es ja vorher das Buch&#8230;<br />
Anderes Beispiel, etwas skeptischer, &#8220;Spiel mir das Lied vom Tod&#8221;, einer meiner Liblingsfilme. Beim ersten Sehen haben sich Bilder eingebrannt, die ich bei der Lekt&#252;re eines entsprechendnen Buches vor dem inneren Auge nie so &#8220;gesehen&#8221; h&#228;tte. Ich denke da an das melancholische L&#228;cheln von Henry Fonda, als er den kleinen Jungen abknallt. Das wirkt noch beim wiederholten Anschauen des Films (wie Helmut sagt, bleiben h&#228;ufig die unangenehmen Bilder besonders stark in Erinnerung). Aber z.B. auch die Szene, als der schurkige Eisenbahnunternehmer vor dem Gem&#228;lde mit dem Pazifik einem sehnsuchtsvollen, kurzen Tagtraum verf&#228;llt und sich das Meer als Ziel seines Unternehmens real vorstellt. Der gequ&#228;lte, sehnende Blick in der &#220;berblendung mit der Meereszsene schafft bei mir ein Neues, l&#246;st wieder etwas aus, eine Kette von Assoziationen, die kulturell &#252;berformt sind: das Meer als Symbol f&#252;r Seelenruhe, f&#252;r Unfassbares, aber auch f&#252;r den Tod. Interessant ist, dass diese Konnotationen sicher durch Texte gepr&#228;gt sind.<br />
In diesem Kontext w&#252;rde mich noch interessieren, ob bei Wolf-Dieter diese ihn so lange besch&#228;ftigende Szene aus dem Moby-Dick-Film durch das Bild oder eher durch den Text so einpr&#228;gsam wurde. Oder war es die Kombination aus dem Bild und dem Text?</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Von: ewu simpel</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2007/07/12/lesen/comment-page-1/#comment-6982</link>
		<dc:creator>ewu simpel</dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Oct 2007 10:36:02 +0000</pubDate>
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		<description>komisch,
auch ich habe den weischedel in meiner jugend gelesen. wie kommt das? ich habe &#228;hnliche erfahrungen wie ihr mit ihm gemacht. erste &quot;finger&#252;bungen&quot; im philosophischen denken, in einer sprache, die nicht so begriffsschwer daherkommt. als einstieg durchaus geeignet.

das mit dem euphorischen lesen in der kindheit und jugend ist wirklich spannend. meine eigene lesebiographie beginnt erst mit etwa 15 oder 16 jahren. zuvor war ich motoriker und lausbub, kannte das leben zwischen zwei buchdeckeln &#252;berhaupt nicht. das lesen begann erst mit 15 oder 16 und l&#246;ste eine veritable adoleszenzkrise aus, die sich bis in die mittzwanziger meines lebens hinzog. was ich davon in erinnerung habe ist mit dem von euch beschriebenen vergleichbar. ein lesen, das einen sich selbst und seine um-welt fremd und zugleich vertrauter werden lie&#223;. ein lesen, bei dem man in eine fremde welt abtauchte und mit dem gef&#252;hl, beschenkt und in gewisser weise erweitert worden zu sein, wieder auftauchte.

war es beim lesen das innenleben der figuren , ihre gedanken und ideen, die bei mir z&#252;ndeten, so waren es bei den filmen in meiner jugend die rollenbilder, die verhaltensmuster der &quot;helden&quot;, die mich faszinierten. aber auch dialogzeilen und filmeinstellungen, ganz allgemein bilder pr&#228;gten sich mir ein und blieben im ged&#228;chtnis erhalten, bilder, oftmals so obskur, da&#223; mir bis heute worte daf&#252;r zu fehlen scheinen. auch sind sie nicht immer abrufbar, tauchen nur bei bestimmten gelegenheiten wieder auf, werden erinnert aus einem aktuellen anla&#223;. interessanterweise gab es sogar eine korrespondenz zwischen den b&#252;chern und den filmen meiner jugend: ich las die existentialisten um sartre und camus, und war von der nouvelle vague oder dem film noir angetan (die ich vor allem im fernsehen sah). vergleichbar war die intensit&#228;t des eindrucks: vielleicht war die gehirnmasse noch weicher und empf&#228;nglicher f&#252;r die &quot;pa&#223;formen&quot; der b&#252;cher und filme. jedenfalls lies ich mich leichter und unbek&#252;mmerter mitrei&#223;en, mitnehmen auf eine reise, mehr emotional ansprechen. auch war die bereitschaft zur identifikation gr&#246;&#223;er: die lust auszubrechen aus dem, was einen tagt&#228;glich bestimmte. das wiederherzustellen, ist unm&#246;glich, da habt ihr recht. aber unterbewu&#223;t bleibt die sehnsucht nach einer solchen intensit&#228;t der &#228;sthetischen erfahrung, denn davon sprechen wir doch, auch bei meinen heutigen lese- und filmreisen t&#228;tig.

und zuletzt, ein neuer gedanke, provokativ und bewu&#223;t verk&#252;rzt mit hilfe von hans peter piwitt formuliert:
&quot;lesenwert bleibt und wird bleiben, was nicht verfilmbar ist.&quot; (piwitt, steinzeit, s.8) 
gibt es das, etwas unverfilmbares und was w&#228;re es? k&#246;nnte man das zitat auch umkehren und wie w&#252;rde diese umkehrung lauten?
mit mb sollten wir also danach fragen, was das je eigene medium ausmacht, um vielleicht noch genauer deren wirkweisen unterscheiden oder auch vergleichen zu k&#246;nnen.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>komisch,<br />
auch ich habe den weischedel in meiner jugend gelesen. wie kommt das? ich habe &#228;hnliche erfahrungen wie ihr mit ihm gemacht. erste &#8220;finger&#252;bungen&#8221; im philosophischen denken, in einer sprache, die nicht so begriffsschwer daherkommt. als einstieg durchaus geeignet.</p>
<p>das mit dem euphorischen lesen in der kindheit und jugend ist wirklich spannend. meine eigene lesebiographie beginnt erst mit etwa 15 oder 16 jahren. zuvor war ich motoriker und lausbub, kannte das leben zwischen zwei buchdeckeln &#252;berhaupt nicht. das lesen begann erst mit 15 oder 16 und l&#246;ste eine veritable adoleszenzkrise aus, die sich bis in die mittzwanziger meines lebens hinzog. was ich davon in erinnerung habe ist mit dem von euch beschriebenen vergleichbar. ein lesen, das einen sich selbst und seine um-welt fremd und zugleich vertrauter werden lie&#223;. ein lesen, bei dem man in eine fremde welt abtauchte und mit dem gef&#252;hl, beschenkt und in gewisser weise erweitert worden zu sein, wieder auftauchte.</p>
<p>war es beim lesen das innenleben der figuren , ihre gedanken und ideen, die bei mir z&#252;ndeten, so waren es bei den filmen in meiner jugend die rollenbilder, die verhaltensmuster der &#8220;helden&#8221;, die mich faszinierten. aber auch dialogzeilen und filmeinstellungen, ganz allgemein bilder pr&#228;gten sich mir ein und blieben im ged&#228;chtnis erhalten, bilder, oftmals so obskur, da&#223; mir bis heute worte daf&#252;r zu fehlen scheinen. auch sind sie nicht immer abrufbar, tauchen nur bei bestimmten gelegenheiten wieder auf, werden erinnert aus einem aktuellen anla&#223;. interessanterweise gab es sogar eine korrespondenz zwischen den b&#252;chern und den filmen meiner jugend: ich las die existentialisten um sartre und camus, und war von der nouvelle vague oder dem film noir angetan (die ich vor allem im fernsehen sah). vergleichbar war die intensit&#228;t des eindrucks: vielleicht war die gehirnmasse noch weicher und empf&#228;nglicher f&#252;r die &#8220;pa&#223;formen&#8221; der b&#252;cher und filme. jedenfalls lies ich mich leichter und unbek&#252;mmerter mitrei&#223;en, mitnehmen auf eine reise, mehr emotional ansprechen. auch war die bereitschaft zur identifikation gr&#246;&#223;er: die lust auszubrechen aus dem, was einen tagt&#228;glich bestimmte. das wiederherzustellen, ist unm&#246;glich, da habt ihr recht. aber unterbewu&#223;t bleibt die sehnsucht nach einer solchen intensit&#228;t der &#228;sthetischen erfahrung, denn davon sprechen wir doch, auch bei meinen heutigen lese- und filmreisen t&#228;tig.</p>
<p>und zuletzt, ein neuer gedanke, provokativ und bewu&#223;t verk&#252;rzt mit hilfe von hans peter piwitt formuliert:<br />
&#8220;lesenwert bleibt und wird bleiben, was nicht verfilmbar ist.&#8221; (piwitt, steinzeit, s.8)<br />
gibt es das, etwas unverfilmbares und was w&#228;re es? k&#246;nnte man das zitat auch umkehren und wie w&#252;rde diese umkehrung lauten?<br />
mit mb sollten wir also danach fragen, was das je eigene medium ausmacht, um vielleicht noch genauer deren wirkweisen unterscheiden oder auch vergleichen zu k&#246;nnen.</p>
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		<title>Von: wolf-dieter</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2007/07/12/lesen/comment-page-1/#comment-6980</link>
		<dc:creator>wolf-dieter</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Oct 2007 14:50:30 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.eckfenster.de/wordpress/2007/07/12/lesen/#comment-6980</guid>
		<description>Ich habe den &quot;Weischedel&quot; auch in der Schule gelesen und fand ihn damals nicht schlecht. Heute geht es mir &#228;hnlich wie Michael mit dem Buch. Aber was davon geblieben ist, ist die Idee eines anderen Zugangs zur Philosophie. Die Hintertreppe ist nicht der K&#246;nigsweg, aber manchmal macht man Entdeckungen, die einem entgehen, wenn man durch den Haupteingang kommt. F&#252;r heute hei&#223;t das: Keine Sehnsucht nach fr&#252;her (Leseerfahrung), aber versuchen, die Augen offen zu halten.
Helmut hat die offenen Augen als ausreichende Bedingungen genannt, um Filme zu gucken. Das trifft sicherlich in den sp&#228;ten Abendstunden zu, wenn man auf dem Sofa liegt. Allein, es reicht nicht aus, um differenzierte Filmerfahrungen zu machen. Aber es gen&#252;gt, damit Filmbilder eindringlich wirken, auch &#252;ber die Jugendzeit hinaus. 

&quot;Moby Dick&quot; ist ein Film, der mich als Jugendlicher nachhaltig beeindruckt hat. Es gibt einzelne Bilder, an die ich mich lange Zeit spontan und immer wieder erinnert habe, etwa wenn Ahab nachts mit seinem Holzbein &#252;bers Deck wandelt. Und vor allem die Szene, wenn er auf sein Bett blickt und die denkw&#252;rdigen Worte spricht: &quot;Das Bett ist ein Sarg, das Bettuch ist ein Leichentuch.&quot; - Sie haben mich bei so manchem Versuch, schnell einzuschlafen, begleitet.

Wirken diese beiden Szenen deshalb so nachhaltig, weil sie so konkret sind? Ja, das auch. Aber durch die konkrete Beobachtung hindurch entstehen auch Spielr&#228;ume f&#252;r Interpretationen, die sich nicht indem ersch&#246;pfen, was der Film an seiner Oberfl&#228;che zeigt.

Noch eine allgemeine Bemerkung: Hier ist oft die Rede vom Tempo, das der Film vorlegt. Gemeint ist wahrscheinlich, dass die Einstellungen k&#252;rzer und ihre Abfolgen schneller werden. Vielleicht geht es auch um den zunehmenden Einsatz von Einstellungen, die mit einer Handkamera gedreht sind. Das sind f&#252;r das Hollywoodkino u.&#228;. treffende Beobachtungen.  Aber geht es im Film darum, jede Einzelheit zu erfassen, soll das Filmbild abbilden, was es zeigt? Und: W&#252;rde man eine solche Vorstellung mit B&#252;chern verbinden? Soll der Buchautor alles haarklein beschreiben? Beschreibt diese schnelle Abfolge vielleicht eine ver&#228;nderte Wahrnehmung, die gerade nicht auf das Einzelne als das Besondere zielt?</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Ich habe den &#8220;Weischedel&#8221; auch in der Schule gelesen und fand ihn damals nicht schlecht. Heute geht es mir &#228;hnlich wie Michael mit dem Buch. Aber was davon geblieben ist, ist die Idee eines anderen Zugangs zur Philosophie. Die Hintertreppe ist nicht der K&#246;nigsweg, aber manchmal macht man Entdeckungen, die einem entgehen, wenn man durch den Haupteingang kommt. F&#252;r heute hei&#223;t das: Keine Sehnsucht nach fr&#252;her (Leseerfahrung), aber versuchen, die Augen offen zu halten.<br />
Helmut hat die offenen Augen als ausreichende Bedingungen genannt, um Filme zu gucken. Das trifft sicherlich in den sp&#228;ten Abendstunden zu, wenn man auf dem Sofa liegt. Allein, es reicht nicht aus, um differenzierte Filmerfahrungen zu machen. Aber es gen&#252;gt, damit Filmbilder eindringlich wirken, auch &#252;ber die Jugendzeit hinaus. </p>
<p>&#8220;Moby Dick&#8221; ist ein Film, der mich als Jugendlicher nachhaltig beeindruckt hat. Es gibt einzelne Bilder, an die ich mich lange Zeit spontan und immer wieder erinnert habe, etwa wenn Ahab nachts mit seinem Holzbein &#252;bers Deck wandelt. Und vor allem die Szene, wenn er auf sein Bett blickt und die denkw&#252;rdigen Worte spricht: &#8220;Das Bett ist ein Sarg, das Bettuch ist ein Leichentuch.&#8221; &#8211; Sie haben mich bei so manchem Versuch, schnell einzuschlafen, begleitet.</p>
<p>Wirken diese beiden Szenen deshalb so nachhaltig, weil sie so konkret sind? Ja, das auch. Aber durch die konkrete Beobachtung hindurch entstehen auch Spielr&#228;ume f&#252;r Interpretationen, die sich nicht indem ersch&#246;pfen, was der Film an seiner Oberfl&#228;che zeigt.</p>
<p>Noch eine allgemeine Bemerkung: Hier ist oft die Rede vom Tempo, das der Film vorlegt. Gemeint ist wahrscheinlich, dass die Einstellungen k&#252;rzer und ihre Abfolgen schneller werden. Vielleicht geht es auch um den zunehmenden Einsatz von Einstellungen, die mit einer Handkamera gedreht sind. Das sind f&#252;r das Hollywoodkino u.&#228;. treffende Beobachtungen.  Aber geht es im Film darum, jede Einzelheit zu erfassen, soll das Filmbild abbilden, was es zeigt? Und: W&#252;rde man eine solche Vorstellung mit B&#252;chern verbinden? Soll der Buchautor alles haarklein beschreiben? Beschreibt diese schnelle Abfolge vielleicht eine ver&#228;nderte Wahrnehmung, die gerade nicht auf das Einzelne als das Besondere zielt?</p>
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	<item>
		<title>Von: Helmut</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2007/07/12/lesen/comment-page-1/#comment-6979</link>
		<dc:creator>Helmut</dc:creator>
		<pubDate>Sat, 13 Oct 2007 20:25:23 +0000</pubDate>
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		<description>Ach na ja, nur nicht so empf&#252;ndlich - wer austeilt, muss auch einstecken k&#246;nnen, oder?! ABER: SO polemisch war meine Replik ja nun wirklich nicht, das s&#228;he GANZ anders aus. Und &#252;berhaupt: Hast Du was dagegen mit ´deutsch´ in Verbindung gebracht zu werden?! Wo ist denn da die Keule? Aber gut, Du komst mit einem anderen Thema, und einem konkreten, sch&#246;n:
Weischedel spielte in meiner jugendlichen Lesebiographie auch eine Rolle, allerdings eine sehr viel bescheidenere. Und wir hatten uns schon als Sch&#252;ler Gedanken gemacht, inwiefern dieses Buch zitierf&#228;hig ist - unser Philosophielehrer bejahte das allerdings. Uns war er etwas zu einfach, zu klar, zu zusamenfassend.
Ich habe mich an manchem entz&#252;ndet - je nach Alter. 
Ich habe, ich stehe dazu, eine intensive Hesse-Phase gehabt, aber vielleicht war das Buch, das eine &#228;hnliche Rolle wie der Weischedel bei Dir spielte, bei mir Camus´ &quot;Der Mythos von Sysiphos&quot;, ein harter Brocken in diesem Alter (und vielleicht sp&#228;ter auch noch?!).
Was Du ansprichst, die Erfahrung der Erweiterung der (eigenen, kleinen) Welt, des eigenen Blicks und Denkens, das kann man mit diesem oder jenem Buch erleben, wichtig ist, dass man es erlebt. - Und vielleicht ist das, Deine Argumentation geht ja auch in diese Richtung, eine buchspezifische Erfahrung, also eine, die man mit Filmen SO nicht macht, nicht machen kann?
Mein Eindruck ist schon, dass man dem ein St&#252;ck weit nachh&#228;ngt, was hei&#223;t, dass man etwas verloren hat. - Nicht alles, und man hat viel dazugelernt, liest viel reifer, mit viel mehr Hintergrund usw. - aber die Intensit&#228;t ist eine andere. 
Und vermutlich kommen erwachsene Leseerfahrungen nur noch in die N&#228;he einer solchen Intensit&#228;t.  
Wo man am ehesten noch solche Erfahrungen machen kann? Um es allg. zu sagen: Mit B&#252;chern, die Innerstes ber&#252;hren, die im Augenblick wie f&#252;r einen selbst geschrieben scheinen. 
Aber mit diesem jungen Lesen geht es uns wohl wie mit der Kindheit &#252;berhaupt. Da ist etwas, das war - und wir bemerkten es - notgedrungen - erst, als es vorbei war, und dann hinterlie&#223; es eine nicht mehr wirklich f&#252;llbare L&#252;cke. Jean Paul hat sehr h&#252;bsch und sehr gescheit dar&#252;ber geschrieben.
K&#246;nnte man das so zusammenfassen, dass B&#252;cher halt doch n&#228;here Verbindung zu Wissen und Denken (...) haben als Filme? Oder gibt es jemanden, der dagegen argumentieren kann und will?  
Andererseits gibt es auch fr&#252;he Filme in der Guck-Biographie - und die werdeen auch anders wahrgenommen worden sein, als die die wir heute sehen: Abgebr&#252;ht, zynisch geworden, durch nichts mehr richtig zu schocken. -  Und das ist vielleicht ein Effekt, der bei B&#252;chern anders stattfindet?!</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Ach na ja, nur nicht so empf&#252;ndlich &#8211; wer austeilt, muss auch einstecken k&#246;nnen, oder?! ABER: SO polemisch war meine Replik ja nun wirklich nicht, das s&#228;he GANZ anders aus. Und &#252;berhaupt: Hast Du was dagegen mit ´deutsch´ in Verbindung gebracht zu werden?! Wo ist denn da die Keule? Aber gut, Du komst mit einem anderen Thema, und einem konkreten, sch&#246;n:<br />
Weischedel spielte in meiner jugendlichen Lesebiographie auch eine Rolle, allerdings eine sehr viel bescheidenere. Und wir hatten uns schon als Sch&#252;ler Gedanken gemacht, inwiefern dieses Buch zitierf&#228;hig ist &#8211; unser Philosophielehrer bejahte das allerdings. Uns war er etwas zu einfach, zu klar, zu zusamenfassend.<br />
Ich habe mich an manchem entz&#252;ndet &#8211; je nach Alter.<br />
Ich habe, ich stehe dazu, eine intensive Hesse-Phase gehabt, aber vielleicht war das Buch, das eine &#228;hnliche Rolle wie der Weischedel bei Dir spielte, bei mir Camus´ &#8220;Der Mythos von Sysiphos&#8221;, ein harter Brocken in diesem Alter (und vielleicht sp&#228;ter auch noch?!).<br />
Was Du ansprichst, die Erfahrung der Erweiterung der (eigenen, kleinen) Welt, des eigenen Blicks und Denkens, das kann man mit diesem oder jenem Buch erleben, wichtig ist, dass man es erlebt. &#8211; Und vielleicht ist das, Deine Argumentation geht ja auch in diese Richtung, eine buchspezifische Erfahrung, also eine, die man mit Filmen SO nicht macht, nicht machen kann?<br />
Mein Eindruck ist schon, dass man dem ein St&#252;ck weit nachh&#228;ngt, was hei&#223;t, dass man etwas verloren hat. &#8211; Nicht alles, und man hat viel dazugelernt, liest viel reifer, mit viel mehr Hintergrund usw. &#8211; aber die Intensit&#228;t ist eine andere.<br />
Und vermutlich kommen erwachsene Leseerfahrungen nur noch in die N&#228;he einer solchen Intensit&#228;t.<br />
Wo man am ehesten noch solche Erfahrungen machen kann? Um es allg. zu sagen: Mit B&#252;chern, die Innerstes ber&#252;hren, die im Augenblick wie f&#252;r einen selbst geschrieben scheinen.<br />
Aber mit diesem jungen Lesen geht es uns wohl wie mit der Kindheit &#252;berhaupt. Da ist etwas, das war &#8211; und wir bemerkten es &#8211; notgedrungen &#8211; erst, als es vorbei war, und dann hinterlie&#223; es eine nicht mehr wirklich f&#252;llbare L&#252;cke. Jean Paul hat sehr h&#252;bsch und sehr gescheit dar&#252;ber geschrieben.<br />
K&#246;nnte man das so zusammenfassen, dass B&#252;cher halt doch n&#228;here Verbindung zu Wissen und Denken (&#8230;) haben als Filme? Oder gibt es jemanden, der dagegen argumentieren kann und will?<br />
Andererseits gibt es auch fr&#252;he Filme in der Guck-Biographie &#8211; und die werdeen auch anders wahrgenommen worden sein, als die die wir heute sehen: Abgebr&#252;ht, zynisch geworden, durch nichts mehr richtig zu schocken. &#8211;  Und das ist vielleicht ein Effekt, der bei B&#252;chern anders stattfindet?!</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Von: MB</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2007/07/12/lesen/comment-page-1/#comment-6978</link>
		<dc:creator>MB</dc:creator>
		<pubDate>Fri, 12 Oct 2007 19:17:55 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.eckfenster.de/wordpress/2007/07/12/lesen/#comment-6978</guid>
		<description>Tja, es ist ja inzwischen auch deutsche Eigenart geworden, jemanden mit der Keule &quot;Das ist typisch deutsche Eigenart&quot; zu bedr&#228;ngen... Aber lassen wir diesen Diskurs mal beiseite. Mir schwante schon, dass meine gestrige polemische Einleitung Gegenpolemik ausl&#246;st. Und darum ging es mir ja eigentlich gar nicht. Ich k&#246;nnte bei meinem Vorschlag, Filme nicht mit B&#252;chern zu vergleichen, mit Derrida argumentieren, der mal gefordert hat, dass man die spezifischen Eigenheiten einer Gattung oder eines Mediums f&#252;r sich berausarbeiten und betrachten solle. Aber eben: keine Abhandlungen.
Dem Wunsch nach Konkretion will ich gerne nachkommen. Als Jugendlicher hat mich Weischedels &quot;Philosophische Hintertreppe&quot; ENORM begeistert. Nichts mit Bildern, auch - scheint mir - nichts mit Innenr&#228;umen, sondern stattdessen: ein Heraustreten, eine Befreiung, ein Modell, bestimmte Fragen immer wieder neu und anders zu denken, das Kaleidoskop zu sch&#252;tteln und etwas Neues zu beatunen. Das Buch kann heute keinem Uniseminar gen&#252;gen (auch damals nicht), daf&#252;r ist es auch nicht geschrieben worden. Es wendet sich an den jugendlichen Leser, der mit ihm ein Werkzeug der Denk-Befreiung in die Hand bekommt. Als pubertierender Jugendlicher habe ich das jedenfalls so empfunden. Mit einem Klassenkameraden, der das Buch ebenfalls gelesen hatte, f&#252;hrte ich immer wieder Diskussionen um die Inhalte des Buches - wie f&#252;hlten wir uns klug und bereichert. So eine j&#228;he Erweiterung des Denkhorizonts  hatte uns kein Lehrer vermitteln k&#246;nnen. Das geht, glaube ich, mit Filmen nicht. Und vielleicht geht es in der Intensit&#228;t auch nur in der Jugend, wenn man ausbrechen will.
Viele Fragen k&#246;nnte ich (auch mir) jetzt stellen: Versuchen wir als Erwachsene, diesen Zustand der euphorischen Lekt&#252;re zur&#252;ckzugewinnen (was bedeuten m&#252;sste, dass wir ihn verloren h&#228;tten)? Erleben wir diesen Zustand bisweilen noch?  Wenn ja, wie m&#252;ssen diese B&#252;cher sein?</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Tja, es ist ja inzwischen auch deutsche Eigenart geworden, jemanden mit der Keule &#8220;Das ist typisch deutsche Eigenart&#8221; zu bedr&#228;ngen&#8230; Aber lassen wir diesen Diskurs mal beiseite. Mir schwante schon, dass meine gestrige polemische Einleitung Gegenpolemik ausl&#246;st. Und darum ging es mir ja eigentlich gar nicht. Ich k&#246;nnte bei meinem Vorschlag, Filme nicht mit B&#252;chern zu vergleichen, mit Derrida argumentieren, der mal gefordert hat, dass man die spezifischen Eigenheiten einer Gattung oder eines Mediums f&#252;r sich berausarbeiten und betrachten solle. Aber eben: keine Abhandlungen.<br />
Dem Wunsch nach Konkretion will ich gerne nachkommen. Als Jugendlicher hat mich Weischedels &#8220;Philosophische Hintertreppe&#8221; ENORM begeistert. Nichts mit Bildern, auch &#8211; scheint mir &#8211; nichts mit Innenr&#228;umen, sondern stattdessen: ein Heraustreten, eine Befreiung, ein Modell, bestimmte Fragen immer wieder neu und anders zu denken, das Kaleidoskop zu sch&#252;tteln und etwas Neues zu beatunen. Das Buch kann heute keinem Uniseminar gen&#252;gen (auch damals nicht), daf&#252;r ist es auch nicht geschrieben worden. Es wendet sich an den jugendlichen Leser, der mit ihm ein Werkzeug der Denk-Befreiung in die Hand bekommt. Als pubertierender Jugendlicher habe ich das jedenfalls so empfunden. Mit einem Klassenkameraden, der das Buch ebenfalls gelesen hatte, f&#252;hrte ich immer wieder Diskussionen um die Inhalte des Buches &#8211; wie f&#252;hlten wir uns klug und bereichert. So eine j&#228;he Erweiterung des Denkhorizonts  hatte uns kein Lehrer vermitteln k&#246;nnen. Das geht, glaube ich, mit Filmen nicht. Und vielleicht geht es in der Intensit&#228;t auch nur in der Jugend, wenn man ausbrechen will.<br />
Viele Fragen k&#246;nnte ich (auch mir) jetzt stellen: Versuchen wir als Erwachsene, diesen Zustand der euphorischen Lekt&#252;re zur&#252;ckzugewinnen (was bedeuten m&#252;sste, dass wir ihn verloren h&#228;tten)? Erleben wir diesen Zustand bisweilen noch?  Wenn ja, wie m&#252;ssen diese B&#252;cher sein?</p>
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