<?xml version="1.0" encoding="iso-8859-1"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
		>
<channel>
	<title>Kommentare zu: Gy&#246;rgy Dragomán: „Der wei&#223;e K&#246;nig“</title>
	<atom:link href="http://www.eckfenster.de/wordpress/2008/10/06/gyoergy-dragoman-der-weisse-koenig/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2008/10/06/gyoergy-dragoman-der-weisse-koenig/</link>
	<description>Bücher, Bücher</description>
	<lastBuildDate>Thu, 02 Jun 2011 21:09:48 +0200</lastBuildDate>
	<generator>http://wordpress.org/?v=2.8.4</generator>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
		<item>
		<title>Von: Helmut</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2008/10/06/gyoergy-dragoman-der-weisse-koenig/comment-page-1/#comment-7200</link>
		<dc:creator>Helmut</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Nov 2008 22:06:48 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.eckfenster.de/wordpress/2008/10/06/gyoergy-dragoman-der-weisse-koenig/#comment-7200</guid>
		<description>Na gut, es hatte mich etwas erstaunt, ich sehe mir das Buch an, sobald ich es wieder zuhanden habe.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Na gut, es hatte mich etwas erstaunt, ich sehe mir das Buch an, sobald ich es wieder zuhanden habe.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: uwe</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2008/10/06/gyoergy-dragoman-der-weisse-koenig/comment-page-1/#comment-7198</link>
		<dc:creator>uwe</dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Nov 2008 13:17:55 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.eckfenster.de/wordpress/2008/10/06/gyoergy-dragoman-der-weisse-koenig/#comment-7198</guid>
		<description>Nein, ich meinte schon Parataxe. Und zur Sicherheit habe ich noch mal im Literaturlexikon nachgeschaut. Parataxe im Sinne einer syntaktischen Beiordnung (und nicht nur von reinen Haupts&#228;tzen). Im Falle von Dragomans Satzbaustruktur meinte ich damit die Bei- bzw. Nebenordnung von S&#228;tzen, die nicht in Haupt- und Nebens&#228;tze unterschieden sind, sondern eher gleichberechtigt nebeneinander und nur durch ein Komma voneinander getrennt stehen und zusammen genommen eine lange, &#252;ber Seiten sich hinziehende Schleife bilden. Es kam mir beim Lesen wie eine Form des kindlichen Sprechens vor, wie ein atemloses Stakkato von S&#228;tzen. 
Vielleicht ist der Begriff nicht genau genug gew&#228;hlt, aber das Prinzip und sein Ergebnis in der Lesererfahrung hast du doch verstanden, wie ich denke. Schau es dir noch mal bei Gelegenheit an und teile mir deine Meinung mit.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Nein, ich meinte schon Parataxe. Und zur Sicherheit habe ich noch mal im Literaturlexikon nachgeschaut. Parataxe im Sinne einer syntaktischen Beiordnung (und nicht nur von reinen Haupts&#228;tzen). Im Falle von Dragomans Satzbaustruktur meinte ich damit die Bei- bzw. Nebenordnung von S&#228;tzen, die nicht in Haupt- und Nebens&#228;tze unterschieden sind, sondern eher gleichberechtigt nebeneinander und nur durch ein Komma voneinander getrennt stehen und zusammen genommen eine lange, &#252;ber Seiten sich hinziehende Schleife bilden. Es kam mir beim Lesen wie eine Form des kindlichen Sprechens vor, wie ein atemloses Stakkato von S&#228;tzen.<br />
Vielleicht ist der Begriff nicht genau genug gew&#228;hlt, aber das Prinzip und sein Ergebnis in der Lesererfahrung hast du doch verstanden, wie ich denke. Schau es dir noch mal bei Gelegenheit an und teile mir deine Meinung mit.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: Helmut</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2008/10/06/gyoergy-dragoman-der-weisse-koenig/comment-page-1/#comment-7196</link>
		<dc:creator>Helmut</dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Nov 2008 10:26:09 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.eckfenster.de/wordpress/2008/10/06/gyoergy-dragoman-der-weisse-koenig/#comment-7196</guid>
		<description>Ich kenne den Begriff Parataxe als Aufeinanderfolge von Haupts&#228;tzen - also so etwas das Gegenteil dessen, was Du damit verbindest!? - Kann es sein, dass Du den Komplement&#228;rbegriff meinst: Hypotaktisch?!
Das k&#246;nnte ich mir auch im Effekt als die dehnendere Variante vorstellen.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Ich kenne den Begriff Parataxe als Aufeinanderfolge von Haupts&#228;tzen &#8211; also so etwas das Gegenteil dessen, was Du damit verbindest!? &#8211; Kann es sein, dass Du den Komplement&#228;rbegriff meinst: Hypotaktisch?!<br />
Das k&#246;nnte ich mir auch im Effekt als die dehnendere Variante vorstellen.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: uwe</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2008/10/06/gyoergy-dragoman-der-weisse-koenig/comment-page-1/#comment-7194</link>
		<dc:creator>uwe</dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Nov 2008 07:40:42 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.eckfenster.de/wordpress/2008/10/06/gyoergy-dragoman-der-weisse-koenig/#comment-7194</guid>
		<description>Ja, pr&#252;fe es bei Gelegenheit.
Zur Erl&#228;uterung noch:
Mit parataktisch meine ich das Nebeneinanderstellen von S&#228;tzen und Satzteilen in einem l&#228;ngeren, &#252;ber Seiten sich hinziehenden, scheinbar endlosen Satz. Und letzteres, diese Wurms&#228;tze, nannte ich Satzschleifen. Parataktisch w&#228;re also die Baustruktur und die Schleife das Ergebnis. 
Das zeitliche Geschehnis, das solcherart sprachlich vermittelt wird, dehnt sich - so jedenfalls mein Eindruck -, da sein Eintreten und die Beschreibung seines Eintretens immer wieder aufgeschoben werden. So hatte ich es verstanden.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Ja, pr&#252;fe es bei Gelegenheit.<br />
Zur Erl&#228;uterung noch:<br />
Mit parataktisch meine ich das Nebeneinanderstellen von S&#228;tzen und Satzteilen in einem l&#228;ngeren, &#252;ber Seiten sich hinziehenden, scheinbar endlosen Satz. Und letzteres, diese Wurms&#228;tze, nannte ich Satzschleifen. Parataktisch w&#228;re also die Baustruktur und die Schleife das Ergebnis.<br />
Das zeitliche Geschehnis, das solcherart sprachlich vermittelt wird, dehnt sich &#8211; so jedenfalls mein Eindruck -, da sein Eintreten und die Beschreibung seines Eintretens immer wieder aufgeschoben werden. So hatte ich es verstanden.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: Helmut</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2008/10/06/gyoergy-dragoman-der-weisse-koenig/comment-page-1/#comment-7192</link>
		<dc:creator>Helmut</dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Nov 2008 20:16:56 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.eckfenster.de/wordpress/2008/10/06/gyoergy-dragoman-der-weisse-koenig/#comment-7192</guid>
		<description>Parataktische Satzschleifen? Ich habe das Buch zur Zeit nicht zur Hand und kann das nicht nachsehen. - Mir klingt es fast wie ein Widerspruch in sich?!?
Auch Dehnung durch Parataxe will mir nicht einleuchten, ist die Parataxe doch eher eine trockene, einfache Form.
Ich m&#252;sste das Buch hier haben. - Bei Gelegenheit mehr.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Parataktische Satzschleifen? Ich habe das Buch zur Zeit nicht zur Hand und kann das nicht nachsehen. &#8211; Mir klingt es fast wie ein Widerspruch in sich?!?<br />
Auch Dehnung durch Parataxe will mir nicht einleuchten, ist die Parataxe doch eher eine trockene, einfache Form.<br />
Ich m&#252;sste das Buch hier haben. &#8211; Bei Gelegenheit mehr.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: uwe</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2008/10/06/gyoergy-dragoman-der-weisse-koenig/comment-page-1/#comment-7190</link>
		<dc:creator>uwe</dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Nov 2008 11:11:54 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.eckfenster.de/wordpress/2008/10/06/gyoergy-dragoman-der-weisse-koenig/#comment-7190</guid>
		<description>Die Dehnung entsteht durch die parataktischen Satzschleifen, in denen die Ereignisse minuti&#246;s und mit eingeschobenen Vor- und R&#252;ckblenden aus der kindlichen Perspektive des erlebenden Erz&#228;hlerbewusstseins geschildert werden. Diese Erz&#228;hlstruktur, die im Dienst einer umfassenden Vergegenw&#228;rtigung des Geschehens steht, herrscht im ganzen Buch vor, besonders beeindruckend erschien es mir im Kapitel &quot;Krieg&quot;.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Die Dehnung entsteht durch die parataktischen Satzschleifen, in denen die Ereignisse minuti&#246;s und mit eingeschobenen Vor- und R&#252;ckblenden aus der kindlichen Perspektive des erlebenden Erz&#228;hlerbewusstseins geschildert werden. Diese Erz&#228;hlstruktur, die im Dienst einer umfassenden Vergegenw&#228;rtigung des Geschehens steht, herrscht im ganzen Buch vor, besonders beeindruckend erschien es mir im Kapitel &#8220;Krieg&#8221;.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: Helmut</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2008/10/06/gyoergy-dragoman-der-weisse-koenig/comment-page-1/#comment-7188</link>
		<dc:creator>Helmut</dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Oct 2008 22:52:42 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.eckfenster.de/wordpress/2008/10/06/gyoergy-dragoman-der-weisse-koenig/#comment-7188</guid>
		<description>Ein sehr umfassender Kommentar. Sch&#246;n, dass Dir das Buch auch gefallen hat. 
An eine biographische Parallele dachte ich nícht beim Lesen.
Richtig ist es, die Dominanz der Gewalt in dieser Gesellschaft zu betonen. Eine Lese-Erfahrung, die man so nicht alle naslang hat.
Und sicher, der Erz&#228;hler selbst ist auch brutalisiert, fand ich auch gut, dass er da nicht ausgenommen ist.
Dehnung des Augenblicks - es ist eine Weile her, dass ich das Buch gelesen habe, ich m&#252;sste nachsehen, glaube mir ist das so nicht aufgefallen, klingt aber interessant.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Ein sehr umfassender Kommentar. Sch&#246;n, dass Dir das Buch auch gefallen hat.<br />
An eine biographische Parallele dachte ich nícht beim Lesen.<br />
Richtig ist es, die Dominanz der Gewalt in dieser Gesellschaft zu betonen. Eine Lese-Erfahrung, die man so nicht alle naslang hat.<br />
Und sicher, der Erz&#228;hler selbst ist auch brutalisiert, fand ich auch gut, dass er da nicht ausgenommen ist.<br />
Dehnung des Augenblicks &#8211; es ist eine Weile her, dass ich das Buch gelesen habe, ich m&#252;sste nachsehen, glaube mir ist das so nicht aufgefallen, klingt aber interessant.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: uwe</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2008/10/06/gyoergy-dragoman-der-weisse-koenig/comment-page-1/#comment-7187</link>
		<dc:creator>uwe</dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Oct 2008 10:02:24 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.eckfenster.de/wordpress/2008/10/06/gyoergy-dragoman-der-weisse-koenig/#comment-7187</guid>
		<description>So, ich habe es gelesen.
Ich fand es sehr gut.
Was f&#252;r eine Kindheit/Jugend, was f&#252;r ein Irrsinn in den pers&#246;nlichen und gesellschaftlichen Verh&#228;ltnissen. W&#252;sste man es nicht besser, man k&#246;nnte an eine Endzeitvision denken, die Schilderung einer Welt, in der Personen agieren, die nur noch entfernt an Menschen und an menschliche Umgangsformen erinnern. Aber die geschilderte Epoche liegt gar nicht so weit zur&#252;ck, es ist das Jahr um die Tschernobyl-Katastrophe, die Jahre nach 1986 also, und der Ort das Rum&#228;nien der Ceausescu-Diktatur. Grauenhaft und entsetzlich die Vorstellung, dass dieser Junge seine H&#246;lle in der Zeit durchlebt, wo ich meine erste gro&#223;e Liebe erlebte und besch&#252;tzt im Volbesitz meiner geistigen Kr&#228;fte mein Studium aufnahm. Diese Gleichzeitigkeit hat mich die ganze Lekt&#252;re &#252;ber besch&#228;ftigt. Aber nicht nur das.
Was mich sehr mitgenommen hat ist, wie die Formen der Brutalisierung alle gesellschaftlichen wie pers&#246;nlichen Lebensverh&#228;ltnisse durchzieht. Bis in die Umgangssprache hinein ist hier alles von einem Vernichtungswillen, von einer Aggressivit&#228;t bestimmt, von einer latenten Gewaltbereitschaft, vor der - und das finde ich grandios - auch der jugendliche Held nicht ausgenommen wird. Man denke an die vorpubert&#228;re &quot;Liebesszene&quot;, in der er fast zum Vergewaltiger wird, oder an die Episode des Kuchenwettessens an seinem Geburtstag und seine dort aufkommenden Gewaltphantasien gegen&#252;ber dem fremden Jungen, und auch an die veritablen Kriegsz&#252;ge der rivalisierenden Jugendbanden, an denen er sich beteiligt. Es ist, als ob die ununterbrochene Konfrontation mit den panischen Momenten, in denen es zum T&#246;ten oder doch zum lebensgef&#228;hrlichen Verletzen von Menschen kommt, auch in ihm solche Gewaltpotentiale freisetzt. Ist er in den anderen Kapiteln vornehmlich Opfer und Medium des Erleidens von Gewalt und auch dessen kindlicher Beobachter, so zeigen die anderen Kapitel ihn in mit seinen auch absto&#223;enden Charakterz&#252;gen, was die Personenschilderung f&#252;r mich insgesamt wahrhaftiger, echter erscheinen lie&#223;. Wie gesagt, diese Allgegenwart der Gewalt - k&#246;rperlicher wie seelischer -, dieses fast v&#246;llige fehlen jeglicher Regeln des humanen Umgangs, dieser verewigt scheinende Kriegszustand unter den Menschen, wo das Anstehen in einer Schlange vor einem Lebensmittelladen unvermutet in eine pogromartige Massenhysterie ausarten kann, wo der Besuch bei einem ehemaligen Botschafter in eine brutale Vergewaltigung m&#252;ndet, um nur zwei Beispiele zu nennen, diese Vergegenw&#228;rtigung der Aggression in allen Lebensverh&#228;ltnissen hat mich am meisten beeindruckt.
Nicht zuletzt durch die Art des Erz&#228;hlens. Das Durchhalten der kindlichen Perspektive, die unendlich langen Satzschleifen, die Reihe der in sich abgeschlossenen Kapitel, die sich auf ein Geschehen konzentrieren, liefern den Leser einer erz&#228;hlerischen Gegenw&#228;rtigkeit aus, die beklemmend ist. Durch die Konzentration auf das erlebniszentrierte Bewusstsein des Kindes, das das Erlebte nicht reflektiert, sondern beobachtet und schildert, glaubt man als Leser sich in einem Verh&#228;ngniszusammenhang gefangen, und nur wenige erz&#228;hlerische Momente verschaffen ein wenig Ruhe, wie etwa die kurzen Erinnerungssch&#252;be an den Vater oder das abstrus-geniale Vogelkonzert bei Spitzhacke oder die grotestke Komik des mit heruntergelassenen Hosen den L&#246;wenkopf st&#252;tzenden Vergewaltiger-Botschafters. Aber das sind nur wenige Rohezonen, ansonsten herrschen die Satzperioden vor, die das grausige Szenario der h&#246;llischen Jugend eines 11-j&#228;hrigen veranschaulichen, ja vergegenw&#228;rtigen.
Eine Mache konnte ich darin nicht erkennen, eher eine ungemein souver&#228;ne sprachliche und formale Leistung. Es erinnerte mich an Sanejew, auch in der Verengung auf den kindlichen, d.h. das Geschehen nicht reflektierenden Blick. Das fand ich hier wie dort &#252;berzeugend. Anders geht Kuczok mit dem Material um. Er &#252;bersteigert, wechselt die Zeiten und Perspektiven, nutzt literarische Stilmittel wie die Groteske und die Phantasmagorie. Bei Dragoman ist es aber der erz&#228;hlerische Furor der Vergegenw&#228;rtigung, die Dehnung des Augenblicks in den langen, abschweifenden Satzperioden, was den Leser packt. 
Wie lange das Gelesene nachhallt? Einzelne Szenen wohl sehr lange, aber vor allem bleibt haften, wie die latente und manifeste Gewaltt&#228;tigkeit alle Lebensbereiche in einem diktatorischen Regime zu bestimmen scheint. Das ohne jede Sentimantalit&#228;t und mit je anderen Stilmitteln veranschaulicht zu haben, bleibt f&#252;r mich die vorrangige Leistung solcher B&#252;cher wie die von Dragoman, Sanejew und Kuczok. 
Ein Perlentaucher hat mich vor einigen Monaten auf dieses Buch aufmerksam gemacht. Dies noch abschlie&#223;end zu deiner Information.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>So, ich habe es gelesen.<br />
Ich fand es sehr gut.<br />
Was f&#252;r eine Kindheit/Jugend, was f&#252;r ein Irrsinn in den pers&#246;nlichen und gesellschaftlichen Verh&#228;ltnissen. W&#252;sste man es nicht besser, man k&#246;nnte an eine Endzeitvision denken, die Schilderung einer Welt, in der Personen agieren, die nur noch entfernt an Menschen und an menschliche Umgangsformen erinnern. Aber die geschilderte Epoche liegt gar nicht so weit zur&#252;ck, es ist das Jahr um die Tschernobyl-Katastrophe, die Jahre nach 1986 also, und der Ort das Rum&#228;nien der Ceausescu-Diktatur. Grauenhaft und entsetzlich die Vorstellung, dass dieser Junge seine H&#246;lle in der Zeit durchlebt, wo ich meine erste gro&#223;e Liebe erlebte und besch&#252;tzt im Volbesitz meiner geistigen Kr&#228;fte mein Studium aufnahm. Diese Gleichzeitigkeit hat mich die ganze Lekt&#252;re &#252;ber besch&#228;ftigt. Aber nicht nur das.<br />
Was mich sehr mitgenommen hat ist, wie die Formen der Brutalisierung alle gesellschaftlichen wie pers&#246;nlichen Lebensverh&#228;ltnisse durchzieht. Bis in die Umgangssprache hinein ist hier alles von einem Vernichtungswillen, von einer Aggressivit&#228;t bestimmt, von einer latenten Gewaltbereitschaft, vor der &#8211; und das finde ich grandios &#8211; auch der jugendliche Held nicht ausgenommen wird. Man denke an die vorpubert&#228;re &#8220;Liebesszene&#8221;, in der er fast zum Vergewaltiger wird, oder an die Episode des Kuchenwettessens an seinem Geburtstag und seine dort aufkommenden Gewaltphantasien gegen&#252;ber dem fremden Jungen, und auch an die veritablen Kriegsz&#252;ge der rivalisierenden Jugendbanden, an denen er sich beteiligt. Es ist, als ob die ununterbrochene Konfrontation mit den panischen Momenten, in denen es zum T&#246;ten oder doch zum lebensgef&#228;hrlichen Verletzen von Menschen kommt, auch in ihm solche Gewaltpotentiale freisetzt. Ist er in den anderen Kapiteln vornehmlich Opfer und Medium des Erleidens von Gewalt und auch dessen kindlicher Beobachter, so zeigen die anderen Kapitel ihn in mit seinen auch absto&#223;enden Charakterz&#252;gen, was die Personenschilderung f&#252;r mich insgesamt wahrhaftiger, echter erscheinen lie&#223;. Wie gesagt, diese Allgegenwart der Gewalt &#8211; k&#246;rperlicher wie seelischer -, dieses fast v&#246;llige fehlen jeglicher Regeln des humanen Umgangs, dieser verewigt scheinende Kriegszustand unter den Menschen, wo das Anstehen in einer Schlange vor einem Lebensmittelladen unvermutet in eine pogromartige Massenhysterie ausarten kann, wo der Besuch bei einem ehemaligen Botschafter in eine brutale Vergewaltigung m&#252;ndet, um nur zwei Beispiele zu nennen, diese Vergegenw&#228;rtigung der Aggression in allen Lebensverh&#228;ltnissen hat mich am meisten beeindruckt.<br />
Nicht zuletzt durch die Art des Erz&#228;hlens. Das Durchhalten der kindlichen Perspektive, die unendlich langen Satzschleifen, die Reihe der in sich abgeschlossenen Kapitel, die sich auf ein Geschehen konzentrieren, liefern den Leser einer erz&#228;hlerischen Gegenw&#228;rtigkeit aus, die beklemmend ist. Durch die Konzentration auf das erlebniszentrierte Bewusstsein des Kindes, das das Erlebte nicht reflektiert, sondern beobachtet und schildert, glaubt man als Leser sich in einem Verh&#228;ngniszusammenhang gefangen, und nur wenige erz&#228;hlerische Momente verschaffen ein wenig Ruhe, wie etwa die kurzen Erinnerungssch&#252;be an den Vater oder das abstrus-geniale Vogelkonzert bei Spitzhacke oder die grotestke Komik des mit heruntergelassenen Hosen den L&#246;wenkopf st&#252;tzenden Vergewaltiger-Botschafters. Aber das sind nur wenige Rohezonen, ansonsten herrschen die Satzperioden vor, die das grausige Szenario der h&#246;llischen Jugend eines 11-j&#228;hrigen veranschaulichen, ja vergegenw&#228;rtigen.<br />
Eine Mache konnte ich darin nicht erkennen, eher eine ungemein souver&#228;ne sprachliche und formale Leistung. Es erinnerte mich an Sanejew, auch in der Verengung auf den kindlichen, d.h. das Geschehen nicht reflektierenden Blick. Das fand ich hier wie dort &#252;berzeugend. Anders geht Kuczok mit dem Material um. Er &#252;bersteigert, wechselt die Zeiten und Perspektiven, nutzt literarische Stilmittel wie die Groteske und die Phantasmagorie. Bei Dragoman ist es aber der erz&#228;hlerische Furor der Vergegenw&#228;rtigung, die Dehnung des Augenblicks in den langen, abschweifenden Satzperioden, was den Leser packt.<br />
Wie lange das Gelesene nachhallt? Einzelne Szenen wohl sehr lange, aber vor allem bleibt haften, wie die latente und manifeste Gewaltt&#228;tigkeit alle Lebensbereiche in einem diktatorischen Regime zu bestimmen scheint. Das ohne jede Sentimantalit&#228;t und mit je anderen Stilmitteln veranschaulicht zu haben, bleibt f&#252;r mich die vorrangige Leistung solcher B&#252;cher wie die von Dragoman, Sanejew und Kuczok.<br />
Ein Perlentaucher hat mich vor einigen Monaten auf dieses Buch aufmerksam gemacht. Dies noch abschlie&#223;end zu deiner Information.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: Helmut</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2008/10/06/gyoergy-dragoman-der-weisse-koenig/comment-page-1/#comment-7184</link>
		<dc:creator>Helmut</dc:creator>
		<pubDate>Fri, 10 Oct 2008 19:36:36 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.eckfenster.de/wordpress/2008/10/06/gyoergy-dragoman-der-weisse-koenig/#comment-7184</guid>
		<description>OK - bin gespannt. 

Interessehalber: Wie kamst Du auf das Buch, warum hast Du´s gekauft?</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>OK &#8211; bin gespannt. </p>
<p>Interessehalber: Wie kamst Du auf das Buch, warum hast Du´s gekauft?</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: uwe</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2008/10/06/gyoergy-dragoman-der-weisse-koenig/comment-page-1/#comment-7183</link>
		<dc:creator>uwe</dc:creator>
		<pubDate>Fri, 10 Oct 2008 10:32:45 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.eckfenster.de/wordpress/2008/10/06/gyoergy-dragoman-der-weisse-koenig/#comment-7183</guid>
		<description>Liegt schon l&#228;nger auf meinem Stapel ungelesener B&#252;cher. Kommt demn&#228;chst sicherlich dran. Dann darfst du eine Reaktion erwarten. Das Thema k&#246;nnte mich packen, &#228;hnlich wie es bei den von dir erw&#228;hnten vergleichbaren B&#252;cher von Stasiuk, Kovacic, Sanejew und Kuczok geschehen ist.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Liegt schon l&#228;nger auf meinem Stapel ungelesener B&#252;cher. Kommt demn&#228;chst sicherlich dran. Dann darfst du eine Reaktion erwarten. Das Thema k&#246;nnte mich packen, &#228;hnlich wie es bei den von dir erw&#228;hnten vergleichbaren B&#252;cher von Stasiuk, Kovacic, Sanejew und Kuczok geschehen ist.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
</channel>
</rss>

