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	<title>Kommentare zu: Carlos Eugenio López: &#8220;Bordell der Toten. Erz&#228;hlungen&#8221;</title>
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	<description>Bücher, Bücher</description>
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		<title>Von: Helmut</title>
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		<dc:creator>Helmut</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Apr 2008 10:27:41 +0000</pubDate>
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		<description>Gut, so w&#252;nscht man sich das, prima. Sie haben Angst, sie ist ein Antrieb f&#252;r dieses redende Pfeifen im Dunkeln. Trotzdem k&#246;nnte es sein, dass Lopez es so schreibt oder so gelesen haben will, dass dieses Reden das Gegenteil von Aufkl&#228;rung ist. - Mir scheint das so. Und das ist freilich die b&#246;sest m&#246;gliche Variante. - Wenn man die Sprache als wesentlichen Teil des Humanums ansieht, dann &#246;ffnet sich hier ein denkbar schwarzes Bild des ´Homo sapiens sapiens´.

Man k&#246;nnte sich aber auch diese &#196;ngste und ihre Berechtigungsgr&#252;nde genauer ansehen. - Verh&#228;lt es sich mit ihnen evtl. &#228;hnlich [und k&#246;nnte das ein Grund sein, weshalb sie mir nicht so in den Vordergrund r&#252;ckten?]? Sind diese &#196;ngst nur vorgeschoben? Sind sie berechtigt? Realistisch? Oder nur vorgeschobener Grund f&#252;r die eigenen Ungeheuerlichkeiten? 

In jedem Fall nimmt Lopez aber ein zentrales Thema vermutlich nicht nur unserer Zeit auf mit der Angst. - Ist es wie bei Hunden, bei Angstbei&#223;ern? Aus lauter Angst wird man selbst unn&#246;tig zum Aggressor - und f&#252;hlt sich, da man sich innerlich als Opfer gebucht hat, auch noch auf der richtigen, berechtigten Seite?</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Gut, so w&#252;nscht man sich das, prima. Sie haben Angst, sie ist ein Antrieb f&#252;r dieses redende Pfeifen im Dunkeln. Trotzdem k&#246;nnte es sein, dass Lopez es so schreibt oder so gelesen haben will, dass dieses Reden das Gegenteil von Aufkl&#228;rung ist. &#8211; Mir scheint das so. Und das ist freilich die b&#246;sest m&#246;gliche Variante. &#8211; Wenn man die Sprache als wesentlichen Teil des Humanums ansieht, dann &#246;ffnet sich hier ein denkbar schwarzes Bild des ´Homo sapiens sapiens´.</p>
<p>Man k&#246;nnte sich aber auch diese &#196;ngste und ihre Berechtigungsgr&#252;nde genauer ansehen. &#8211; Verh&#228;lt es sich mit ihnen evtl. &#228;hnlich [und k&#246;nnte das ein Grund sein, weshalb sie mir nicht so in den Vordergrund r&#252;ckten?]? Sind diese &#196;ngst nur vorgeschoben? Sind sie berechtigt? Realistisch? Oder nur vorgeschobener Grund f&#252;r die eigenen Ungeheuerlichkeiten? </p>
<p>In jedem Fall nimmt Lopez aber ein zentrales Thema vermutlich nicht nur unserer Zeit auf mit der Angst. &#8211; Ist es wie bei Hunden, bei Angstbei&#223;ern? Aus lauter Angst wird man selbst unn&#246;tig zum Aggressor &#8211; und f&#252;hlt sich, da man sich innerlich als Opfer gebucht hat, auch noch auf der richtigen, berechtigten Seite?</p>
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		<title>Von: uwe</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2008/04/11/carlos-eugenio-lopez-bordell-der-toten-erzaehlungen/comment-page-1/#comment-7134</link>
		<dc:creator>uwe</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Apr 2008 09:02:18 +0000</pubDate>
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		<description>Das mit der Angst ist mir schon bei der Erstlek&#252;re aufgefallen und ich hatte mir gleich die M&#252;he gemacht, die Stellen, an denen das Wort f&#228;llt, anzustreichen. 
In allen Erz&#228;hlmonologen wird von Angst oder &#196;ngsten gesprochen, die zum Kernbestand der Existenz der Redenden zu z&#228;hlen sind und die mit daf&#252;r verantwortlich zu machen sind, dass sie zu Reden anfangen, ob nun als Camouflage ihrer wahren Absichten oder als Selbstrechtfertigung ihres Tuns sei zun&#228;chst dahingestellt. 
Im ersten Text wird von der Angst gehandelt, dass sich der Vater umbringt und damit die Familie zusammenbricht, dem Horror schlechthin f&#252;r die sprechende Katholikin (34). F&#252;r den Strichjungen im zweiten Monolog bedeutet Angst das &quot;Allerschlimmste, schlimmer noch als Gr&#252;beln&quot;, es ist die Angst davor, wie und ob es mit seinem Leben weitergehen wird(55). Im dritten Text, reflektiert das Schwein &#252;ber die &#196;ngste, die nat&#252;rlicherweise zu seiner Existenz geh&#246;ren, aber durch die kritische Rationalit&#228;t &#252;berwunden werden m&#252;ssten, eine Strategie, die fehlgehen wird, wie das Ende klarstellt (68). Im vierten Monolog, dem des wartenden H&#228;ndlers, wird das &quot;Grundrecht des B&#252;rgers, &#252;berall hingehen zu k&#246;nnen, ohne Angst zu haben, aufgeschlitzt zu werden&quot; (100) gefordert. Dass dies nicht mehr gew&#228;hrleistet ist, l&#228;&#223;t ihn ja zur Waffe greifen und &#252;ber die Berechtigung dieser Selbstverteidigungsmassnahme reflektieren. Die f&#252;nfte Erz&#228;hlstimme spricht klar aus, dass sie Angst habe, die &quot;Dinge nicht mehr unter Kontrolle&quot; (156) halten zu k&#246;nnen, und aus dieser Angst heraus, entscheidet sie sich zu der f&#252;r das Kind fatalen Tat. Im sechsten Monolog hat ein Kind &quot;Angst vor Sachen, vor denen man keine haben m&#252;sste&quot;, spricht also &#252;ber die Schwierigkeit, gro&#223; zu werden oder zu sein (162, 176-177). Im letzten Text, dem Monolog des Politikers, wird an einer Stelle ausgesprochen, dass es die &quot;Ketten der Angst&quot; sind, die uns &quot;fesseln&quot; (180). 
Soweit die Belegstellen, die mir aufgefallen sind. Deshalb lag es f&#252;r mich nahe, einen Beweggrund ihres Monologisierens in den unterschiedlich qualifizierten &#196;ngsten zu sehen. Das schliesst andere nicht aus, auch das schlechte Gewissen nicht. Und bei &#196;ngsten, uneingestandenen wie bekannten, kann Reden,lautes Sprechen oder das fiktive Sich-Wenden an einen anderen, durchaus Beruhigung verschaffen, f&#252;r den Moment. Freilich bleiben die &#196;ngste davon letztlich unangetastet, wie bei den Protagonisten der Monologe auch: Sie kommen ja nicht raus aus ihren circuli, beruhigen und verunsichern sich zugleich mit ihrem R&#228;sonnement. So weit meine ad hoc vorgenommene Analyse.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Das mit der Angst ist mir schon bei der Erstlek&#252;re aufgefallen und ich hatte mir gleich die M&#252;he gemacht, die Stellen, an denen das Wort f&#228;llt, anzustreichen.<br />
In allen Erz&#228;hlmonologen wird von Angst oder &#196;ngsten gesprochen, die zum Kernbestand der Existenz der Redenden zu z&#228;hlen sind und die mit daf&#252;r verantwortlich zu machen sind, dass sie zu Reden anfangen, ob nun als Camouflage ihrer wahren Absichten oder als Selbstrechtfertigung ihres Tuns sei zun&#228;chst dahingestellt.<br />
Im ersten Text wird von der Angst gehandelt, dass sich der Vater umbringt und damit die Familie zusammenbricht, dem Horror schlechthin f&#252;r die sprechende Katholikin (34). F&#252;r den Strichjungen im zweiten Monolog bedeutet Angst das &#8220;Allerschlimmste, schlimmer noch als Gr&#252;beln&#8221;, es ist die Angst davor, wie und ob es mit seinem Leben weitergehen wird(55). Im dritten Text, reflektiert das Schwein &#252;ber die &#196;ngste, die nat&#252;rlicherweise zu seiner Existenz geh&#246;ren, aber durch die kritische Rationalit&#228;t &#252;berwunden werden m&#252;ssten, eine Strategie, die fehlgehen wird, wie das Ende klarstellt (68). Im vierten Monolog, dem des wartenden H&#228;ndlers, wird das &#8220;Grundrecht des B&#252;rgers, &#252;berall hingehen zu k&#246;nnen, ohne Angst zu haben, aufgeschlitzt zu werden&#8221; (100) gefordert. Dass dies nicht mehr gew&#228;hrleistet ist, l&#228;&#223;t ihn ja zur Waffe greifen und &#252;ber die Berechtigung dieser Selbstverteidigungsmassnahme reflektieren. Die f&#252;nfte Erz&#228;hlstimme spricht klar aus, dass sie Angst habe, die &#8220;Dinge nicht mehr unter Kontrolle&#8221; (156) halten zu k&#246;nnen, und aus dieser Angst heraus, entscheidet sie sich zu der f&#252;r das Kind fatalen Tat. Im sechsten Monolog hat ein Kind &#8220;Angst vor Sachen, vor denen man keine haben m&#252;sste&#8221;, spricht also &#252;ber die Schwierigkeit, gro&#223; zu werden oder zu sein (162, 176-177). Im letzten Text, dem Monolog des Politikers, wird an einer Stelle ausgesprochen, dass es die &#8220;Ketten der Angst&#8221; sind, die uns &#8220;fesseln&#8221; (180).<br />
Soweit die Belegstellen, die mir aufgefallen sind. Deshalb lag es f&#252;r mich nahe, einen Beweggrund ihres Monologisierens in den unterschiedlich qualifizierten &#196;ngsten zu sehen. Das schliesst andere nicht aus, auch das schlechte Gewissen nicht. Und bei &#196;ngsten, uneingestandenen wie bekannten, kann Reden,lautes Sprechen oder das fiktive Sich-Wenden an einen anderen, durchaus Beruhigung verschaffen, f&#252;r den Moment. Freilich bleiben die &#196;ngste davon letztlich unangetastet, wie bei den Protagonisten der Monologe auch: Sie kommen ja nicht raus aus ihren circuli, beruhigen und verunsichern sich zugleich mit ihrem R&#228;sonnement. So weit meine ad hoc vorgenommene Analyse.</p>
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		<title>Von: Helmut</title>
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		<dc:creator>Helmut</dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Apr 2008 10:29:20 +0000</pubDate>
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		<description>&lt;p&gt;Treibt sie wirklich Angst zum Reden?&lt;br /&gt;
Oder doch ein untergr&#252;ndig vorhandenes schlechtes Gewissen?&lt;br /&gt;
Oder, noch interessanter oder brisanter: Decken sie mit dem Reden etwas zu? Verschleiern sie gerade durch das Reden Klarheit und Erkenntnis? Beruhigen sich selbst, geben sich die passenden Stichworte und r&#252;cken sich ins rechte Licht, in das n&#228;mlich, das ihnen am ehesten zupa&#223; kommt?&lt;br /&gt;
Den Gr&#252;nden f&#252;r einen nicht ganz befriedigenden Leseeindruck bei mir habe ich bereits in der Besprechung Ausdruck zu geben versucht, da kann ich im Augenblick nicht mehr dazu sagen.&lt;/p&gt;
</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Treibt sie wirklich Angst zum Reden?<br />
Oder doch ein untergr&#252;ndig vorhandenes schlechtes Gewissen?<br />
Oder, noch interessanter oder brisanter: Decken sie mit dem Reden etwas zu? Verschleiern sie gerade durch das Reden Klarheit und Erkenntnis? Beruhigen sich selbst, geben sich die passenden Stichworte und r&#252;cken sich ins rechte Licht, in das n&#228;mlich, das ihnen am ehesten zupa&#223; kommt?<br />
Den Gr&#252;nden f&#252;r einen nicht ganz befriedigenden Leseeindruck bei mir habe ich bereits in der Besprechung Ausdruck zu geben versucht, da kann ich im Augenblick nicht mehr dazu sagen.</p>
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		<title>Von: uwe</title>
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		<dc:creator>uwe</dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Apr 2008 14:01:08 +0000</pubDate>
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		<description>Ja, da hast du wohl recht: Jede noch so absurd oder grotesk anmutende Erfindung kann von der Wirklichkeit eingeholt oder gar &#252;bertroffen werden. Das, was uns López zu lesen aufgibt, ist ja aus der Mitte des Lebens genommen, in eine monologisierende Rede gebracht und literarisch auf eine Grundaussage hin zugespitzt. Insofern kann es letztlich nicht verwundern, Anteile des in seinen Figuren untergr&#252;ndig t&#228;tigen Wahnsinns in der Wirklichkeit wiederzuerkennen, etwa in den tages- und weltpolitischen Nachrichten. 
Richtig ist auch, dass seine Texte nicht am&#252;sant zu lesen sind. Immer muss man auf der Hut sein: Mit jedem Wiedererkennen ist man schon in die Falle gegangen - das hast du klar und deutlich beschrieben. Meine Kritik richtete sich eher auf die Einseitigkeit der Mittel. Auch da kann man zu seinen Gunsten einwenden: Die Sprecher entlarven sich in ihrer Rede selbst und zeigen zudem, wie es f&#252;r sie unm&#246;glich ist, ihr Gedankenkreiseln zu verlassen. Sie schmoren ja im eigenen Fett und bieten dem Leser das grausige Spektakel der Selbstentbl&#246;&#223;ung: Eine mehr oder weniger genau bestimmbare Angst treibt sie zum Reden, doch dieses Reden gew&#228;hrt ihnen weder Erkenntisse noch Halt, allenfalls Rechtfertigungen daf&#252;r, den beschrittenen Weg fortzuf&#252;hren. Das ist gut und pr&#228;zise beschrieben, und verweist sicherlich auf Struktur und Inhalt zeitgeistigen Geschwafels. Mich hat es halt ein wenig erm&#252;det, NUR solche Monologe zu lesen - und nicht, weil sie mir zu nahe sind, sondern weil sie mir nicht n&#228;her r&#252;cken, je &#246;fter ich von ihnen lese. Daher r&#252;hrte mein Einwand: von der Wiederholung von Mustern, von Mustern des Denkens und des Schreibens. Mich w&#252;rde interessieren, wie er seine moralisch-satirischen, ja letztlich aufkl&#228;rerischen Absichten mit anderen literarischen Mitteln umsetzen k&#246;nnte. Wenn ich mich nicht t&#228;usche, war das auch eine rage, die dich besch&#228;ftigt hat. Welche Gr&#252;nde lagen denn bei dir f&#252;r den nicht ganz befriedigenden Leseeindruck vor?</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Ja, da hast du wohl recht: Jede noch so absurd oder grotesk anmutende Erfindung kann von der Wirklichkeit eingeholt oder gar &#252;bertroffen werden. Das, was uns López zu lesen aufgibt, ist ja aus der Mitte des Lebens genommen, in eine monologisierende Rede gebracht und literarisch auf eine Grundaussage hin zugespitzt. Insofern kann es letztlich nicht verwundern, Anteile des in seinen Figuren untergr&#252;ndig t&#228;tigen Wahnsinns in der Wirklichkeit wiederzuerkennen, etwa in den tages- und weltpolitischen Nachrichten.<br />
Richtig ist auch, dass seine Texte nicht am&#252;sant zu lesen sind. Immer muss man auf der Hut sein: Mit jedem Wiedererkennen ist man schon in die Falle gegangen &#8211; das hast du klar und deutlich beschrieben. Meine Kritik richtete sich eher auf die Einseitigkeit der Mittel. Auch da kann man zu seinen Gunsten einwenden: Die Sprecher entlarven sich in ihrer Rede selbst und zeigen zudem, wie es f&#252;r sie unm&#246;glich ist, ihr Gedankenkreiseln zu verlassen. Sie schmoren ja im eigenen Fett und bieten dem Leser das grausige Spektakel der Selbstentbl&#246;&#223;ung: Eine mehr oder weniger genau bestimmbare Angst treibt sie zum Reden, doch dieses Reden gew&#228;hrt ihnen weder Erkenntisse noch Halt, allenfalls Rechtfertigungen daf&#252;r, den beschrittenen Weg fortzuf&#252;hren. Das ist gut und pr&#228;zise beschrieben, und verweist sicherlich auf Struktur und Inhalt zeitgeistigen Geschwafels. Mich hat es halt ein wenig erm&#252;det, NUR solche Monologe zu lesen &#8211; und nicht, weil sie mir zu nahe sind, sondern weil sie mir nicht n&#228;her r&#252;cken, je &#246;fter ich von ihnen lese. Daher r&#252;hrte mein Einwand: von der Wiederholung von Mustern, von Mustern des Denkens und des Schreibens. Mich w&#252;rde interessieren, wie er seine moralisch-satirischen, ja letztlich aufkl&#228;rerischen Absichten mit anderen literarischen Mitteln umsetzen k&#246;nnte. Wenn ich mich nicht t&#228;usche, war das auch eine rage, die dich besch&#228;ftigt hat. Welche Gr&#252;nde lagen denn bei dir f&#252;r den nicht ganz befriedigenden Leseeindruck vor?</p>
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		<title>Von: Helmut</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2008/04/11/carlos-eugenio-lopez-bordell-der-toten-erzaehlungen/comment-page-1/#comment-7129</link>
		<dc:creator>Helmut</dc:creator>
		<pubDate>Sat, 19 Apr 2008 16:31:04 +0000</pubDate>
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		<description>Wenn ich es richtig sehe, haben wir einen sehr &#228;hnlichen Eindruck:
Das Buch hat enorme Qualit&#228;ten, ist aber vielleicht nicht im Ganzen &#252;berzeugend oder befriedigend.
Ich hatte &#252;berlegt aus welchem Grund. Es kann sein, dass der Leseeindruck bei dem was er vorhat zwiesp&#228;ltig bleiben muss. 
Das sind nat&#252;rlich keine Geschichten, die den Leser hineinziehen und in denen er sich vergessen kann. 
Im Gegenteil.
Er macht den Leser aufmerksamer, dieser muss auf der Hut sein - schon aus Selbstschutz; um den geschilderten Figuren nicht zu &#228;hnlich zu erscheinen.
Wir sind uns einig: F&#252;r diese Absicht sind seine Sachen toll geschrieben, das ist eine eigene Stimme, die man sonst so nicht kennt. Und gerade das schleichende Hinneinnehmen das noch Normalen und Allt&#228;glichen ins Grausame und dadurch das Zeigen, dass vom einen zum anderen unter Umst&#228;nden nur ein ganz kleiner Schritt besteht, das ist einfach gut gemacht und sicher wichtig.
Wenn Du kritisierst, dass die Struktur der Figurenrede sich in den einzelnen Erz&#228;hlungen gleicht, dann kann man sagen ja - aber nimmt Lopez hier nicht genau die Struktur des gegenw&#228;rtigen Sprechens und vor allem auch Denkens auf? Gut, er mag es noch etwas miunitionieren und ins Ganz Absurde und &#220;ble drehen. Aber im Grunde gibt er damit ein Portr&#228;t des halt- und orientierungslos schw&#228;tzenden Zeitgeistes. - Das zu erfassen und in pr&#228;zise Satire umzum&#252;nzen ist keine kleine Leistung.
Wenn der Leseeindruck nicht voll zufriedenstellt, muss man sich vielleicht auch fragen, ob es mehr daran liegt, dass die dargebotene Wahrheit vielleicht eine ist, die wenig schmeckt - oder ob es andere Gr&#252;nde hat.
Denn, das schreibst Du ja richtig, es geht um den Horror in uns, ganz nah. Um den unbewussten, verdr&#228;ngten oder wegerkl&#228;rten Horror.
So k&#246;nnte man, Formulierungen aufnehmend, der Sache den Titel geben: Monologmonster auf d&#252;nnem Eis.
Von einer negativen Utopie w&#252;rde ich hier allerdings nicht reden. Wenn man etwa an das chinesische Verhalten in Zusammenhang mit Tibet und Olympia denkt, dann ist das, was der Autor beschreibt, l&#228;ngst allt&#228;gliche Wirklichkeit. Beleidigter Zynismus, wo ganz anderes angebracht w&#228;re.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn ich es richtig sehe, haben wir einen sehr &#228;hnlichen Eindruck:<br />
Das Buch hat enorme Qualit&#228;ten, ist aber vielleicht nicht im Ganzen &#252;berzeugend oder befriedigend.<br />
Ich hatte &#252;berlegt aus welchem Grund. Es kann sein, dass der Leseeindruck bei dem was er vorhat zwiesp&#228;ltig bleiben muss.<br />
Das sind nat&#252;rlich keine Geschichten, die den Leser hineinziehen und in denen er sich vergessen kann.<br />
Im Gegenteil.<br />
Er macht den Leser aufmerksamer, dieser muss auf der Hut sein &#8211; schon aus Selbstschutz; um den geschilderten Figuren nicht zu &#228;hnlich zu erscheinen.<br />
Wir sind uns einig: F&#252;r diese Absicht sind seine Sachen toll geschrieben, das ist eine eigene Stimme, die man sonst so nicht kennt. Und gerade das schleichende Hinneinnehmen das noch Normalen und Allt&#228;glichen ins Grausame und dadurch das Zeigen, dass vom einen zum anderen unter Umst&#228;nden nur ein ganz kleiner Schritt besteht, das ist einfach gut gemacht und sicher wichtig.<br />
Wenn Du kritisierst, dass die Struktur der Figurenrede sich in den einzelnen Erz&#228;hlungen gleicht, dann kann man sagen ja &#8211; aber nimmt Lopez hier nicht genau die Struktur des gegenw&#228;rtigen Sprechens und vor allem auch Denkens auf? Gut, er mag es noch etwas miunitionieren und ins Ganz Absurde und &#220;ble drehen. Aber im Grunde gibt er damit ein Portr&#228;t des halt- und orientierungslos schw&#228;tzenden Zeitgeistes. &#8211; Das zu erfassen und in pr&#228;zise Satire umzum&#252;nzen ist keine kleine Leistung.<br />
Wenn der Leseeindruck nicht voll zufriedenstellt, muss man sich vielleicht auch fragen, ob es mehr daran liegt, dass die dargebotene Wahrheit vielleicht eine ist, die wenig schmeckt &#8211; oder ob es andere Gr&#252;nde hat.<br />
Denn, das schreibst Du ja richtig, es geht um den Horror in uns, ganz nah. Um den unbewussten, verdr&#228;ngten oder wegerkl&#228;rten Horror.<br />
So k&#246;nnte man, Formulierungen aufnehmend, der Sache den Titel geben: Monologmonster auf d&#252;nnem Eis.<br />
Von einer negativen Utopie w&#252;rde ich hier allerdings nicht reden. Wenn man etwa an das chinesische Verhalten in Zusammenhang mit Tibet und Olympia denkt, dann ist das, was der Autor beschreibt, l&#228;ngst allt&#228;gliche Wirklichkeit. Beleidigter Zynismus, wo ganz anderes angebracht w&#228;re.</p>
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	</item>
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		<title>Von: uwe</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2008/04/11/carlos-eugenio-lopez-bordell-der-toten-erzaehlungen/comment-page-1/#comment-7127</link>
		<dc:creator>uwe</dc:creator>
		<pubDate>Sat, 19 Apr 2008 10:12:22 +0000</pubDate>
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		<description>Alltagsgeschichten mit makabren Einsch&#252;ben, subtil abgr&#252;ndige Texte, vorgetragen von schr&#228;gen Charakteren, die einem doch so normal und vertraut vorkommen. Aus zun&#228;chst banal erscheinenden Alltagsn&#246;ten entstehen tragikomische Begebenheiten, die in Visionen abschreckender Inhumanit&#228;t m&#252;nden. Es sind rabenschwarze Satiren, und darin liegt ihre St&#228;rke und Wirkungsmacht: Normalsterbliche, die pl&#246;tzlich zu reden beginnen und dabei ihre Denk- und Lebensbilder in erschreckender Deutlichkeit enth&#252;llen - Monologe, so als ob sich bei den Redenden ein Ventil &#246;ffne, und zugleich Monologe als Mittel der Selbstentlarvung vom mitleidlosen Autor eingesetzt. 
Wie er das macht, ist genial, aber eben auch eint&#246;nig: Es sind zwar pr&#228;zise zu unterscheidende Stimmen mit ihrem je eigenen Vokabular, doch die Struktur ihrer Rede, die Mischung aus Weisheit und Platit&#252;de, aus philosophischen Denkans&#228;tzen und Plattheiten, aus rassistischen und liberalen Gedanken, ist &#228;hnlich oder vergleichbar aufgebaut (du hattest darauf verwiesen). Immer geht es mittels der Monolge, die Rechtfertigungs- und Selbstbest&#228;tigungs- wie auch Selbstentlarvungsreden in einem sind, immer geht es um den Horror mitten unter uns und mitten in uns. Mit Lakonie wird noch das Haarstr&#228;ubendste erz&#228;hlt, das Harmlose geht unvermittelt ins Groteske und Ungeheuerliche, ja Undenkbare &#252;ber. Bei aller Varianz der Protagonisten und ihres immer originellen Denk- und Sprachstils bleibt die satirisch-enth&#252;llende Absicht die gleiche, was die Lekt&#252;re nach einigen Texten etwas erm&#252;det. Die Spannung l&#228;&#223;t nach, die formale Machart ist durchschaut und dar&#252;ber hinaus finden sich keine anderen erz&#228;hlerischen Kniffe, die die Aufmerksamkeit erneut fesseln k&#246;nnten. 
Unabh&#228;ngig davon ist das, was Lopéz mit seinen Mitteln schafft, grandios: Er l&#228;&#223;t den Leser in Abgr&#252;nde blicken, die zugleich absurd und allt&#228;glich, abwegig und allzu vertraut daherkommen, und er gibt ihm zu verstehen, dass es daraus kein Entkommen gibt - wir bewegen uns alle auf d&#252;nnem Eis und es droht uns allen der Fall in die ungem&#252;tliche, barbarische Tiefe. Und das habe ich in dieser formalen Strenge und moralischen Stringenz so noch nicht bei einem anderen Autor gelesen. Gespannt bin ich allerdings, ob er noch anderes drauf hat, etwas, das jenseits dieser negativen Utopie seiner Monolog-Monster liegt.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Alltagsgeschichten mit makabren Einsch&#252;ben, subtil abgr&#252;ndige Texte, vorgetragen von schr&#228;gen Charakteren, die einem doch so normal und vertraut vorkommen. Aus zun&#228;chst banal erscheinenden Alltagsn&#246;ten entstehen tragikomische Begebenheiten, die in Visionen abschreckender Inhumanit&#228;t m&#252;nden. Es sind rabenschwarze Satiren, und darin liegt ihre St&#228;rke und Wirkungsmacht: Normalsterbliche, die pl&#246;tzlich zu reden beginnen und dabei ihre Denk- und Lebensbilder in erschreckender Deutlichkeit enth&#252;llen &#8211; Monologe, so als ob sich bei den Redenden ein Ventil &#246;ffne, und zugleich Monologe als Mittel der Selbstentlarvung vom mitleidlosen Autor eingesetzt.<br />
Wie er das macht, ist genial, aber eben auch eint&#246;nig: Es sind zwar pr&#228;zise zu unterscheidende Stimmen mit ihrem je eigenen Vokabular, doch die Struktur ihrer Rede, die Mischung aus Weisheit und Platit&#252;de, aus philosophischen Denkans&#228;tzen und Plattheiten, aus rassistischen und liberalen Gedanken, ist &#228;hnlich oder vergleichbar aufgebaut (du hattest darauf verwiesen). Immer geht es mittels der Monolge, die Rechtfertigungs- und Selbstbest&#228;tigungs- wie auch Selbstentlarvungsreden in einem sind, immer geht es um den Horror mitten unter uns und mitten in uns. Mit Lakonie wird noch das Haarstr&#228;ubendste erz&#228;hlt, das Harmlose geht unvermittelt ins Groteske und Ungeheuerliche, ja Undenkbare &#252;ber. Bei aller Varianz der Protagonisten und ihres immer originellen Denk- und Sprachstils bleibt die satirisch-enth&#252;llende Absicht die gleiche, was die Lekt&#252;re nach einigen Texten etwas erm&#252;det. Die Spannung l&#228;&#223;t nach, die formale Machart ist durchschaut und dar&#252;ber hinaus finden sich keine anderen erz&#228;hlerischen Kniffe, die die Aufmerksamkeit erneut fesseln k&#246;nnten.<br />
Unabh&#228;ngig davon ist das, was Lopéz mit seinen Mitteln schafft, grandios: Er l&#228;&#223;t den Leser in Abgr&#252;nde blicken, die zugleich absurd und allt&#228;glich, abwegig und allzu vertraut daherkommen, und er gibt ihm zu verstehen, dass es daraus kein Entkommen gibt &#8211; wir bewegen uns alle auf d&#252;nnem Eis und es droht uns allen der Fall in die ungem&#252;tliche, barbarische Tiefe. Und das habe ich in dieser formalen Strenge und moralischen Stringenz so noch nicht bei einem anderen Autor gelesen. Gespannt bin ich allerdings, ob er noch anderes drauf hat, etwas, das jenseits dieser negativen Utopie seiner Monolog-Monster liegt.</p>
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