Dimitri Verhulst: “Problemski Hotel”

Dimitri Verhulst: “Problemski Hotel”, Roman aus dem Niederländischen von Barbara Heller, zuerst unter gleichem Titel 2003 in Amsterdam erschienen, auf deutsch 2004 in Berlin, 139 Seiten, als Taschenbuch 6,95 Euro

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asyl Verhulst ist ein radikaler Autor. Und das ist ein Lob.
Ist er in “Problemski Hotel” ein Zyniker, ist er ein Moralist?
Jedenfalls scheint er einer zu sein, dessen Gebiet das Grobe und das Krasse sind. Abschaum und Gosse liegen ihm. Es gibt da, sein Familienroman “Die Beschissenheit der Dinge” legt das nahe, biographische Affinitäten.
Von unten, das ist also seine Perspektive.
Und so hat er sich für ein paar Tage ein Asylantenheim von innen angesehen und sich davon inspirieren lassen. Zuerst für einen Magazinartikel, dann für dieses Buch. Spannend erzählt er davon, es macht Spaß ihn zu lesen, auch wenn er mit dem was er schreibt die Geschmacks- und Ekelgrenzen tangiert und zuweilen auch überschreitet. Sprachlich nähert er sich mit schnoddrigem Zynismus, aber das Herz hat er am rechten Fleck, daran gibt es keinen Zweifel.
Sein Bericht vom Leben ´ganz unten´, hieß es nicht einmal bei Günter Wallraff so?, kann teils Mitleid erregen, teils schockieren – und will das sicher auch.
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Pete Dexter: “Paris Trout”

Pete Dexter: “Paris Trout”, Roman aus dem Englischen von Jürgen Bürger, die amerikanische Ausgabe erschien zuerst 1988 unter gleichem Titel in New York, die deutsche Ausgabe in München 2008, 415 Seiten, 22 Euro

Kein kurzes Buch, durchaus eines, das Qualitäten hat. – Dass es allerdings den National Book
Award 1988 bekam, erstaunt doch eher. Ohne sich Gedanken über die damalige Konkurrenz zu machen: Dexter kann etwas und es erscheint stimmig, dass er Drehbuchautor ist. Aber als Ganzes überzeugt der Entwurf nicht, schon aus einem ganz prinzipiellen Grund. Wenn man einen zutiefst pathologischen Fall zum Kern eines ganzen Romans macht, kann man nahezu alles machen; das trägt nicht, das vermindert auch die Spannung: Alles ist möglich.
Der Roman spielt in Cotton Point, Georgia, der Fünfziger Jahre. Und wie man das mit den Südstaaten der USA klischeehaft assoziiert, dort herrscht Rassismus. Paris Trout, der Protagonist, ist dieser, natürlich reiche, wohl eher a- als unmoralische Rassist, der sich in einer Weise selbst Gesetz ist, dass er – fast – einen rechtsfreien Raum kreiiert. – Zumal die eigentümliche Duldungsstarre seiner Mitbürger ihm alles durchgehen lässt. – Nur fragt man sich: Warum? Das wird im Roman nicht motiviert. Auch manch anderes nicht. Aus diesem Topf schöpft der Autor. Einzelne Szenen und Passagen sind gut, aber was zählt das, wenn die Konstruktion nicht überzeugt? Und so lässt auch die Spannung in etwa nach der Hälfte des Buches doch deutlich nach.
Die Figur Paris Trout ist zu undifferenziert, zu monokausal angelegt um spannend zu sein. Da helfen alle ihre Gewalttaten nichts. Er begründet und argumentiert nicht – es ist schlicht wie es ist. Das ist zu wenig.
Und sollte die Spannung dadurch erzeugt werden, wie die Bevölkerung auf diesen pathologischen Fall reagiert – oder eben nicht reagiert? Denn diese ist ja ebenso einseitig, sie lässt ihn gewähren, ist nicht empört, schreitet nicht ein.
Und soll das kritisch beleuchtet werden?
Ja, sicher, aber das kann man auch leicht ohne 400 Seiten Vorbereitung. Zudem: Ist das nicht eine recht wohlfeile, abgegriffene und späte Anklage? Was hat den Menschen der Jury so gut gefallen?

Ross Macdonald: “Durchgebrannt”

Ross Macdonald: “Durchgebrannt”, aus dem Amerikanischen von Helmut Degner, Originaltitel: “The Instant Enemy” von 1968, die deutsche EA erschien 1970, die vorliegende Ausgabe ist von 1981, 361 Seiten

Die erste Hälfte des Buches überzeugt. Wer Chandler mag, wird auch ihn mögen. Spannung, Tempo, Atmosphäre und coole Sprachbilder. Aber dann stellen sich doch Längen ein. Vor allem auch durch die einigermaßen komplizierte und bei Licht besehen wenig realistische Verwandtschaftskonstellation der Figuren. Man hat ihre Namen nicht stets so präsent, wie es der Autor wohl hofft. Dann hat man kein Bild vor sich, sondern nur einen Namen, dessen Zuordnung Schwierigkeiten macht.
Hinzu kommt etwas, das Krimis allgemein betrifft: Die Zufälle und ihre Wahrscheinlichkeit. Fast denkt man, dass doch gar nicht alles gelöst und ineinander verknotet werden MUSS. Denn das führt zu Ungutem. Tempo geht verloren, Überraschungsmomente bleiben aus, letztlich entsteht Langeweile.
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