Russel H. Greenan: “In Boston?”

Oktober 6th, 2008

Russel H. Greenan: “In Boston?”, der Roman wurde von pociaco aus dem Amerikanischen übersetzt, München 2007, zuerst unter dem Titel ´It Happened in Boston?´ in New York 1968, 378 Seiten, 22,80 Euro (antiquarisch aber auch günstiger)

Quelle: de.wikipedia.org

Mona Lisa Ein äußerst merkwürdiges Buch.
Man weiß nicht recht: Was will der Autor damit? Er schildert – ja was?: Das Abdriften (aber warum?), Austicken, die Obsession eines Künstlers, der ein genialer Maler zu sein scheint, dann aber aufhört zu malen und einem Träumen verfällt, das ihn in andere Zeiten und an andere Orte führt, schließlich jedoch in Bereiche, die weit abseits vom Akzeptablen oder noch Nachvollziehbaren sind.
Durchaus ein Buch, das sich etwas traut, nur: Zu welchem Ende?
Ein abgehalfterter Gottsucher, der selbst seine Geschichte erzählt – muss man ihm trauen, muss man ihn ernstnehmen?

2 Antworten to “Russel H. Greenan: “In Boston?””

  1. 1 uwe
    Oktober 10th, 2008 at 12:24 pm

    Schade, mir hat es gefallen!
    Ich fand die Mischung aus Faust-Paraphrase und Künstlerroman interessant und die Figuren einprägsam, wenn nicht unvergesslich. Ein verkanntes Künstler-Genie zerreibt sich im Kampf mit Gott, dem Teufel und den dunklen Mächten des Marktes, flüchtet sich in obsessive Tagträume und gerät zuletzt an die Grenzen des Wahns, der Selbstzerstörung.
    Worum es geht also?
    Um die widervernünftige Einrichtung einer Welt, die den Wert einer Kunst nicht anders als in Zahlen zu erkennen und auszubeuten versteht; um die Infragestellung einer göttlichen Ordnung; um den inneren Reichtum, den jeder Mensch mit seiner nur ihm eignenden Phantasie besitzt und darum, auf dieser inneren Unabhängigkeit zu bestehen, d.h., es geht auch darum, gegen die nackte Tatsachenwelt auf das Existenzrecht von Macken, Tics oder Ver-Rücktheiten zu bestehen(um welchen Preis ist dabei eine andere Frage); um die Freundschaft und die gelebte Nähe unter Gleichgesinnten; vielleicht geht es auch um die Stadt Boston, in der sich all das Abstruse und Phantastische der Handlung abspielt.
    Meine Lektüre liegt schon einige Zeit zurück. Deshalb nur diese erste allgemeine Einschätzung aus meiner Erinnerung heraus. Um uns detailliert darüber auszutauschen, müsste ich es mir nochmal vornehmen. Nach den Tagen am Meer vielleicht. Aber versprechen kann ich es nicht.
    P.S.: Mich erinnerte es an John Kennedy Toole und dessen Roman “Ignaz oder die Verschwörung der Idioten”. Aber mit diesem Werk hattest du ja auch, wie ich mich dunkel erinnere, deine Schwierigkeiten.

  2. 2 Helmut
    Oktober 18th, 2008 at 11:53 am

    Tja,
    mir haben Teile gefallen, als Ganzes aber schien es mir zerfallen.
    Der Künstler bekommt ja – insgeheim – die höchste Anerkennung. – Doch schon das ist etwas abgedreht: Ein aktuelles Werk, das nicht von einem mehrere hundert Jahre alten zu unterscheiden ist???

    Flucht in Tagträume:
    Das ist schon Interpretation.
    Mir schien es weniger als Flucht geschildert – das hätte ja noch etwas Aktives -, sondern so, dass diese Träume mehr sind als Träume, anders als normale Träume und dass sie ihm zustossen – nicht, dass er sie sucht.

    Dann das Argument pauschaler Weltkritik:
    Das ist für meinen Geschmack etwas zu pauschal. Rundumschläge treffen selten. Kann man alles auf einmal behandeln?
    Auch finde ich das auf Unabhängigkeit bestehen gar nicht im Roman, es sei denn als Künstler. – Aber kann man bei Morden noch von “Macken” sprechen?

    Interessant, dass Du es mit Ignaz vergleichst. Wäre mir nicht unbedingt eingefallen (vielleicht schon deshalb weil er bei mir keinen nachhaltigen Eindruck erzeugte?), könnte ich aber zustimmen.
    Was gefällt Dir nur an diesen verschrobenen Büchern und abgedrehten Helden?!