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	<title>Kommentare zu: L. P. Hartley: &#8220;The Go-Between&#8221;</title>
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	<description>Bücher, Bücher</description>
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		<title>Von: uwe</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2008/11/21/l-p-hartley-the-go-between/comment-page-1/#comment-7243</link>
		<dc:creator>uwe</dc:creator>
		<pubDate>Sat, 20 Dec 2008 16:30:16 +0000</pubDate>
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		<description>Mit den beiden ineinander verschlungenen nackten K&#246;rpern sieht er auch die Macht der die Klassengrenzen und der Verhaltensnormen sprengenden Leidenschaft. Er selbst schwankt ja noch: Weder stimmt er uneingeschr&#228;nkt den Regeln noch ihrer Aufhebung zu - das ist sehr sch&#246;n an seinen uneindeutigen Empfindungen w&#228;hrend des Cricket-Matches abzulesen.

Die N&#228;he zur Stilbl&#252;te war mir auch aufgefallen, deshalb meine Erl&#228;uterungen.

Der &#228;lter gewordene Leo ist doch der Erz&#228;hler. Er wird durch den Tagebuchfund gezwungen, sich den Ereignissen dieses Sommers mittels einer weit aushohlenden Erinnerungs- und Schreibbewegung zu stellen. Das Ergebnis liegt als Buch vor uns. Es ist der alte Leo, der sein zw&#246;lfj&#228;hriges Ich, die Szenerie, die Menschen, die Erlebnisse und ihre Folgen f&#252;r ihn, sprachlich heraufbeschw&#246;rt - nicht zuletzt um sich von ihrer traumatischen Wirkung zu befreien oder zumindest unter diese Vergangenheit einen &quot;Schlu&#223;strich&quot; zu ziehen. (S.376) Ob dies gelingt, bleibt bis zuletzt offen.

Die anti-traumatische, d.h. die beruhigende und vers&#246;hnende Wirkung der &quot;Suche nach Tatsachen&quot; (S. 382) wird von Leo selbst angesprochen. Die Fakten wirken wie &quot;Balsam auf (seine) wunde Seele&quot; (S. 380), und je mehr Fakten er zu der &quot;Episode auf Schlo&#223; Brandham&quot; zusammentr&#228;gt, desto geringer wird ihr Schrecken: &quot;Indem ich die T&#252;r aufstie&#223; und das Licht der objektiven Betrachtung eindringen lie&#223;, zerfielen die Mumien zu Staub.&quot; (S. 382) Ein wenig mehr N&#252;chternheit und die tragische Fallh&#246;he w&#228;re wahrscheinlich geringer gewesen. Diese jedoch war ihm nicht gegeben. Er war anders disponiert, und gerade diese Disposition macht ihn, wie ich finde, zu einem interessanten Charakter. 

Aber du hast das Buch nicht zur Hand, kannst also meine Lesart nicht &#252;berpr&#252;fen. Vielleicht k&#246;nnen wir uns sp&#228;ter, wenn dir das Buch vorliegt, noch einmal kurzschlie&#223;en. Aber wir k&#246;nnen auch unsere en détail unterschiedlich gewichteten Lesarten nebeneinander stehen lassen. En gros sind wir uns ja einig gewesen.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Mit den beiden ineinander verschlungenen nackten K&#246;rpern sieht er auch die Macht der die Klassengrenzen und der Verhaltensnormen sprengenden Leidenschaft. Er selbst schwankt ja noch: Weder stimmt er uneingeschr&#228;nkt den Regeln noch ihrer Aufhebung zu &#8211; das ist sehr sch&#246;n an seinen uneindeutigen Empfindungen w&#228;hrend des Cricket-Matches abzulesen.</p>
<p>Die N&#228;he zur Stilbl&#252;te war mir auch aufgefallen, deshalb meine Erl&#228;uterungen.</p>
<p>Der &#228;lter gewordene Leo ist doch der Erz&#228;hler. Er wird durch den Tagebuchfund gezwungen, sich den Ereignissen dieses Sommers mittels einer weit aushohlenden Erinnerungs- und Schreibbewegung zu stellen. Das Ergebnis liegt als Buch vor uns. Es ist der alte Leo, der sein zw&#246;lfj&#228;hriges Ich, die Szenerie, die Menschen, die Erlebnisse und ihre Folgen f&#252;r ihn, sprachlich heraufbeschw&#246;rt &#8211; nicht zuletzt um sich von ihrer traumatischen Wirkung zu befreien oder zumindest unter diese Vergangenheit einen &#8220;Schlu&#223;strich&#8221; zu ziehen. (S.376) Ob dies gelingt, bleibt bis zuletzt offen.</p>
<p>Die anti-traumatische, d.h. die beruhigende und vers&#246;hnende Wirkung der &#8220;Suche nach Tatsachen&#8221; (S. 382) wird von Leo selbst angesprochen. Die Fakten wirken wie &#8220;Balsam auf (seine) wunde Seele&#8221; (S. 380), und je mehr Fakten er zu der &#8220;Episode auf Schlo&#223; Brandham&#8221; zusammentr&#228;gt, desto geringer wird ihr Schrecken: &#8220;Indem ich die T&#252;r aufstie&#223; und das Licht der objektiven Betrachtung eindringen lie&#223;, zerfielen die Mumien zu Staub.&#8221; (S. 382) Ein wenig mehr N&#252;chternheit und die tragische Fallh&#246;he w&#228;re wahrscheinlich geringer gewesen. Diese jedoch war ihm nicht gegeben. Er war anders disponiert, und gerade diese Disposition macht ihn, wie ich finde, zu einem interessanten Charakter. </p>
<p>Aber du hast das Buch nicht zur Hand, kannst also meine Lesart nicht &#252;berpr&#252;fen. Vielleicht k&#246;nnen wir uns sp&#228;ter, wenn dir das Buch vorliegt, noch einmal kurzschlie&#223;en. Aber wir k&#246;nnen auch unsere en détail unterschiedlich gewichteten Lesarten nebeneinander stehen lassen. En gros sind wir uns ja einig gewesen.</p>
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	<item>
		<title>Von: Helmut</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2008/11/21/l-p-hartley-the-go-between/comment-page-1/#comment-7242</link>
		<dc:creator>Helmut</dc:creator>
		<pubDate>Fri, 19 Dec 2008 21:41:39 +0000</pubDate>
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		<description>Die Sonne, der Glutkern, ja, nur wollte ich zwischen Trieb und Liebe differenzieren.
Und wenn die Sehnsucht auf die Erf&#252;llung reiner Nacktheit steht - woher dann dre Schock als er diese sieht?
Worauf die Formulierung mit dem nackten Trieb anspielte, hab ich nat&#252;rlich verstanden, mir ging es um die N&#228;he zur Stilbl&#252;te.
Leo ist f&#252;r die Phantasiet&#228;tigkeit etc. zust&#228;ndig - oder der Erz&#228;hler?
Die These, dass ein n&#252;chternerer ´Held´ nicht traumatisch geworden w&#228;re, ist gewagt.
Hatte er ein bewu&#223;tes ´Projekt´?
Ich habe das buch zur Zeit leider nicht zur Hand, vielleicht m&#252;sste ich nochmal reingucken, um zu antworten.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Die Sonne, der Glutkern, ja, nur wollte ich zwischen Trieb und Liebe differenzieren.<br />
Und wenn die Sehnsucht auf die Erf&#252;llung reiner Nacktheit steht &#8211; woher dann dre Schock als er diese sieht?<br />
Worauf die Formulierung mit dem nackten Trieb anspielte, hab ich nat&#252;rlich verstanden, mir ging es um die N&#228;he zur Stilbl&#252;te.<br />
Leo ist f&#252;r die Phantasiet&#228;tigkeit etc. zust&#228;ndig &#8211; oder der Erz&#228;hler?<br />
Die These, dass ein n&#252;chternerer ´Held´ nicht traumatisch geworden w&#228;re, ist gewagt.<br />
Hatte er ein bewu&#223;tes ´Projekt´?<br />
Ich habe das buch zur Zeit leider nicht zur Hand, vielleicht m&#252;sste ich nochmal reingucken, um zu antworten.</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Von: uwe</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2008/11/21/l-p-hartley-the-go-between/comment-page-1/#comment-7239</link>
		<dc:creator>uwe</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Dec 2008 17:46:28 +0000</pubDate>
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		<description>Sonne: da gibst du selbst schon die Antworten. Es ist die &quot;Hitze&quot;, mit deren Hilfe er sich verwandelt. Er sehnt sich nach einer fast k&#246;rperlichen &quot;Vereinigung mit dem Sommer&quot;, will ins &quot;Herz der Hitze&quot; vordringen, letztlich also &quot;unverh&#252;llt der Natur gegen&#252;berstehen&quot;: Die Sonne und mit ihr die Hitze stehen f&#252;r seine &quot;Sehnsucht nach Erf&#252;llung in reiner Nacktheit&quot;. (83-84) Im &#252;bertragen Sinne wird an verschiedenen Stellen dann vom &quot;Glutkern&quot; (338) gesprochen, und gemeint ist die Macht und Anziehungskraft der sexuellen Begierde und der Liebe, der sich der &quot;gr&#252;ne Junge&quot; ausgesetzt f&#252;hlt.
Die Formulierung &quot;Anblick des nackten Triebes&quot; spielt auf das nackte Liebespaar Ted und Marian an, dass von Leo und Mrs. Maudsley beim Koitus &#252;berrascht wird. (375) Danach bricht Leo dann zusammen und kann sich lange an nichts erinnern. 
Und dass ich bei Leo eine &#252;berschw&#228;ngliche Phantasiet&#228;tigkeit erkenne ist nicht nur einer pers&#246;nlichen Lesart geschuldet. Ich denke vielmehr, dass gerade diese &quot;idealistische&quot; Seite seines Charakters, die die Welt der Tatsachen oft zum Stoff seiner Tr&#228;ume und Sehns&#252;chte umwandelt, dass gerade diese gewisserma&#223;en redigierende T&#228;tigkeit seiner Phantasie ein zentrales Thema dieses Romans ist - neben der Ungeheuerlichkeit der standes- und klassen&#252;bergreifenden Liebesgeschichte und dem Thema der sexuellen Initiation. Denn es ist gerade seine &#252;beraufmerksame und zugleich unschuldige Beobachtungs- und Interpretationsgabe, die f&#252;r die sinnliche Detailf&#252;lle und pr&#228;zisen psychologischen Beschreibungen und damit f&#252;r die nostalgische Beschw&#246;rung einer verlorenen Welt verantwortlich ist. Aufgrund dieser schwelgerischen Vorstellungskraft entsteht erst die dramatische Fallh&#246;he in der Entwicklung seines Charakters und seiner Gef&#252;hlswelt. Ein wenig mehr Sachlichkeit, N&#252;chternheit oder &quot;objektive Betrachtung&quot; (382) und das Trauma w&#228;re wahrscheinlich ausgeblieben. Aber er war eben anders disponiert. Deshalb abschlie&#223;end meine Frage: Ist es wirklich nur das Scheitern seiner ersten Liebe und das Drama der (f&#252;r immer) verletzten Gef&#252;hle oder ist es nicht auch das Scheitern seines Projekts, ein anderer Mensch zu werden und seinen Phantasien Wirklichkeit zu verschaffen? Dar&#252;ber k&#246;nnten wir uns noch einmal verst&#228;ndigen.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Sonne: da gibst du selbst schon die Antworten. Es ist die &#8220;Hitze&#8221;, mit deren Hilfe er sich verwandelt. Er sehnt sich nach einer fast k&#246;rperlichen &#8220;Vereinigung mit dem Sommer&#8221;, will ins &#8220;Herz der Hitze&#8221; vordringen, letztlich also &#8220;unverh&#252;llt der Natur gegen&#252;berstehen&#8221;: Die Sonne und mit ihr die Hitze stehen f&#252;r seine &#8220;Sehnsucht nach Erf&#252;llung in reiner Nacktheit&#8221;. (83-84) Im &#252;bertragen Sinne wird an verschiedenen Stellen dann vom &#8220;Glutkern&#8221; (338) gesprochen, und gemeint ist die Macht und Anziehungskraft der sexuellen Begierde und der Liebe, der sich der &#8220;gr&#252;ne Junge&#8221; ausgesetzt f&#252;hlt.<br />
Die Formulierung &#8220;Anblick des nackten Triebes&#8221; spielt auf das nackte Liebespaar Ted und Marian an, dass von Leo und Mrs. Maudsley beim Koitus &#252;berrascht wird. (375) Danach bricht Leo dann zusammen und kann sich lange an nichts erinnern.<br />
Und dass ich bei Leo eine &#252;berschw&#228;ngliche Phantasiet&#228;tigkeit erkenne ist nicht nur einer pers&#246;nlichen Lesart geschuldet. Ich denke vielmehr, dass gerade diese &#8220;idealistische&#8221; Seite seines Charakters, die die Welt der Tatsachen oft zum Stoff seiner Tr&#228;ume und Sehns&#252;chte umwandelt, dass gerade diese gewisserma&#223;en redigierende T&#228;tigkeit seiner Phantasie ein zentrales Thema dieses Romans ist &#8211; neben der Ungeheuerlichkeit der standes- und klassen&#252;bergreifenden Liebesgeschichte und dem Thema der sexuellen Initiation. Denn es ist gerade seine &#252;beraufmerksame und zugleich unschuldige Beobachtungs- und Interpretationsgabe, die f&#252;r die sinnliche Detailf&#252;lle und pr&#228;zisen psychologischen Beschreibungen und damit f&#252;r die nostalgische Beschw&#246;rung einer verlorenen Welt verantwortlich ist. Aufgrund dieser schwelgerischen Vorstellungskraft entsteht erst die dramatische Fallh&#246;he in der Entwicklung seines Charakters und seiner Gef&#252;hlswelt. Ein wenig mehr Sachlichkeit, N&#252;chternheit oder &#8220;objektive Betrachtung&#8221; (382) und das Trauma w&#228;re wahrscheinlich ausgeblieben. Aber er war eben anders disponiert. Deshalb abschlie&#223;end meine Frage: Ist es wirklich nur das Scheitern seiner ersten Liebe und das Drama der (f&#252;r immer) verletzten Gef&#252;hle oder ist es nicht auch das Scheitern seines Projekts, ein anderer Mensch zu werden und seinen Phantasien Wirklichkeit zu verschaffen? Dar&#252;ber k&#246;nnten wir uns noch einmal verst&#228;ndigen.</p>
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	<item>
		<title>Von: Helmut</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2008/11/21/l-p-hartley-the-go-between/comment-page-1/#comment-7238</link>
		<dc:creator>Helmut</dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Dec 2008 21:41:13 +0000</pubDate>
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		<description>Deinem vorletzten Kommentar war ich n&#228;her.
Ich denke seine Boteng&#228;nge WAREN Liebesdienste. Aber er wusste es vielleicht selbst nicht. Leo war verliebt, sicher zum ersten Mal. Und so reibt er sich an der Virilit&#228;t von Marians Liebhaber. Aber wieso der Sonne zu nah? - Und was w&#228;re denn die Sonne? Die Liebe? Der Sex? Der Trieb?  (&quot;Anblick des nackten Triebes&quot; ist eine etwas ulkige Formulierung) 
Einen &#220;berschwang an Phantasie sehe ich bei Leo eigentlich nicht - sondern eher eine zumal dem Alter angemessene, normale Phantasiet&#228;tigkeit. Nat&#252;rlich habe ich schon verstanden, dass da eine ganz pers&#246;nliche Lekt&#252;revariante eine Rolle spielt.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Deinem vorletzten Kommentar war ich n&#228;her.<br />
Ich denke seine Boteng&#228;nge WAREN Liebesdienste. Aber er wusste es vielleicht selbst nicht. Leo war verliebt, sicher zum ersten Mal. Und so reibt er sich an der Virilit&#228;t von Marians Liebhaber. Aber wieso der Sonne zu nah? &#8211; Und was w&#228;re denn die Sonne? Die Liebe? Der Sex? Der Trieb?  (&#8221;Anblick des nackten Triebes&#8221; ist eine etwas ulkige Formulierung)<br />
Einen &#220;berschwang an Phantasie sehe ich bei Leo eigentlich nicht &#8211; sondern eher eine zumal dem Alter angemessene, normale Phantasiet&#228;tigkeit. Nat&#252;rlich habe ich schon verstanden, dass da eine ganz pers&#246;nliche Lekt&#252;revariante eine Rolle spielt.</p>
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		<title>Von: uwe</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2008/11/21/l-p-hartley-the-go-between/comment-page-1/#comment-7233</link>
		<dc:creator>uwe</dc:creator>
		<pubDate>Fri, 12 Dec 2008 18:18:09 +0000</pubDate>
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		<description>Sch&#246;n, dass du mir folgen konntest. Wichtig war mir, darauf hinzuweisen, dass wir es hier mit einem Jungen zu tun haben, der phantasiert, wie vielleicht alle Jungen in der sog. Adoleszenzkrise. Nur hier tr&#228;gt die Phantasie und was sie leistet, n&#228;mlich die Verkl&#228;rung und Idealisiesrung der Geschehnisse im Bewusstsein des Erlebenden, mit dazu bei, dass sie an Dramatik und Ausweglosigkeit zunehmen. Er verschuldet die Trag&#246;die nicht, aber er fungiert als Kuppler und interpretiert seine Boteng&#228;nge als Liebesdienste. Insofern wird seine Unschuld nicht nur durch die Umst&#228;nde korrumpiert, sondern eben auch von seinem eigenen Schwanken zwischen Neugier und Abwehr, zwischen seinem Angezogenwerden und Nichtwissenwollen. Er kommt eben der Sonne zu nah und st&#252;rzt ab - man k&#246;nnte sagen, er kommt ihr zu fr&#252;h zu nah, denn er ist aufgrund seiner jugendlichen Ahnungslosigkeit und Unreife in Sachen Sex unf&#228;hig, die Situation angemessen zu erfassen. Vor diesem &quot;Glutkern&quot; m&#252;ssen alle idealisierenden Deutungen versagen, und zuletzt zerst&#246;rt ihn der Anblick des nackten Triebes vollends. 
Aber gerade diese Fehlleistungen seiner interpretierenden Phantasie, die sich ins &quot;Unverst&#228;ndliche&quot; versenkt und das Geschehen in &quot;Analogie(n)&quot; auszudr&#252;cken versucht (84), diese ausschweifende T&#228;tigkeit seiner Vorstellungskraft war es, die mir an diesem Charakter gefiel - und zwar trotz der tragischen Verwicklungen, die sie mitzuverantworten hat. Diese Helden, die ihre Pers&#246;nlichkeit gewisserma&#223;en vervielfachen und die neben der objektiven Betrachtung dem &#220;berschwang der Phantasie Geltung verschaffen, sind es, die mich ansprechen. Dies nur nebenbei und dir sicherlich nicht unbekannt.
Meine Lekt&#252;reerfahrung war also neben der symbol- und assoziationstr&#228;chtigen Geschichte einer sexuellen Initiation, in der zugleich ein Epochenbruch gespiegelt wird, vor allem von dieser Spannung zwischen Realit&#228;t und Idealit&#228;t, von Trieb und Sublimierung, von Erlebnis und Phantasie im Charakter des Helden Leo gepr&#228;gt.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Sch&#246;n, dass du mir folgen konntest. Wichtig war mir, darauf hinzuweisen, dass wir es hier mit einem Jungen zu tun haben, der phantasiert, wie vielleicht alle Jungen in der sog. Adoleszenzkrise. Nur hier tr&#228;gt die Phantasie und was sie leistet, n&#228;mlich die Verkl&#228;rung und Idealisiesrung der Geschehnisse im Bewusstsein des Erlebenden, mit dazu bei, dass sie an Dramatik und Ausweglosigkeit zunehmen. Er verschuldet die Trag&#246;die nicht, aber er fungiert als Kuppler und interpretiert seine Boteng&#228;nge als Liebesdienste. Insofern wird seine Unschuld nicht nur durch die Umst&#228;nde korrumpiert, sondern eben auch von seinem eigenen Schwanken zwischen Neugier und Abwehr, zwischen seinem Angezogenwerden und Nichtwissenwollen. Er kommt eben der Sonne zu nah und st&#252;rzt ab &#8211; man k&#246;nnte sagen, er kommt ihr zu fr&#252;h zu nah, denn er ist aufgrund seiner jugendlichen Ahnungslosigkeit und Unreife in Sachen Sex unf&#228;hig, die Situation angemessen zu erfassen. Vor diesem &#8220;Glutkern&#8221; m&#252;ssen alle idealisierenden Deutungen versagen, und zuletzt zerst&#246;rt ihn der Anblick des nackten Triebes vollends.<br />
Aber gerade diese Fehlleistungen seiner interpretierenden Phantasie, die sich ins &#8220;Unverst&#228;ndliche&#8221; versenkt und das Geschehen in &#8220;Analogie(n)&#8221; auszudr&#252;cken versucht (84), diese ausschweifende T&#228;tigkeit seiner Vorstellungskraft war es, die mir an diesem Charakter gefiel &#8211; und zwar trotz der tragischen Verwicklungen, die sie mitzuverantworten hat. Diese Helden, die ihre Pers&#246;nlichkeit gewisserma&#223;en vervielfachen und die neben der objektiven Betrachtung dem &#220;berschwang der Phantasie Geltung verschaffen, sind es, die mich ansprechen. Dies nur nebenbei und dir sicherlich nicht unbekannt.<br />
Meine Lekt&#252;reerfahrung war also neben der symbol- und assoziationstr&#228;chtigen Geschichte einer sexuellen Initiation, in der zugleich ein Epochenbruch gespiegelt wird, vor allem von dieser Spannung zwischen Realit&#228;t und Idealit&#228;t, von Trieb und Sublimierung, von Erlebnis und Phantasie im Charakter des Helden Leo gepr&#228;gt.</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Von: Helmut</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2008/11/21/l-p-hartley-the-go-between/comment-page-1/#comment-7231</link>
		<dc:creator>Helmut</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Dec 2008 19:05:52 +0000</pubDate>
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		<description>Was Du meintest war also weniger Interpretation, sondern eine bestimmte Art von (Leos) Interpretation: Stilisierung. Zumindest. Vielleicht noch mehr und anderes. Also Fehl-Interpretation.
Du beschreibst das sehr schon, nachvollziehbar und ausf&#252;hrlich -und bist schon selbst auf dem Weg zu einer Interpretation.
Nur kann man sich die Frage stellen, wie sehr ein 13-j&#228;hirger verantwortlich ist f&#252;r solche Traumgebilde und Hirngespinste. - Insofern ist Mitverantwortung vielleicht etwas streng betrachtet.
Es ist jedoch sehr gut zu verstehen was Du meinst.

Mir kam das Tierkreis-Thema nicht besonders vielsagend oder gl&#252;cklich gew&#228;hlt vor - aber das mag Geschmackssache sein. Es k&#246;nnte auch ein andres Motiv oder eine andere Schablone sein, die er an die Wirklichkeit h&#228;lt und mit der er ´operiert´.
Ist das Klassenkritik?
Vielleicht auch. 
Aber man kann es auch noch anders lesen. Die blo&#223;e aber lebensl&#228;ngliche Bestrafung eines Aufstiegswilligen oder -begeisterten, das w&#228;re auch etwas grausam und wenig.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Was Du meintest war also weniger Interpretation, sondern eine bestimmte Art von (Leos) Interpretation: Stilisierung. Zumindest. Vielleicht noch mehr und anderes. Also Fehl-Interpretation.<br />
Du beschreibst das sehr schon, nachvollziehbar und ausf&#252;hrlich -und bist schon selbst auf dem Weg zu einer Interpretation.<br />
Nur kann man sich die Frage stellen, wie sehr ein 13-j&#228;hirger verantwortlich ist f&#252;r solche Traumgebilde und Hirngespinste. &#8211; Insofern ist Mitverantwortung vielleicht etwas streng betrachtet.<br />
Es ist jedoch sehr gut zu verstehen was Du meinst.</p>
<p>Mir kam das Tierkreis-Thema nicht besonders vielsagend oder gl&#252;cklich gew&#228;hlt vor &#8211; aber das mag Geschmackssache sein. Es k&#246;nnte auch ein andres Motiv oder eine andere Schablone sein, die er an die Wirklichkeit h&#228;lt und mit der er ´operiert´.<br />
Ist das Klassenkritik?<br />
Vielleicht auch.<br />
Aber man kann es auch noch anders lesen. Die blo&#223;e aber lebensl&#228;ngliche Bestrafung eines Aufstiegswilligen oder -begeisterten, das w&#228;re auch etwas grausam und wenig.</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Von: uwe</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2008/11/21/l-p-hartley-the-go-between/comment-page-1/#comment-7226</link>
		<dc:creator>uwe</dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Dec 2008 19:16:22 +0000</pubDate>
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		<description>Du fragst nach Leos Drang zur Interpretation und seinem Wunsch, ein anderer zu werden. Nun, ich will es anhand meiner Exzerpte versuchen zu erl&#228;utern.
Zun&#228;chst wird ja schon im Prolog die gro&#223;e Erwartungshaltung unseres Helden an die Schwellenzeit um 1900 benannt und mit den W&#252;nschen parallelisiert, die er f&#252;r das neue Jahrhundert hegt. Sowohl f&#252;r seine pers&#246;nliche als auch f&#252;r die gesellschaftlich-politische Entwicklung erwartet er die &quot;Verwirklichung&quot; der gr&#246;&#223;ten Hoffnungen. (25)
Ferner wird schon zu Beginn die Spannung zwischen der Welt seiner Phantasie und der n&#252;chternen Faktenwelt als ein wesentlicher Zug seines Charakters benannt: Einerseits die Deutung der Welt mittels der Tierkreiszeichen und andererseits ein betont realistisches Verhalten innerhalb des Schuldaseins. (37) Dieses Gleichgewicht zwischen seinen realistischen und idealistischen Tendenzen ger&#228;t dann in Branham Hall aus dem Lot. Die dortigen Bewohner verk&#246;rpern f&#252;r ihn die magische Tierkreis-Traumwelt (39), in die er eintreten m&#246;chte. Er bleibt sich dabei immer seines Au&#223;enseiterstatus&#039; bewusst, und doch f&#252;hlt er sich der anderen, f&#252;r ihn h&#246;heren Existenzform der Tierkreis-Menschen teilhaftig, wenn auch nur als Mittler, als Bote und Botschafter zwischen den Menschen, die in seiner Phantasie zu G&#246;ttern werden.
Er hofft also auf eine Verwandlung, eine H&#246;herentwicklng seiner Pers&#246;nlichkeit, ja auf eine Ann&#228;herung an seine Phantasiegesch&#246;pfe, denen die Welt ein &quot;Spielplatz&quot; ist (85) und die jenseits der ihn peinigenden menschlichen &quot;Unzul&#228;nglichkeiten&quot; (108) leben. Sie sind in seiner rastlos arbeitenden Phantasie zu &quot;Super-Erwachsenen&quot; geworden, die aus der Entfernung angebetet werden k&#246;nnen (110). Ihnen zu dienen und dadurch eine neue Existenz-Rolle anzunehmen ist eine zentrale Hoffnung und ein gro&#223;es Gl&#252;ck f&#252;r Leo. (116)
Das Medium dieser Verwandlung sind seine Boteng&#228;nge, durch diese geh&#246;rt er dazu und bleibt zugleich au&#223;en vor. Doch er selbst empfindet sich als einen &quot;Eingeweihten&quot; (119), spricht gegen&#252;ber seiner Mutter von einem &quot;Aufstieg&quot; oder von der &quot;g&#246;ttlichen Luft&quot;, die er jetzt atme (145). Er hofft, den &quot;Gipfel seines Daseins&quot; zu erklimmen und die &quot;Grenzen der Alltagsmenschlichkeit&quot; zu &#252;berschreiten (146).
Die Dynamik dieser zunehmenden Idealisierung seiner Brandham-Erlebnisse herrscht vor bis zur schlussendlichen Ent-T&#228;uschung, dem Trauma der verletzten Gef&#252;hle und des offen gelegten Sexus im Anblick des nackten Liebespaares. Dies zu seiner Selbst-Verwandlungssehnsucht, die man soziologisch auch als eine Klassenfluchtphantasie begreifen kann. Nun zum zweiten Punkt.
Der Drang zur Interpretation seiner Erfahrungen, ihres Einordnens in ein Deutungssystem bestimmt sein Wesen und ist seinem Charakter eigent&#252;mlich: Das f&#228;ngt mit der genannten Obsession f&#252;r die Tierkreiszeichen an, geht &#252;ber die Identifikation der Brandham-Bewohner mit G&#246;ttern oder &quot;Super-Erwachsenen&quot; und der Selbststilisierung als G&#246;tterboten weiter, und endet bei seiner hohen Minne zur Jungfer Marian, seiner Robin-Hood-Phantasie oder auch seinem Ideal der platonischen Liebe, wie er sie in seinem Gesang verwirklicht glaubt. Von zentraler Bedeutung ist hierbei seine ideale und unschuldige Liebe zur Marian. Ihre Gunst ist ihm die &quot;Jakobsleiter&quot;, die zu seinem &quot;Aufstieg&quot; in die von ihm verehrte G&#246;tterwelt f&#252;hrte. (225)
Als Widerpart dazu fungiert seine homoerotisch grundierte Zuneigung zu Ted. Das ist die k&#246;rperliche Seite seiner Verwandlungssehnsucht: W&#228;hrend Marian die holde Frau aus dem &quot;Zauberwald&quot; ist (245), so ist Ted reine Physis, erotisch-sexuelle K&#246;rperlichkeit und wird von ihm mit der wilden und verwirrenden Natur assoziiert. Er ist Feind und Freund zugleich (226), sein Medium ist die Hitze, die den Roman durchstr&#246;mt - der &quot;Glutkern&quot; des Sexus (336-338).
Bei all dem ist sich Leo seiner Idealisierungen durchaus bewusst, er spielt sogar damit, aber er kann davon nicht lassen. Er genie&#223;t es, die Dinge, die um ihn herum tats&#228;chlich passieren, nicht f&#252;r das zu nehmen, was sie sind - zum gro&#223;en Teil versteht er sie aber auch nicht -, sondern er nimmt sie vornehmlich f&#252;r das, was seine Phantasie daraus machen kann (353). Es gleicht einer Vervielf&#228;ltigung seiner Pers&#246;nlichkeit, einem Doppelleben. Bis zum Showdown an seinem 13. Geburtstag: Da sieht er seine Selbstt&#228;uschungen ein, legt sein &quot;Narrenkost&#252;m&quot; (den gr&#252;nen Anzug) ab und versucht n&#252;chtern sich der Wirklichkeit zu stellen. Er gibt seine Rolle auf, legt seine &quot;Aufgeblasenheit&quot; ab, will nicht mehr ein anderer sein. (351-354) Er wei&#223; allerdings auch, dass diese Reduktion auf ein einziges Ich eine &quot;Verarmung&quot; bedeutet: Die Intensit&#228;t der Dinge und Erlebnisse geht verloren. (361) 
Im Anschluss an diese Erkenntnis tritt dann das Trauma ein, sein Zusammenbruch, der endg&#252;ltige Knacks. (375) So wie er zuvor den magischen Kr&#228;ften der Verwandlung der Brandhamschen Zauberwelt &#252;berm&#228;&#223;ig vertraute, so hofft er nun, alternd und innerlich vertrocknet, im gef&#252;hls- und liebesjenseitigen Feld der reinen Fakten einen Ersatz zu finden. Mit der Erinnerungsbewegung wird sich der alte Leo bewusst, dass diese Reduktion die gr&#246;&#223;te Selbstverleugnung war - doch sie ist nicht mehr r&#252;ckg&#228;ngig zu machen: Er bleibt wahrscheinlich ein &quot;Fremdling in der Welt der Gem&#252;tsbewegungen&quot; (400), wie es am Schluss hei&#223;t. Das ist die bittere Note dieses Buches, aber eine, die, wie ich finde, uns Leser ber&#252;hrt, ans Herz geht, und die ganze Macht der Liebe ahnen l&#228;sst, in deren Sch&#246;nheit und Geheimnis er in diesem Sommer im Jahre 1900 als unschuldiger J&#252;ngling ein- und als gebrochener Mann wieder auftauchte.
So meine Lesart.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Du fragst nach Leos Drang zur Interpretation und seinem Wunsch, ein anderer zu werden. Nun, ich will es anhand meiner Exzerpte versuchen zu erl&#228;utern.<br />
Zun&#228;chst wird ja schon im Prolog die gro&#223;e Erwartungshaltung unseres Helden an die Schwellenzeit um 1900 benannt und mit den W&#252;nschen parallelisiert, die er f&#252;r das neue Jahrhundert hegt. Sowohl f&#252;r seine pers&#246;nliche als auch f&#252;r die gesellschaftlich-politische Entwicklung erwartet er die &#8220;Verwirklichung&#8221; der gr&#246;&#223;ten Hoffnungen. (25)<br />
Ferner wird schon zu Beginn die Spannung zwischen der Welt seiner Phantasie und der n&#252;chternen Faktenwelt als ein wesentlicher Zug seines Charakters benannt: Einerseits die Deutung der Welt mittels der Tierkreiszeichen und andererseits ein betont realistisches Verhalten innerhalb des Schuldaseins. (37) Dieses Gleichgewicht zwischen seinen realistischen und idealistischen Tendenzen ger&#228;t dann in Branham Hall aus dem Lot. Die dortigen Bewohner verk&#246;rpern f&#252;r ihn die magische Tierkreis-Traumwelt (39), in die er eintreten m&#246;chte. Er bleibt sich dabei immer seines Au&#223;enseiterstatus&#8217; bewusst, und doch f&#252;hlt er sich der anderen, f&#252;r ihn h&#246;heren Existenzform der Tierkreis-Menschen teilhaftig, wenn auch nur als Mittler, als Bote und Botschafter zwischen den Menschen, die in seiner Phantasie zu G&#246;ttern werden.<br />
Er hofft also auf eine Verwandlung, eine H&#246;herentwicklng seiner Pers&#246;nlichkeit, ja auf eine Ann&#228;herung an seine Phantasiegesch&#246;pfe, denen die Welt ein &#8220;Spielplatz&#8221; ist (85) und die jenseits der ihn peinigenden menschlichen &#8220;Unzul&#228;nglichkeiten&#8221; (108) leben. Sie sind in seiner rastlos arbeitenden Phantasie zu &#8220;Super-Erwachsenen&#8221; geworden, die aus der Entfernung angebetet werden k&#246;nnen (110). Ihnen zu dienen und dadurch eine neue Existenz-Rolle anzunehmen ist eine zentrale Hoffnung und ein gro&#223;es Gl&#252;ck f&#252;r Leo. (116)<br />
Das Medium dieser Verwandlung sind seine Boteng&#228;nge, durch diese geh&#246;rt er dazu und bleibt zugleich au&#223;en vor. Doch er selbst empfindet sich als einen &#8220;Eingeweihten&#8221; (119), spricht gegen&#252;ber seiner Mutter von einem &#8220;Aufstieg&#8221; oder von der &#8220;g&#246;ttlichen Luft&#8221;, die er jetzt atme (145). Er hofft, den &#8220;Gipfel seines Daseins&#8221; zu erklimmen und die &#8220;Grenzen der Alltagsmenschlichkeit&#8221; zu &#252;berschreiten (146).<br />
Die Dynamik dieser zunehmenden Idealisierung seiner Brandham-Erlebnisse herrscht vor bis zur schlussendlichen Ent-T&#228;uschung, dem Trauma der verletzten Gef&#252;hle und des offen gelegten Sexus im Anblick des nackten Liebespaares. Dies zu seiner Selbst-Verwandlungssehnsucht, die man soziologisch auch als eine Klassenfluchtphantasie begreifen kann. Nun zum zweiten Punkt.<br />
Der Drang zur Interpretation seiner Erfahrungen, ihres Einordnens in ein Deutungssystem bestimmt sein Wesen und ist seinem Charakter eigent&#252;mlich: Das f&#228;ngt mit der genannten Obsession f&#252;r die Tierkreiszeichen an, geht &#252;ber die Identifikation der Brandham-Bewohner mit G&#246;ttern oder &#8220;Super-Erwachsenen&#8221; und der Selbststilisierung als G&#246;tterboten weiter, und endet bei seiner hohen Minne zur Jungfer Marian, seiner Robin-Hood-Phantasie oder auch seinem Ideal der platonischen Liebe, wie er sie in seinem Gesang verwirklicht glaubt. Von zentraler Bedeutung ist hierbei seine ideale und unschuldige Liebe zur Marian. Ihre Gunst ist ihm die &#8220;Jakobsleiter&#8221;, die zu seinem &#8220;Aufstieg&#8221; in die von ihm verehrte G&#246;tterwelt f&#252;hrte. (225)<br />
Als Widerpart dazu fungiert seine homoerotisch grundierte Zuneigung zu Ted. Das ist die k&#246;rperliche Seite seiner Verwandlungssehnsucht: W&#228;hrend Marian die holde Frau aus dem &#8220;Zauberwald&#8221; ist (245), so ist Ted reine Physis, erotisch-sexuelle K&#246;rperlichkeit und wird von ihm mit der wilden und verwirrenden Natur assoziiert. Er ist Feind und Freund zugleich (226), sein Medium ist die Hitze, die den Roman durchstr&#246;mt &#8211; der &#8220;Glutkern&#8221; des Sexus (336-338).<br />
Bei all dem ist sich Leo seiner Idealisierungen durchaus bewusst, er spielt sogar damit, aber er kann davon nicht lassen. Er genie&#223;t es, die Dinge, die um ihn herum tats&#228;chlich passieren, nicht f&#252;r das zu nehmen, was sie sind &#8211; zum gro&#223;en Teil versteht er sie aber auch nicht -, sondern er nimmt sie vornehmlich f&#252;r das, was seine Phantasie daraus machen kann (353). Es gleicht einer Vervielf&#228;ltigung seiner Pers&#246;nlichkeit, einem Doppelleben. Bis zum Showdown an seinem 13. Geburtstag: Da sieht er seine Selbstt&#228;uschungen ein, legt sein &#8220;Narrenkost&#252;m&#8221; (den gr&#252;nen Anzug) ab und versucht n&#252;chtern sich der Wirklichkeit zu stellen. Er gibt seine Rolle auf, legt seine &#8220;Aufgeblasenheit&#8221; ab, will nicht mehr ein anderer sein. (351-354) Er wei&#223; allerdings auch, dass diese Reduktion auf ein einziges Ich eine &#8220;Verarmung&#8221; bedeutet: Die Intensit&#228;t der Dinge und Erlebnisse geht verloren. (361)<br />
Im Anschluss an diese Erkenntnis tritt dann das Trauma ein, sein Zusammenbruch, der endg&#252;ltige Knacks. (375) So wie er zuvor den magischen Kr&#228;ften der Verwandlung der Brandhamschen Zauberwelt &#252;berm&#228;&#223;ig vertraute, so hofft er nun, alternd und innerlich vertrocknet, im gef&#252;hls- und liebesjenseitigen Feld der reinen Fakten einen Ersatz zu finden. Mit der Erinnerungsbewegung wird sich der alte Leo bewusst, dass diese Reduktion die gr&#246;&#223;te Selbstverleugnung war &#8211; doch sie ist nicht mehr r&#252;ckg&#228;ngig zu machen: Er bleibt wahrscheinlich ein &#8220;Fremdling in der Welt der Gem&#252;tsbewegungen&#8221; (400), wie es am Schluss hei&#223;t. Das ist die bittere Note dieses Buches, aber eine, die, wie ich finde, uns Leser ber&#252;hrt, ans Herz geht, und die ganze Macht der Liebe ahnen l&#228;sst, in deren Sch&#246;nheit und Geheimnis er in diesem Sommer im Jahre 1900 als unschuldiger J&#252;ngling ein- und als gebrochener Mann wieder auftauchte.<br />
So meine Lesart.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: Helmut</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2008/11/21/l-p-hartley-the-go-between/comment-page-1/#comment-7224</link>
		<dc:creator>Helmut</dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Dec 2008 09:40:53 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.eckfenster.de/wordpress/2008/11/21/l-p-hartley-the-go-between/#comment-7224</guid>
		<description>Du nennst wichtige Punkte:
Beschreibunssorgfalt, registrierende Aufmerksamkeit, Sprache, dann aber auch den Drang, ein anderer zu werden und seine Neigung zur Interpretation.
Diese siehst Du in der (Mit-)Verantwortung daf&#252;r, dass das Geschehen seinen unguten Lauf nahm.
K&#246;nntest Du das noch etwas n&#228;her erl&#228;utern? 
Das ist mir so nicht aufgefallen, w&#228;re aber ein interessanter Punkt. 
Prinzipiell: Der Hang zur Interpretation d&#252;rfte ja nicht an sich negativ sein (oder?), sondern der Umstand falschen Interpretierens. (?)
Ein anderer werden: In welcher Hinsicht? - Vermutlich ist nicht das Erwachsenwerden gemeint? Das w&#228;re in diesem Alter ja nur normal.

Kein anderer Schlu&#223; denkbar: Sind nicht immer andere Schl&#252;sse denkbar? Sicher, mir erscheint dieser hier auch als sehr passend. Gerade in seiner (Ver-)Fallh&#246;he, was die Situation im Sommer 1900 und diejenige angeht, als er als alter Mann dieser Familie noch einmal nahekommt. - Aber denkbar f&#228;nde ich andere Schl&#252;sse durchaus.
Vor allem kann man Leos Verk&#252;mmerung als tragisch empfinden, denn ´Schuld´ im harten Sinn d&#252;rfte ihn nicht viel treffen. - Wohl aber lebenslange Konsequenzen. Und die Szene der s&#252;&#223;en M&#246;glichkeiten nach dem Kricket-Spiel bleibt so eine Eintagsfliege. Sie zeigt aber: Anderes w&#228;re m&#246;glich, vielleicht sogar naheliegend, n&#228;mlich in ihm angelegt, gewesen - sollte dann aber nicht sein. Eine Mi&#223;stimmung. Wie bei einem zerst&#246;rten Instrument.
Ich habe das Buch gerade nicht zur Hand, das Vorwort m&#252;sste ich mir noch einmal ansehen, um dar&#252;ber etwas sagen zu k&#246;nnen.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Du nennst wichtige Punkte:<br />
Beschreibunssorgfalt, registrierende Aufmerksamkeit, Sprache, dann aber auch den Drang, ein anderer zu werden und seine Neigung zur Interpretation.<br />
Diese siehst Du in der (Mit-)Verantwortung daf&#252;r, dass das Geschehen seinen unguten Lauf nahm.<br />
K&#246;nntest Du das noch etwas n&#228;her erl&#228;utern?<br />
Das ist mir so nicht aufgefallen, w&#228;re aber ein interessanter Punkt.<br />
Prinzipiell: Der Hang zur Interpretation d&#252;rfte ja nicht an sich negativ sein (oder?), sondern der Umstand falschen Interpretierens. (?)<br />
Ein anderer werden: In welcher Hinsicht? &#8211; Vermutlich ist nicht das Erwachsenwerden gemeint? Das w&#228;re in diesem Alter ja nur normal.</p>
<p>Kein anderer Schlu&#223; denkbar: Sind nicht immer andere Schl&#252;sse denkbar? Sicher, mir erscheint dieser hier auch als sehr passend. Gerade in seiner (Ver-)Fallh&#246;he, was die Situation im Sommer 1900 und diejenige angeht, als er als alter Mann dieser Familie noch einmal nahekommt. &#8211; Aber denkbar f&#228;nde ich andere Schl&#252;sse durchaus.<br />
Vor allem kann man Leos Verk&#252;mmerung als tragisch empfinden, denn ´Schuld´ im harten Sinn d&#252;rfte ihn nicht viel treffen. &#8211; Wohl aber lebenslange Konsequenzen. Und die Szene der s&#252;&#223;en M&#246;glichkeiten nach dem Kricket-Spiel bleibt so eine Eintagsfliege. Sie zeigt aber: Anderes w&#228;re m&#246;glich, vielleicht sogar naheliegend, n&#228;mlich in ihm angelegt, gewesen &#8211; sollte dann aber nicht sein. Eine Mi&#223;stimmung. Wie bei einem zerst&#246;rten Instrument.<br />
Ich habe das Buch gerade nicht zur Hand, das Vorwort m&#252;sste ich mir noch einmal ansehen, um dar&#252;ber etwas sagen zu k&#246;nnen.</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Von: uwe</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2008/11/21/l-p-hartley-the-go-between/comment-page-1/#comment-7222</link>
		<dc:creator>uwe</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Dec 2008 19:23:25 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.eckfenster.de/wordpress/2008/11/21/l-p-hartley-the-go-between/#comment-7222</guid>
		<description>Ja, wie macht der Autor das?
Genauigkeit, ein Sich-Zeit-lassen, der lange epische Atem also, haben wir genannt. Hinzu kommen die vielen sinnlichen Details, die Anschauungsvielfalt und die damit korrespondierende Beschreibungssorgfalt, die nie nur um ihrer selbst willen, sondern immer mit einem motivischen oder symbolischen Input versehen wird, der zu dem zentralen Thema der Initiation in Beziehung steht. Letztlich ist es also die minuti&#246;s registrierende Aufmerksamkeit und unabl&#228;ssig seine Erfahrungen interpretierende Phantasie- und Gedankent&#228;tigkeit des Helden Leo und wie dieses zugleich reflektierende und erlebende Bewusstsein in eine ruhig dahinflie&#223;ende, elegante und doch auch pr&#228;zise und anspielungsreiche Sprache &#252;bersetzt wird. 
Wie Du sehe ich die Brechung der Zeiten durch den Pro- und Epilog sehr positiv. Nur so konnte nicht nur die Spannung, sondern auch der unaufhebbare Hiatus zwischen jugendlichem und alterndem Ich verdeutlicht werden.
Neben der Unschuld des Helden w&#252;rde ich noch dessen unb&#228;ndigen Drang, ein anderer werden und eine h&#246;here Ebene des Lebens erreichen zu wollen als entscheidend f&#252;r die Dramatik des Geschehens ansehen und auch daf&#252;r verantwortlich machen, dass uns der Held mit seinen Freuden und N&#246;ten so nahe geht. Es ist ja nicht nur die Erfahrungsarmut und Ahnungslosigkeit von Leo, die dem Geschehen seinen verh&#228;ngnisvollen Drall verleiht, sondern auch seine fortw&#228;hrende Idealisierung, ja Sublimierung des Erlebten. Diese Neigung, das, was ihm in dieser exterritorialen Welt begegnet, zu interpretieren, tr&#228;gt neben den starren Klassengrenzen und den moralischen Verhaltensnormen dazu bei, dass die Liebesgeschichte f&#252;r ihn und die Beteiligten zu einem Verh&#228;ngnis wird. Trotzdem hat gerade diese Charaktereigenschaft ihn f&#252;r mich so interessant gemacht.
Was andere m&#246;gliche Schl&#252;sse anbelangt, so denke ich, dass innnerhalb des uns vorliegenden Romangeschehens und wie es komponiert ist, ein alternatives Ende nicht denkbar ist. Die tragische Fallh&#246;he ist enorm und muss gleichsam mit dem Leben bezahlt werden: Die Idealit&#228;t seiner Gedanken- und Gef&#252;hlswelt wird derart verletzt und besch&#228;digt (traumatisiert), dass er fortan nicht anders kann als sich den unpers&#246;nlichen Fakten hinzugeben und dabei innerlich zu verarmen. Das fand ich beklagenswert, aber stimmig und nachvollziehbar.
Das Titelbild: nun ja, ich fand es auch nicht gut, aber es passt dazu, vor allem der Spalt, der die Leo-Figur halbiert. Nach der Lekt&#252;re konnte ich das Cover dann akzeptieren. Sonst gefallen mirt solche mit Filmstills verunzierten Umschl&#228;ge &#252;berhaupt nicht. Ansonsten ist das doch aber eine vorbildliche Edition, und auch das verhalten interpretierende Vorwort passt recht gut zum Text, oder?</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Ja, wie macht der Autor das?<br />
Genauigkeit, ein Sich-Zeit-lassen, der lange epische Atem also, haben wir genannt. Hinzu kommen die vielen sinnlichen Details, die Anschauungsvielfalt und die damit korrespondierende Beschreibungssorgfalt, die nie nur um ihrer selbst willen, sondern immer mit einem motivischen oder symbolischen Input versehen wird, der zu dem zentralen Thema der Initiation in Beziehung steht. Letztlich ist es also die minuti&#246;s registrierende Aufmerksamkeit und unabl&#228;ssig seine Erfahrungen interpretierende Phantasie- und Gedankent&#228;tigkeit des Helden Leo und wie dieses zugleich reflektierende und erlebende Bewusstsein in eine ruhig dahinflie&#223;ende, elegante und doch auch pr&#228;zise und anspielungsreiche Sprache &#252;bersetzt wird.<br />
Wie Du sehe ich die Brechung der Zeiten durch den Pro- und Epilog sehr positiv. Nur so konnte nicht nur die Spannung, sondern auch der unaufhebbare Hiatus zwischen jugendlichem und alterndem Ich verdeutlicht werden.<br />
Neben der Unschuld des Helden w&#252;rde ich noch dessen unb&#228;ndigen Drang, ein anderer werden und eine h&#246;here Ebene des Lebens erreichen zu wollen als entscheidend f&#252;r die Dramatik des Geschehens ansehen und auch daf&#252;r verantwortlich machen, dass uns der Held mit seinen Freuden und N&#246;ten so nahe geht. Es ist ja nicht nur die Erfahrungsarmut und Ahnungslosigkeit von Leo, die dem Geschehen seinen verh&#228;ngnisvollen Drall verleiht, sondern auch seine fortw&#228;hrende Idealisierung, ja Sublimierung des Erlebten. Diese Neigung, das, was ihm in dieser exterritorialen Welt begegnet, zu interpretieren, tr&#228;gt neben den starren Klassengrenzen und den moralischen Verhaltensnormen dazu bei, dass die Liebesgeschichte f&#252;r ihn und die Beteiligten zu einem Verh&#228;ngnis wird. Trotzdem hat gerade diese Charaktereigenschaft ihn f&#252;r mich so interessant gemacht.<br />
Was andere m&#246;gliche Schl&#252;sse anbelangt, so denke ich, dass innnerhalb des uns vorliegenden Romangeschehens und wie es komponiert ist, ein alternatives Ende nicht denkbar ist. Die tragische Fallh&#246;he ist enorm und muss gleichsam mit dem Leben bezahlt werden: Die Idealit&#228;t seiner Gedanken- und Gef&#252;hlswelt wird derart verletzt und besch&#228;digt (traumatisiert), dass er fortan nicht anders kann als sich den unpers&#246;nlichen Fakten hinzugeben und dabei innerlich zu verarmen. Das fand ich beklagenswert, aber stimmig und nachvollziehbar.<br />
Das Titelbild: nun ja, ich fand es auch nicht gut, aber es passt dazu, vor allem der Spalt, der die Leo-Figur halbiert. Nach der Lekt&#252;re konnte ich das Cover dann akzeptieren. Sonst gefallen mirt solche mit Filmstills verunzierten Umschl&#228;ge &#252;berhaupt nicht. Ansonsten ist das doch aber eine vorbildliche Edition, und auch das verhalten interpretierende Vorwort passt recht gut zum Text, oder?</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Von: Helmut</title>
		<link>http://www.eckfenster.de/wordpress/2008/11/21/l-p-hartley-the-go-between/comment-page-1/#comment-7220</link>
		<dc:creator>Helmut</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Dec 2008 15:39:26 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.eckfenster.de/wordpress/2008/11/21/l-p-hartley-the-go-between/#comment-7220</guid>
		<description>Eine kleine Hymne, Dein Kommentar - aber freut mich nat&#252;rlich, dass Du meinen sehr positiven Eindruck teilst!
Man k&#246;nnte sich noch fragen - und Du machst das schon - wie macht das der Autor? Wir bekommt er das hin? Genauigkeit, ja, sicher, die N&#228;he zu der Figur Leos. Aber vermutlich auch das Sich-Zeit-Nehmen. Dieses Buch hat so etwas wunderbar ungehetztes - und damit w&#228;re man schon wieder beim Kommentar zur Lesung von Peter Bichsel: Dem Umgang mit der vergehenden Zeit.

Was mir auch gut gefallen hat, sind die Parts am Anfang und am Ende. Sie bezeichnen Br&#252;che. Aber sie holen das Geschehen ein und bereichern es enorm. 

Vielleicht ist auch die Naivit&#228;t und Unschuld des Helden - der Leser d&#252;rfte da l&#228;ngst mehr und anderes ahnen als Leo - ein Kunstgriff, der einem die Figur und das sie umgebende Spannungsfeld besonders nahe bringt.

Und nicht zuletzt ist es genial gemacht, wie Hartley die Verlientheit Leos umschreibt, die, glaube ich, mit keinem Wort expliziert wird, aber, auch ihm selbst verborgen, latent st&#228;ndig da und wirksam.

Am Ende hat mir sogar das Titelbild, das ich zun&#228;chst eher despektierlich betrachtete, gefallen. Eine sehr gute Idee, dieses mitten durch zu schneiden.
Das nimmt den ´Knacks´ auf, den Leo in den erz&#228;hlten Wochen erf&#228;hrt. Immerhin einen Knacks f&#252;rs Leben. Diese bittere Note, die dem Buch beigegeben ist, k&#246;nnte man in ihrer Notwendigkeit noch einmal &#252;berdenken.- H&#228;tte es andere denkbare, passende Schl&#252;sse respektive Schicksale gegeben?</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Eine kleine Hymne, Dein Kommentar &#8211; aber freut mich nat&#252;rlich, dass Du meinen sehr positiven Eindruck teilst!<br />
Man k&#246;nnte sich noch fragen &#8211; und Du machst das schon &#8211; wie macht das der Autor? Wir bekommt er das hin? Genauigkeit, ja, sicher, die N&#228;he zu der Figur Leos. Aber vermutlich auch das Sich-Zeit-Nehmen. Dieses Buch hat so etwas wunderbar ungehetztes &#8211; und damit w&#228;re man schon wieder beim Kommentar zur Lesung von Peter Bichsel: Dem Umgang mit der vergehenden Zeit.</p>
<p>Was mir auch gut gefallen hat, sind die Parts am Anfang und am Ende. Sie bezeichnen Br&#252;che. Aber sie holen das Geschehen ein und bereichern es enorm. </p>
<p>Vielleicht ist auch die Naivit&#228;t und Unschuld des Helden &#8211; der Leser d&#252;rfte da l&#228;ngst mehr und anderes ahnen als Leo &#8211; ein Kunstgriff, der einem die Figur und das sie umgebende Spannungsfeld besonders nahe bringt.</p>
<p>Und nicht zuletzt ist es genial gemacht, wie Hartley die Verlientheit Leos umschreibt, die, glaube ich, mit keinem Wort expliziert wird, aber, auch ihm selbst verborgen, latent st&#228;ndig da und wirksam.</p>
<p>Am Ende hat mir sogar das Titelbild, das ich zun&#228;chst eher despektierlich betrachtete, gefallen. Eine sehr gute Idee, dieses mitten durch zu schneiden.<br />
Das nimmt den ´Knacks´ auf, den Leo in den erz&#228;hlten Wochen erf&#228;hrt. Immerhin einen Knacks f&#252;rs Leben. Diese bittere Note, die dem Buch beigegeben ist, k&#246;nnte man in ihrer Notwendigkeit noch einmal &#252;berdenken.- H&#228;tte es andere denkbare, passende Schl&#252;sse respektive Schicksale gegeben?</p>
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