Sarah Challis: “Wüstenherz”
September 23rd, 2007Sarah Challis: “Wüstenherz”, aus dem Englischen von Nina Scheweling und Michael Windgassen, Reinbek bei Hamburg, dritte Auflage 2006, 384 S., 8,95.-
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Vor ein paar Tagen war ich in einer Buchhandlung, die ich noch nicht kannte. Ich suchte ein Buch für meine Tochter, zum 13. Geburtstag. Das Regal mit den in Frage kommenden Büchern war für meine Begriffe schwach besetzt.
Es war nicht besonders groß und im Wesentlichen mit Phantasy-Literatur bestückt. Ich fragte bei der Verkäuferin nach. Sie schlug mir zwei, drei Bücher vor, für die ich mich jedoch nicht erwärmen konnte. Und hörte von ihr zu meinem Erstaunen das Statement, dass das Jugendbuch eine aussterbende Gattung sei. Dann meinte sie, mit 13 könnte man als ambitionierte Leserin auch bereits Bücher für Erwachsene lesen, sie würde einige solcher Fälle kennen. Wir wechselten den Raum und ich bekam zwei Bücher ausführlich vorgestellt. Beide hätte ich nehmen können, eins davon kaufte ich, nämlich “Wüstenherz”. Ich nahm es u.a. wegen des Themas, denn die Adressatin des Buches wird in den Herbstferien nach Marokko fliegen.
Trotzdem war ich nicht ganz sicher und auch neugierig, ich las die ersten Sätze – und weiter bis S. 150. In ein paar Tagen hatte ich es ohne jede Anstrengung durchgelesen.
Sicher, nicht das was man ´große Literatur´ nennt. Aber ich hatte mich abends darauf gefreut, und als ich durch war, hinterließ es ein kleines Loch: Zu was jetzt greifen? Und es arbeitete in mir weiter, über den Tag fiel es mir immer mal wieder ein.
Auf der anderen Seite fiele Kritik nicht schwer. Nur hatte ich gar keine rechte Lust, den gewesenen Lesespaß und die gute Unterhaltung im Nachhinein kritisch zu demontieren. Vielleicht wäre es auch allzu leicht.
Erwähnt werden sollen aber einige (wie immer: ärgerliche) Fehler:
S. 221: “Orxy-Antilopen” gibt es nicht. Wenn jemand als Kind ein paar Tierfilme im Fernsehen gesehen hat, dann weiß er, dass die Tierchen “Oryx” heißen.
S. 233: “Maschinengewehr”: Das liest man oft – und meistens stimmt es nicht, in der Regel sind Maschinenpistolen gemeint, so auch hier.
S. 234: “Bugsprit”: Nein, es handelt sich nicht um eine obskure Treibstoffart, gemeint ist der Bugspriet an einem Schiff.
S. 279: Da ist von lauten Vibrationen die Rede – sind Vibrationen LAUT?
S. 321: Das Dauerärgernis der letzten Zeit: “das” und “dass” werden nicht richtig benutzt.
Vielleicht abschließend doch ein allgemeiner kritischer Punkt:
Die Zufälle!
Zu nahtlos geht das ineinander, das Unwahrscheinlichste geschieht.
Das kann man wohl mit Fug und Recht Kitsch oder auf dem Weg zu ihm nennen. Gewissermaßen struktureller Kitsch. Alles fügt sich, das Leben als Puzzle.
So geht´s, meiner Meinung nach, nicht.
Man muss sich im Klaren sein:
Ohne diese wundersamen Fügungen, die realiter nie passieren würden, ohne diese Auflösungen und Koinzidenzien würde sich ein ganz anderes Buch ergeben. Ergeben müssen. Es könnte spannend sein, manches Werk einmal daraufhin zu prüfen.
Denn mit diesen Zufällen, mit der Indienstname des Zufallsprinzips, schreibt man sich eine bessere Welt zurecht. Man macht sie folgerichtiger, schöner, kleiner, vielleicht gar gerechter als sie wirklich ist.
Das mag ein gutes Recht der Literatur sein und es ist auch nicht gesagt, dass die vermeintlich ´große´ Literatur ganz frei davon ist – vielleicht sucht der Leser ja (zu Recht) Trost angesichts der ungerecht-chaotischen Welt? – aber übertreiben darf man es damit nicht, und es nicht zum Stilprinzip erheben.
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