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	<title>Kommentare zu: Anatole Broyard: &#8220;Verr&#252;ckt nach Kafka. Erinnerungen an Greenwich Village&#8221;</title>
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		<title>Von: Helmut</title>
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		<dc:creator>Helmut</dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Oct 2007 20:30:21 +0000</pubDate>
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		<description>Die kleinen Schritte - da k&#246;nnte ich an das Marai-Zitat erinnern.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Die kleinen Schritte &#8211; da k&#246;nnte ich an das Marai-Zitat erinnern.</p>
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		<title>Von: Helmut</title>
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		<dc:creator>Helmut</dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Oct 2007 20:25:54 +0000</pubDate>
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		<description>Dialogisch ist vielleicht kein guter Begriff. 
Was ich damit meinte: 
Eine Seite: Ich-Zentrierung. Einseitig. (Das Buch nur als Anreger f&#252;r´s eigene 
Erleben)
Andere Seite: Hin und her zwischen Leser und Buch: Dialogisch, zweiseitiger. (Eigen e Seite - Buch-Seite)</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Dialogisch ist vielleicht kein guter Begriff.<br />
Was ich damit meinte:<br />
Eine Seite: Ich-Zentrierung. Einseitig. (Das Buch nur als Anreger f&#252;r´s eigene<br />
Erleben)<br />
Andere Seite: Hin und her zwischen Leser und Buch: Dialogisch, zweiseitiger. (Eigen e Seite &#8211; Buch-Seite)</p>
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		<title>Von: Helmut</title>
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		<dc:creator>Helmut</dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Oct 2007 10:30:06 +0000</pubDate>
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		<description>Zun&#228;chst nur - Zeit!! - ganz kurz auf Deine letzte Frage hin: 
Ja, ´einspeisen´ am besten unter &quot;Lesen&quot;!

Weiteres sp&#228;ter, evtl. mit Verz&#246;gerung - viel zu tun.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Zun&#228;chst nur &#8211; Zeit!! &#8211; ganz kurz auf Deine letzte Frage hin:<br />
Ja, ´einspeisen´ am besten unter &#8220;Lesen&#8221;!</p>
<p>Weiteres sp&#228;ter, evtl. mit Verz&#246;gerung &#8211; viel zu tun.</p>
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		<title>Von: ewu simpel</title>
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		<dc:creator>ewu simpel</dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Oct 2007 10:15:58 +0000</pubDate>
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		<description>auf den moment der lekt&#252;re und auf danach. es geht um eine neue perspektive, so wie du es auch schreibst. ein wechsel vollzieht sich nicht ad hoc. auch habe ich den eindruck, da&#223; meine leseerfahrung, die schon einige jahrzenhte andauert, mich sukzessive ver&#228;ndert oder etwas in mir stimuliert und zum ausdruck gebracht hat. lese- ist vielleicht auch ein st&#252;ck weit lebenserfahrung - aus zweiter hand, die dann, beim richtigen andressaten etwas aus-l&#246;sen kann.

ichzentriert? ja. die ewige baustelle &#039;ich&#039;. aber nicht nur. bisweilen empfinde ich lesen auch als eine angenehme art, von sich selbst abzusehen, selbstvergessen in einer fiktiven welt sich zu bewegen. suspension. aber auch das f&#228;llt ja auf einen selbst zur&#252;ck. das alles gilt f&#252;r b&#252;cher, bei denen ich den eindruck habe, sie gingen mich pers&#246;nlich an. wom&#246;glich eine illusion. daneben allerdings gibt es auch bei mir andere lesarten, die wenig oder auch gar nichts mit dem zu tun haben, wie ich mein leben f&#252;hren oder deuten will. identiikatorisches lesen ist auch oder selbst bei mir nicht das non plus ultra. aber der suchimpuls, etwas zu finden, was f&#252;r mich wichtig und g&#252;ltig ist, der ist sehr stark und meist auch unterbewu&#223;t t&#228;tig. so viel dazu.

was genau ist der unterschied des dialogischen lesens zu dem, was ich beschrieben habe? letztlich geht es doch auch bei diesem dialog um ver&#228;nderung, um ein abstand-nehmen - wechsel mu&#223; ja nicht sein. diese not kennt oder hat ja offensichtlich nicht jeder. 

ignorieren und verweigern - beides trifft auf eine lesehaltung bei mir zu oder wird sich auch bei anderen finden lassen. bei mir kommt dann noch die zugegebenerma&#223;en romantische hoffnung auf einen qualit&#228;tssprung hinzu - der freilich ist ausgeblieben bisher oder besser: er scheint sich in kleinen schritten zu vollziehen. woher diese hoffnung kommt? nun, das w&#252;rde an dieser stelle zu weit f&#252;hren. aber ich bin sicher, andere werden sie auch kennen.

zur neuen baustelle n&#228;chstens mehr. wo soll ich die beitr&#228;ge einspeisen? die lese-rubrik w&#228;re ja auch m&#246;glich.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>auf den moment der lekt&#252;re und auf danach. es geht um eine neue perspektive, so wie du es auch schreibst. ein wechsel vollzieht sich nicht ad hoc. auch habe ich den eindruck, da&#223; meine leseerfahrung, die schon einige jahrzenhte andauert, mich sukzessive ver&#228;ndert oder etwas in mir stimuliert und zum ausdruck gebracht hat. lese- ist vielleicht auch ein st&#252;ck weit lebenserfahrung &#8211; aus zweiter hand, die dann, beim richtigen andressaten etwas aus-l&#246;sen kann.</p>
<p>ichzentriert? ja. die ewige baustelle &#8216;ich&#8217;. aber nicht nur. bisweilen empfinde ich lesen auch als eine angenehme art, von sich selbst abzusehen, selbstvergessen in einer fiktiven welt sich zu bewegen. suspension. aber auch das f&#228;llt ja auf einen selbst zur&#252;ck. das alles gilt f&#252;r b&#252;cher, bei denen ich den eindruck habe, sie gingen mich pers&#246;nlich an. wom&#246;glich eine illusion. daneben allerdings gibt es auch bei mir andere lesarten, die wenig oder auch gar nichts mit dem zu tun haben, wie ich mein leben f&#252;hren oder deuten will. identiikatorisches lesen ist auch oder selbst bei mir nicht das non plus ultra. aber der suchimpuls, etwas zu finden, was f&#252;r mich wichtig und g&#252;ltig ist, der ist sehr stark und meist auch unterbewu&#223;t t&#228;tig. so viel dazu.</p>
<p>was genau ist der unterschied des dialogischen lesens zu dem, was ich beschrieben habe? letztlich geht es doch auch bei diesem dialog um ver&#228;nderung, um ein abstand-nehmen &#8211; wechsel mu&#223; ja nicht sein. diese not kennt oder hat ja offensichtlich nicht jeder. </p>
<p>ignorieren und verweigern &#8211; beides trifft auf eine lesehaltung bei mir zu oder wird sich auch bei anderen finden lassen. bei mir kommt dann noch die zugegebenerma&#223;en romantische hoffnung auf einen qualit&#228;tssprung hinzu &#8211; der freilich ist ausgeblieben bisher oder besser: er scheint sich in kleinen schritten zu vollziehen. woher diese hoffnung kommt? nun, das w&#252;rde an dieser stelle zu weit f&#252;hren. aber ich bin sicher, andere werden sie auch kennen.</p>
<p>zur neuen baustelle n&#228;chstens mehr. wo soll ich die beitr&#228;ge einspeisen? die lese-rubrik w&#228;re ja auch m&#246;glich.</p>
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		<title>Von: Helmut</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2007/09/25/anatole-broyard-verrueckt-nach-kafka-erinnerungen-an-greenwich-village/comment-page-1/#comment-6958</link>
		<dc:creator>Helmut</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 Oct 2007 21:38:24 +0000</pubDate>
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		<description>Ich w&#252;rde aber gern noch ein anderes Fa&#223; aufmachen
(Auf ein Gespr&#228;ch mit W. zur&#252;ckgehend):

Was k&#246;nnen B&#252;cher, was kann der Film?

Was tun B&#252;cher an uns, was Filme?

Welche verschiedenen Gegenden in uns sprechen sie an?</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Ich w&#252;rde aber gern noch ein anderes Fa&#223; aufmachen<br />
(Auf ein Gespr&#228;ch mit W. zur&#252;ckgehend):</p>
<p>Was k&#246;nnen B&#252;cher, was kann der Film?</p>
<p>Was tun B&#252;cher an uns, was Filme?</p>
<p>Welche verschiedenen Gegenden in uns sprechen sie an?</p>
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	<item>
		<title>Von: Helmut</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2007/09/25/anatole-broyard-verrueckt-nach-kafka-erinnerungen-an-greenwich-village/comment-page-1/#comment-6957</link>
		<dc:creator>Helmut</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 Oct 2007 21:34:12 +0000</pubDate>
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		<description>&lt;p&gt;Ich liefere das Zitat nach:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&quot;Die Literatur ist die angenehmste Art, das Leben zu ignorieren.&quot;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein sehr ichzentriertes Lesen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Hoffnung, ein anderer zu werden, bezieht die sich auf den Moment der Lekt&#252;re - oder auf danach?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das mag ein Impuls sein - es gibt auch andere.&lt;br /&gt;
Ein anderer kann sein, sich anhand des Gelesenen anders zu sich ins Verh&#228;ltnis zu setzen als man es ohne diese k&#246;nnte, also &#252;ber den Umweg des Gelesenen etwas anderes, neues, ausformulierteres...&#252;ber sich zu erfahren. Das w&#228;re dialogischer. Es ginge auch um Identit&#228;t, nicht aber um den Wechsel derselben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wer h&#228;tte etwas gegen Begeisterung?&lt;/p&gt;
</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Ich liefere das Zitat nach:</p>
<p>&#8220;Die Literatur ist die angenehmste Art, das Leben zu ignorieren.&#8221;</p>
<p>Ein sehr ichzentriertes Lesen.</p>
<p>Die Hoffnung, ein anderer zu werden, bezieht die sich auf den Moment der Lekt&#252;re &#8211; oder auf danach?</p>
<p>Das mag ein Impuls sein &#8211; es gibt auch andere.<br />
Ein anderer kann sein, sich anhand des Gelesenen anders zu sich ins Verh&#228;ltnis zu setzen als man es ohne diese k&#246;nnte, also &#252;ber den Umweg des Gelesenen etwas anderes, neues, ausformulierteres&#8230;&#252;ber sich zu erfahren. Das w&#228;re dialogischer. Es ginge auch um Identit&#228;t, nicht aber um den Wechsel derselben.</p>
<p>Wer h&#228;tte etwas gegen Begeisterung?</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: ewu simpel</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2007/09/25/anatole-broyard-verrueckt-nach-kafka-erinnerungen-an-greenwich-village/comment-page-1/#comment-6956</link>
		<dc:creator>ewu simpel</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 Oct 2007 11:45:42 +0000</pubDate>
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		<description>ich teile deine bedenken dem buch gegen&#252;ber durchaus, nur hat mich gerade das identit&#228;tsthema sehr an meine adoleszenz-krise erinnert, weshalb meine lekt&#252;re sicherlich st&#228;rker identifikatorisch gepr&#228;gt war als deine. ich bin mir auch nicht sicher, da&#223; ich die hoffnungen oder illusionen auf eine lebensbereicherung, mit denen ich ein buch lese, ganz werde begraben k&#246;nnen. vielleicht mu&#223; ich es auch gar nicht wirklich, nur etwas gem&#228;&#223;igter, n&#252;chterner betrachten. aber das h&#228;ngt sicherlich mit meiner biographie zusammen und die mu&#223; hier nicht in extenso verhandelt werden. nur so viel: das pessoa-zitat (lesen als art, das leben zu verweigern) ist wahrscheinlich dicht dran am eigenen empfinden. immerhin bin ich soweit gekommen, meine diesbez&#252;gliche schw&#228;che oder macke (oder was auch immer es sein mag) nicht mehr zu kultivieren, was ich in fr&#252;heren zeiten durchaus tat. 

aber die moderne kunst und literatur als &quot;initiationsritus&quot;, wie ihn broyard beschreibt, ja, so was hat es in meiner biographie auch gegeben. und deswegen hat mich das leben-literatur-thema vor allem interessiert und wird es auch in zukunft tun. die form des &quot;verr&#252;ckt-seins&quot;, die er beschreibt, spricht mich ungemein an, ungeachtet der gefahren, die darin lauern und die ich durchaus sehe und kenne. ganz gebannt habe ich sie jedoch nicht. (im gegensatz zu dir: was ist an seine stelle getreten, was hat die sucht, den rausch abgel&#246;st?) f&#252;r mich hat es immer noch etwas f&#252;r sich, dieses setzen auf auf einen quasi-magischen verwandlungsproze&#223;, diese hoffnung, ein anderer werden zu k&#246;nnen (das mu&#223; ja auch nicht nur duch ein buch ausgel&#246;st werden). romantisch oder nicht: die f&#228;higkeit und bereitschaft, sich im w&#246;rtlichen sinn begeistern lassen zu k&#246;nnen - aus welchen gr&#252;nden und zu welchem ende auch immer - stellt f&#252;r mich EIN wert des lesens dar. und davon handelte das buch von broyard in einer weise, die ich so nicht kannte. vielleicht kennst du ja vergleichbare b&#252;cher und l&#228;&#223;t es mich wissen. 

ungeachtet dessen kann ich mich selbstredend auch vom leben und was es f&#252;r mich bereitstellt, meiner frau, meinem sohn oder was auch immer begeistern lassen oder einfach auch unbegeistert meine tage fristen. die besondere form des au&#223;er-und-zugleich-bei-sich-seins, wie es das lesen bereitstellen kann, stellt da nur eine m&#246;glichkeit unter anderen dar.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>ich teile deine bedenken dem buch gegen&#252;ber durchaus, nur hat mich gerade das identit&#228;tsthema sehr an meine adoleszenz-krise erinnert, weshalb meine lekt&#252;re sicherlich st&#228;rker identifikatorisch gepr&#228;gt war als deine. ich bin mir auch nicht sicher, da&#223; ich die hoffnungen oder illusionen auf eine lebensbereicherung, mit denen ich ein buch lese, ganz werde begraben k&#246;nnen. vielleicht mu&#223; ich es auch gar nicht wirklich, nur etwas gem&#228;&#223;igter, n&#252;chterner betrachten. aber das h&#228;ngt sicherlich mit meiner biographie zusammen und die mu&#223; hier nicht in extenso verhandelt werden. nur so viel: das pessoa-zitat (lesen als art, das leben zu verweigern) ist wahrscheinlich dicht dran am eigenen empfinden. immerhin bin ich soweit gekommen, meine diesbez&#252;gliche schw&#228;che oder macke (oder was auch immer es sein mag) nicht mehr zu kultivieren, was ich in fr&#252;heren zeiten durchaus tat. </p>
<p>aber die moderne kunst und literatur als &#8220;initiationsritus&#8221;, wie ihn broyard beschreibt, ja, so was hat es in meiner biographie auch gegeben. und deswegen hat mich das leben-literatur-thema vor allem interessiert und wird es auch in zukunft tun. die form des &#8220;verr&#252;ckt-seins&#8221;, die er beschreibt, spricht mich ungemein an, ungeachtet der gefahren, die darin lauern und die ich durchaus sehe und kenne. ganz gebannt habe ich sie jedoch nicht. (im gegensatz zu dir: was ist an seine stelle getreten, was hat die sucht, den rausch abgel&#246;st?) f&#252;r mich hat es immer noch etwas f&#252;r sich, dieses setzen auf auf einen quasi-magischen verwandlungsproze&#223;, diese hoffnung, ein anderer werden zu k&#246;nnen (das mu&#223; ja auch nicht nur duch ein buch ausgel&#246;st werden). romantisch oder nicht: die f&#228;higkeit und bereitschaft, sich im w&#246;rtlichen sinn begeistern lassen zu k&#246;nnen &#8211; aus welchen gr&#252;nden und zu welchem ende auch immer &#8211; stellt f&#252;r mich EIN wert des lesens dar. und davon handelte das buch von broyard in einer weise, die ich so nicht kannte. vielleicht kennst du ja vergleichbare b&#252;cher und l&#228;&#223;t es mich wissen. </p>
<p>ungeachtet dessen kann ich mich selbstredend auch vom leben und was es f&#252;r mich bereitstellt, meiner frau, meinem sohn oder was auch immer begeistern lassen oder einfach auch unbegeistert meine tage fristen. die besondere form des au&#223;er-und-zugleich-bei-sich-seins, wie es das lesen bereitstellen kann, stellt da nur eine m&#246;glichkeit unter anderen dar.</p>
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	<item>
		<title>Von: Helmut</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2007/09/25/anatole-broyard-verrueckt-nach-kafka-erinnerungen-an-greenwich-village/comment-page-1/#comment-6952</link>
		<dc:creator>Helmut</dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Oct 2007 05:30:39 +0000</pubDate>
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		<description>Zustimmung freut immer, aber es scheint mir doch auch Unterschiede zu geben - vielleicht schon in der Art woraufhin (und dadurch sicher auch wie) wir den Text gelesen haben.
Du nennst ´Deine´ Themen: Identit&#228;t (auch in anderem Zusammenhang schon &#246;fter aufgetaucht) und
das ineinander von Leben und Literatur.
Zum ersten ist bez&#252;glich des Buches zu sagen, und Du tust es am Ende Deines Kommentars, dass es in diesem Buch eine Merkw&#252;rdigkeit gibt: Der Autor scheint zu verhehlen, dass er ein Schwarzer ist. - Und wenn man das Buch liest, fragt man sich, ob er es n&#246;tig gehabt h&#228;tte das zu tun.
Nat&#252;rlich fragt man sich auch wo Dein Identit&#228;tsproblem liegt, h&#228;lt das aber f&#252;r ein zu pers&#246;nliches Thema, als die Frage im Ernst zu stellen.
Das Ineinander von Literatur und Leben &#252;bt freilich, auch auf mich nat&#252;rlich, seinen Reiz aus. Auf der anderen Seite glaubt man dieses Changieren bereits als tendentiell romantisch und in extenso nicht im Guten lebbar erkannt zu haben. (Ich war auch einmal leses&#252;chtig, habe das aber immer zugleich auch als Manko, nicht als Gl&#252;ck empfunden.Das Leben in Literatur aufl&#246;sen zu wollen: Eine Utopie. Pessoa hat sinngem&#228;&#223; einmal geschrieben, das Leben sei die angenehmste Art, das Leben zu verweigern. Ohnehin habe ich mich gefragt, welche Rolle die sp&#228;te Niederschrift f&#252;r Ton und Inhalt des Buches wom&#246;glich hatte. Broyard ist ja quasi &#252;ber dem Buch gestorben. M&#246;glich, dass hier eine verkl&#228;rende Sicht und Darstellung der geschilderten Zeit seines Lebens stattfand.
Transfigurieren: Warum wollen alle anders sein als sie sind? Klar muss auch nicht sein, warum B&#252;cher und Sex nicht integrale Bestandteile des Lebens, sondern transfigurierende sein sollten.
Du hast Dich (wieder einmal) offenbar stark mit der Lekt&#252;re identifiziert - aber mir scheint nicht unwichtig, dass Du Dich als Jugendlichen siehst - wohingegen der Held in Broyards Buch ein 26j&#228;hriger Kriegsveteran ist.
B&#252;cher haben ihm vielleicht auch nicht als Ersatz gedient - nach der Zeit des Krieges waren sie wohl eher, so verstehe ich es, [trockene] Rauschmittel. Aber dazu geh&#246;rt die vorhergehende Zeit des Krieges, geh&#246;rt Unterordnung und Entbehrung etc. - und dann diese Aufbruchsstimmung, die er so h&#252;bsch beschreibt.
Was das Zitat angeht: 
Man ist vermutlich kein Intellektueller, wenn man sich nur B&#252;cher-R&#228;uschen hingibt. Und wie k&#246;nnte man &#252;berhaupt das Leben dar&#252;ber verlieren? K&#246;nnte gut sein, dass einen das Leben schon immer einholt - ob man will oder nicht. 
Dass allerdings im Lesen dennoch ein Gefahrenpotential, eine M&#246;glichkeit der Wirklichkeitsverweigerung oder -verdr&#228;ngung, zumindest der zeitweisen Wirklichkeitsflucht liegt, das sehe ich auch so, scheint mir aber kein neuer Gedanke, weder historisch noch individuell.
Beneidenswert allerdings erscheint einem heute eine Zeit, die &quot;verr&#252;ckt nach Kafka&quot; war - wonach ist man heute verr&#252;ckt? Gibt es da Niveauverluste zu verzeichnen?
Insgesamt habe ich den Eindruck, hast Du das Buch positiver gelesen als ich. Es hat M&#228;ngel, bei aller Sympathie, die man ihm entgegenbringen kann. Mir scheint es zu wenig detailliert, zu wenig in die Situation hineinzugehen, zu sehr dr&#252;berweg und auch auf Effekte hin zu erz&#228;hlen. Das wirkt locker, aber nimmt auch an Ernst und Wucht etwas weg, was m&#246;glich gewesen w&#228;re.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Zustimmung freut immer, aber es scheint mir doch auch Unterschiede zu geben &#8211; vielleicht schon in der Art woraufhin (und dadurch sicher auch wie) wir den Text gelesen haben.<br />
Du nennst ´Deine´ Themen: Identit&#228;t (auch in anderem Zusammenhang schon &#246;fter aufgetaucht) und<br />
das ineinander von Leben und Literatur.<br />
Zum ersten ist bez&#252;glich des Buches zu sagen, und Du tust es am Ende Deines Kommentars, dass es in diesem Buch eine Merkw&#252;rdigkeit gibt: Der Autor scheint zu verhehlen, dass er ein Schwarzer ist. &#8211; Und wenn man das Buch liest, fragt man sich, ob er es n&#246;tig gehabt h&#228;tte das zu tun.<br />
Nat&#252;rlich fragt man sich auch wo Dein Identit&#228;tsproblem liegt, h&#228;lt das aber f&#252;r ein zu pers&#246;nliches Thema, als die Frage im Ernst zu stellen.<br />
Das Ineinander von Literatur und Leben &#252;bt freilich, auch auf mich nat&#252;rlich, seinen Reiz aus. Auf der anderen Seite glaubt man dieses Changieren bereits als tendentiell romantisch und in extenso nicht im Guten lebbar erkannt zu haben. (Ich war auch einmal leses&#252;chtig, habe das aber immer zugleich auch als Manko, nicht als Gl&#252;ck empfunden.Das Leben in Literatur aufl&#246;sen zu wollen: Eine Utopie. Pessoa hat sinngem&#228;&#223; einmal geschrieben, das Leben sei die angenehmste Art, das Leben zu verweigern. Ohnehin habe ich mich gefragt, welche Rolle die sp&#228;te Niederschrift f&#252;r Ton und Inhalt des Buches wom&#246;glich hatte. Broyard ist ja quasi &#252;ber dem Buch gestorben. M&#246;glich, dass hier eine verkl&#228;rende Sicht und Darstellung der geschilderten Zeit seines Lebens stattfand.<br />
Transfigurieren: Warum wollen alle anders sein als sie sind? Klar muss auch nicht sein, warum B&#252;cher und Sex nicht integrale Bestandteile des Lebens, sondern transfigurierende sein sollten.<br />
Du hast Dich (wieder einmal) offenbar stark mit der Lekt&#252;re identifiziert &#8211; aber mir scheint nicht unwichtig, dass Du Dich als Jugendlichen siehst &#8211; wohingegen der Held in Broyards Buch ein 26j&#228;hriger Kriegsveteran ist.<br />
B&#252;cher haben ihm vielleicht auch nicht als Ersatz gedient &#8211; nach der Zeit des Krieges waren sie wohl eher, so verstehe ich es, [trockene] Rauschmittel. Aber dazu geh&#246;rt die vorhergehende Zeit des Krieges, geh&#246;rt Unterordnung und Entbehrung etc. &#8211; und dann diese Aufbruchsstimmung, die er so h&#252;bsch beschreibt.<br />
Was das Zitat angeht:<br />
Man ist vermutlich kein Intellektueller, wenn man sich nur B&#252;cher-R&#228;uschen hingibt. Und wie k&#246;nnte man &#252;berhaupt das Leben dar&#252;ber verlieren? K&#246;nnte gut sein, dass einen das Leben schon immer einholt &#8211; ob man will oder nicht.<br />
Dass allerdings im Lesen dennoch ein Gefahrenpotential, eine M&#246;glichkeit der Wirklichkeitsverweigerung oder -verdr&#228;ngung, zumindest der zeitweisen Wirklichkeitsflucht liegt, das sehe ich auch so, scheint mir aber kein neuer Gedanke, weder historisch noch individuell.<br />
Beneidenswert allerdings erscheint einem heute eine Zeit, die &#8220;verr&#252;ckt nach Kafka&#8221; war &#8211; wonach ist man heute verr&#252;ckt? Gibt es da Niveauverluste zu verzeichnen?<br />
Insgesamt habe ich den Eindruck, hast Du das Buch positiver gelesen als ich. Es hat M&#228;ngel, bei aller Sympathie, die man ihm entgegenbringen kann. Mir scheint es zu wenig detailliert, zu wenig in die Situation hineinzugehen, zu sehr dr&#252;berweg und auch auf Effekte hin zu erz&#228;hlen. Das wirkt locker, aber nimmt auch an Ernst und Wucht etwas weg, was m&#246;glich gewesen w&#228;re.</p>
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		<title>Von: ewu simpel</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2007/09/25/anatole-broyard-verrueckt-nach-kafka-erinnerungen-an-greenwich-village/comment-page-1/#comment-6951</link>
		<dc:creator>ewu simpel</dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Oct 2007 10:52:18 +0000</pubDate>
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		<description>ich stimme dir und deiner einsch&#228;tzung zu. 

wie du dir denken kannst, hat mich vor allem das leben-literatur-thema interessiert und begeistert. f&#252;r mich war der text so was wie das portr&#228;t des jungen mannes als leser. im vordergrund stand bei meiner lekt&#252;rerfahrung eher die identit&#228;tsproblematik und wie broyard schildert, mit welchen mitteln er versuchte, sein leben zu &quot;transfigurieren&quot;, sich ein anderes leben, eine andere existenz und identit&#228;t zu zimmern - mit den mitteln der literatur und sexualit&#228;t. das fand ich spannend, analytisch genau und humorig geschildert. der hohe ernst, den er an die literatur anlegte und zugleich von ihr verlangte, wie auch die anspruchshaltung, mit der er liebe praktizierte und wie diese praxis sein leben, seine identit&#228;t ver&#228;ndern sollte, empfand ich sehr zutreffend beschrieben und erinnerte mich sehr an meine eigene zeit als jugendlicher lese-enthusiast. das buch zeigte f&#252;r mich also - neben den detailsatten milieuschilderungen und personenportr&#228;ts und dem, was du hervorhebst - vor allem den reifeproze&#223; eines intellektuellen, dem zuletzt das lesen und die literatur nicht mehr als substitut des lebens dient. so jedenfalls lese ich das res&#252;mee, das broyard auf s. 134 hinsichtlich seiner b&#252;chermanie zieht:
&quot;Intellektueller wollte auch ich sein, und das Leben von einer hohen Warte aus betrachten, daf&#252;r wollte ich aber das Gef&#252;hl, mit den Dingen verbunden und vertraut zu sein, nicht opfern. Wenn ich ein Buch las, blieb immer ein Auge auf die Wirklichkeit gerichtet, so wie man auf die Uhr schaut.&quot;
f&#252;r jemanden wie mich eine durchaus erhellende lekt&#252;re: lesen kann einen auch f&#252;rs leben blind werden lassen. diese gefahr fand ich sehr gut beschrieben. und so verstand ich auch den titel &quot;verr&#252;ckt nach kafka&quot; - verr&#252;ckt danach, sein leben in literatur zu verwandeln.

und trotzdem bleibt broyard - du weist darauf hin - bis zuletzt unaufrichtig und nicht authentisch, wenn er seine hautfarbe verschweigt oder nur an wenigen stellen kryptisch andeutet, da&#223; sie ein - wenn auch helles - schwarz ist. eine rest-befangenheit im willen zum anderssein herrschte also bis zuletzt vor.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>ich stimme dir und deiner einsch&#228;tzung zu. </p>
<p>wie du dir denken kannst, hat mich vor allem das leben-literatur-thema interessiert und begeistert. f&#252;r mich war der text so was wie das portr&#228;t des jungen mannes als leser. im vordergrund stand bei meiner lekt&#252;rerfahrung eher die identit&#228;tsproblematik und wie broyard schildert, mit welchen mitteln er versuchte, sein leben zu &#8220;transfigurieren&#8221;, sich ein anderes leben, eine andere existenz und identit&#228;t zu zimmern &#8211; mit den mitteln der literatur und sexualit&#228;t. das fand ich spannend, analytisch genau und humorig geschildert. der hohe ernst, den er an die literatur anlegte und zugleich von ihr verlangte, wie auch die anspruchshaltung, mit der er liebe praktizierte und wie diese praxis sein leben, seine identit&#228;t ver&#228;ndern sollte, empfand ich sehr zutreffend beschrieben und erinnerte mich sehr an meine eigene zeit als jugendlicher lese-enthusiast. das buch zeigte f&#252;r mich also &#8211; neben den detailsatten milieuschilderungen und personenportr&#228;ts und dem, was du hervorhebst &#8211; vor allem den reifeproze&#223; eines intellektuellen, dem zuletzt das lesen und die literatur nicht mehr als substitut des lebens dient. so jedenfalls lese ich das res&#252;mee, das broyard auf s. 134 hinsichtlich seiner b&#252;chermanie zieht:<br />
&#8220;Intellektueller wollte auch ich sein, und das Leben von einer hohen Warte aus betrachten, daf&#252;r wollte ich aber das Gef&#252;hl, mit den Dingen verbunden und vertraut zu sein, nicht opfern. Wenn ich ein Buch las, blieb immer ein Auge auf die Wirklichkeit gerichtet, so wie man auf die Uhr schaut.&#8221;<br />
f&#252;r jemanden wie mich eine durchaus erhellende lekt&#252;re: lesen kann einen auch f&#252;rs leben blind werden lassen. diese gefahr fand ich sehr gut beschrieben. und so verstand ich auch den titel &#8220;verr&#252;ckt nach kafka&#8221; &#8211; verr&#252;ckt danach, sein leben in literatur zu verwandeln.</p>
<p>und trotzdem bleibt broyard &#8211; du weist darauf hin &#8211; bis zuletzt unaufrichtig und nicht authentisch, wenn er seine hautfarbe verschweigt oder nur an wenigen stellen kryptisch andeutet, da&#223; sie ein &#8211; wenn auch helles &#8211; schwarz ist. eine rest-befangenheit im willen zum anderssein herrschte also bis zuletzt vor.</p>
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